Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Einzelhandel: Das sind die ersten Erfahrungen mit der 2G-Regel

Hinweis: En Schild weist vor dem Schuhhaus Boedeker auf die 2G-Regel hin.
Hinweis: En Schild weist vor dem Schuhhaus Boedeker auf die 2G-Regel hin.

Seit Samstag gilt im Einzelhandel die 2G-Regel. Nur noch geimpfte und genesene Personen dürfen einkaufen gehen. Geschäfte des täglichen Bedarfs sind von der Regel ausgenommen. Bei den Händlern stößt der zusätzliche Aufwand auf Verständnis, teilweise aber auch auf Kritik.

Vor dem Kaufhof auf der Maximilianstraße bilden sich am Montag immer wieder kleine Schlangen. Denn bevor es zum Einkaufen geht, warten zwei Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes an einem Stehtisch im Eingangsbereich und kontrollieren die Einhaltung der neu eingeführten 2G-Regel im Einzelhandel. „Ich bräuchte dann einmal noch den Ausweis“, sagt der eine Sicherheitsmann, nachdem er den Impfnachweis kontrolliert hat. Auf die Frage, wie die Erfahrungen mit der neuen 2G-Regel sind, dürfen die Helfer und auch die Speyerer Filialleitung des Kaufhofs keine Auskunft geben.

„Es läuft schlecht“, berichtet Constanze Buro, stellvertretende Filialleiterin im Damenmodengeschäft „Liberty“ in der Maximilianstraße. Die neue Auflage zum Schutz vor Corona-Infektionen findet sie zwar prinzipiell gut, doch in ihrem Geschäft führte sie am Samstag zu weniger Kunden im Laden und damit zu weniger Umsatz, sagt sie. Die Filialleiterin und ihre Mitarbeiter kontrollieren Impf- oder Genesenennachweise sowie Personalausweise selbst. „Die Corona-Zeit ist natürlich allgemein sehr schwierig“, sagt Buro im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Voriges Jahr habe das Geschäft am 16. Dezember schließen müssen.

„Eigentlich nicht unsere Aufgabe“

„Bis jetzt hat es keine Probleme gegeben“, so Michael Schmitt, Inhaber des Modehauses Schmitt. „Die Kunden sind verständnisvoll.“ Die Frequenz sei aber geringer geworden. „Ich finde es nicht gut, dass wir jetzt kontrollieren müssen. Das ist eigentlich nicht unsere Aufgabe“, kritisiert Schmitt. Ein Stück weiter, in der Korngasse, ist eigentlich ein Nebeneingang des Modegeschäfts C&A. Dieser bleibt jedoch geschlossen. Stattdessen verweist ein Schild darauf, den Eingang in der Maximilianstraße zu benutzen. Eine weitere Hinweistafel erklärt die neue 2G-Regel. Eine Passantin steht davor, liest und schüttelt leicht den Kopf „Wahnsinn“, sagt sie. Ihr fehle noch die Booster-Impfung, Termine dafür seien schwer zu bekommen. Somit darf sie zwar Geschäfte des Einzelhandels besuchen, beim Besuch der Gastronomie etwa bräuchte sie aber einen negativen Test.

Kritik an der neu eingeführten Regel kommt auch vom Bund der Selbständigen (BDS). „Jetzt, nachdem die Pandemie wieder richtig zuschlägt, versucht die Politik panikartig Maßnahmen zu ergreifen, die sie vorher versäumt hat“, sagt Liliana Gatterer, die aus Speyer kommende Präsidentin des BDS Rheinland-Pfalz. Leider geschehe dies auf dem Rücken vieler Selbstständiger.

Händlern fehlt personelle Ausstattung

„Wir fühlen uns in der Rolle nicht wohl“, sagt Peter Bödeker, Inhaber mehrerer Schuh- und Modegeschäfte in Speyer. Eine 2G-Regelung sei zwar besser, als die Geschäfte zu schließen, aber die Händler seien für die Kontrollen der Impf-oder Genesenennachweise personell nicht ausgestattet und es sei auch nicht ihre Aufgabe. Bisher zeigten die Kunden für die Kontrollen viel Verständnis, erwähnt er die ersten Eindrücke im Umgang mit der neuen Regel. Bödeker: „Wir können die Leute aber nicht zwingen, die Dokumente zu zeigen. Wir sind ja keine Behörde, sondern Dienstleister.“

Wartezeit: Vor dem Kaufhiof in Speyer hieß es am Montag immer wieder kurz warten .
Wartezeit: Vor dem Kaufhiof in Speyer hieß es am Montag immer wieder kurz warten .
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