Vorderpfalz
Aus für 2G: Einzelhändler atmen auf
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) für die Pfalz reagiert nach eigenen Angaben erleichtert auf die Abschaffung der 2G-Regel im Einzelhandel durch die rheinland-pfälzische Landesregierung. „Angesichts der Lockerungen in den angrenzenden Bundesländern und der daraus resultierenden Wettbewerbsverzerrungen lag dieser Schritt nahe“, teilt eine Sprecherin mit. Er sei ein wichtiges Zeichen für den Handel, der besonders stark durch die Einschränkungen infolge der Pandemie betroffen sei. Künftig sollten nur noch bundeseinheitliche Regelungen umgesetzt werden, um wettbewerbsverzerrende Folgen zu vermeiden, fordert die IHK und kritisiert damit die Politik und den für Kunden verwirrenden Flickenteppich im Dreiländereck Pfalz, Baden und Hessen.
Der Center-Manager der Rhein-Galerie in Ludwigshafen sieht das ähnlich: „Wir haben zuletzt eine große Verunsicherung bei den Kunden gespürt wegen der unterschiedlichen Regeln in den benachbarten Bundesländern“, bilanziert Patrick Steidl. Über den Wegfall der 2G-Regel ist er überglücklich: „Wir warten schon lange sehnsüchtig darauf.“ Denn die Einschränkungen hätten zu drastischen Umsatzeinbußen in den rund 100 Geschäften sowie den Cafés und Restaurants des Einkaufszentrums geführt. Die vorgeschriebenen Kontrollen an fast jeder Ladentür seien auf dem Rücken der Händler ausgetragen worden.
Noch keine Lockerungen in der Gastronomie
„Wir sind zwar froh gewesen, dass wir nicht wie im ersten Corona-Jahr schließen mussten“, sagt Steidl im Rückblick auf den Umsatz im Herbst und Winter. Aber ein normales Weihnachtsgeschäft habe es nicht gegeben, betont er. Der 42-Jährige geht davon aus, dass es noch eine Weile dauern wird, bis sich die Lockerungen tatsächlich herumsprechen und die Leute wieder zum Einkaufsbummel aufgelegt sind. Zumal in der Gastronomie noch weiter strenge Regeln gelten.
Das betreffe leider auch den Food-Bereich in der Rhein-Galerie. „Wir hätten uns auch hier schon Erleichterungen gewünscht. Denn Einkaufen und Essen gehören zusammen. Zum Glück ist wenigstens die Kontakterfassung vom Tisch“, sagt Steidl. Aber es werde noch dauern, bis man wieder mit einem Eis in der Hand an den Schaufenstern vorbeischlendern oder in den Sitzecken ein Fischbrötchen genießen kann.
50 Prozent weniger Kunden
„Wir haben die Tage bis Freitag gezählt“, sagt Claus Jost vom gleichnamigen Modehaus. Der 35-Jährige ist Verkaufsleiter der 1892 in Grünstadt gegründeten Jakob Jost GmbH mit Standorten in Frankenthal, Landau, Worms und Bruchsal und einem Jahresumsatz von 35 Millionen Euro in 2021. Die seit Dezember geltende 2G-Regelung im Einzelhandel, von der Läden des täglichen Bedarfs ausgenommen waren, habe zu deutlichen Einbußen geführt. Im baden-württembergischen Bruchsal, wo Türkontrollen vorgeschrieben waren, seien etwa 50 Prozent weniger Kunden in das Geschäft gekommen. In Rheinland-Pfalz geht Jost von einem Rückgang um 30 Prozent aus. Hier habe man, nach Rücksprache mit dem Ordnungsamt, stichprobenartig geprüft und erst an der Kasse den Impf- oder Genesenennachweis gefordert. „Da gab es einige Beschwerden, wir wären zu lax“, sagt Jost, der die Modehäuser in fünfter Generation von Vater Steffen Jost (63) übernehmen wird.
Ziel des Unternehmens, das derzeit 264 Mitarbeiter (davon 43 in Frankenthal, 39 in Landau, 37 in Worms und 90 in Grünstadt) beschäftigt, sei es gewesen, Kunden nicht unnötig zu gängeln. Josts Erfahrung: „Auch Geimpfte waren genervt. Sie hatten keine Lust, sich anzustellen, den Ausweis und das Handy rauszukramen.“ Für Claus Jost ist die 2G-Regelung nicht nachvollziehbar. Selbst das Robert-Koch-Institut (RKI) habe keine erhöhte Infektionsgefahr im Einzelhandel gesehen. „Wir waren das Mittel, um die Ungeimpften zu ärgern“, sagt der Jost-Verkaufsleiter und studierte Betriebswirt. Auch Geschäftsführer Steffen Jost (63), Präsident des Bundesverbands des Deutschen Text-, Schuh- und Lederwareneinzelhandels, hatte sich im Dezember kritisch zu der 2G-Regel geäußert.
Ein Licht am Ende des Tunnels erkennen auch Einzelhändler in Speyer. Die Domstadt war aus Sicht von Thomas Armbrust, dem Vorsitzenden des 80 Mitglieder zählenden Einzelhandelsverbands, besonders hart von den 2G-Beschränkungen betroffen: „Wir leben hier von der Verbindung mit der Gastronomie. Die Innenstadt war leer.“
Das unterstreicht auch Peter Bödeker, der in Speyer fünf Läden mit insgesamt rund 80 Mitarbeitern betreibt: „Einkaufen ist Freude, Freizeit, eine gesellschaftliche Sache. Da gehört in Speyer das Flair der Maximilianstraße ebenso dazu wie die Gastronomie. Diese Verzahnung haben wir sofort gespürt, als die Gastronomie-Branche von Auflagen betroffen war.“
Auch deshalb gibt sich Bödeker mit dem Ende der 2G-Reglungen nicht zufrieden: „Die Masken müssen fallen, man muss sich frei bewegen können“, fordert er. „Masken sind ein Symbol der Angst. Und wer Angst hat, kann keine Freude empfinden. Und die gehört zum Einkaufen dazu.“
Hoffen auf das Sommergeschäft
Obwohl die Kunden in Speyer keine Probleme gemacht, sich laut Armbrust sogar sehr diszipliniert gezeigt hätten, freut sich Bödeker, dass er keinen Impfstatus mehr bei den Kunden zu kontrollieren hat. Er gibt an, dass ihm in der 2G-Phase nur die Hälfte dessen umgesetzt wurde, was er vor Corona am umsatzschwächsten Tag des Jahres, Silvester, verkauft hatte.
Armbrust, der das Modegeschäft „Charlott“ betreibt, sagt, dass die 2G-Regel bei ihm zu einem Einbruch von 30 Prozent des Umsatzes geführt hätten. Bei anderen lägen die Einbußen zwischen 20 und sogar 50 Prozent. Nun seien, so Armbrust, die Lager voll, die Preise schon überall bis an und teils unter die Schmerzgrenze reduziert, um die Winterware gerade im Modesektor noch loszuschlagen. Wie Bödeker hofft er auf schönes Wetter im Frühjahr, damit wenigstens das Sommergeschäft wieder ins Laufen kommt.