Tischtennis
Aus dem Bunker in die Verbandsoberliga: Der TTC Oppau wird 75
Die ersten Platte, Hand- und Maßarbeit von Schreinermeister Franz Beringer, Malermeister Karl Berry lackierte und zog die weißen Linien. Steht so in den Annalen des 1. Tischtennisclubs 1948, Schwarz-Gelb, Ludwigshafen Oppau. Von einem Tischtennistisch „der in der ganzen Pfalz an Güte nicht seinesgleichen hatte“, wird dort geschwärmt.
Der Verein, der heute zu den Etablierten in der Pfalz zählt, wurde im Lokal „Zur Bauhütte“ gegründet – als Abteilung des einzigen Ortsvereins ASV Oppau, mehr ließ die französische Militärregierung nicht zu. Ein Stück Zeitgeschichte. 20 Männer anwesend. In der Satzung des seit 1951 eigenständigen TTC heißt es, neben Tischtennis solle es durch „öfteres geselliges Zusammentreffen“ darum gehen „den Sinn zur familiären Gemeinschaft zu wecken und zu erhalten“. Der Club, eine Familie, beim TTC Oppau müht sich bis heute unter anderem ein Förderverein um die Erhaltung der Tradition, die damals auch eine bodenständige Reminiszenz an den Sport der guten Gesellschaft war.
Um die Jahrhundertwende wurde in Pariser, Londoner oder Budapester Kaffeehäusern gespielt, von Damen im Gesellschaftskleid. In Oppau ging man 50 Jahre später im Winter mit einem Scheit Holz oder einem Brikett unter dem Arm zum Training.
Ex-Wehrmachtsoldaten kannten Tischtennis aus den Feldlazaretten, beim TTC Oppau wechselten die Spielorte häufig, bis 1969 die Pestalozzischule zur Verfügung stand. Vorher zog man durch die Nebenzimmer von Kneipen wie dem „Deutschen Haus“ oder „Zum Groben Gottlieb“. Die Zwischentüre wurden aufgezogen, der Ball pongte allzu oft in den Gastraum. Eine Zeit lang wurde auch im Bunker gespielt, mit selbstgezimmerten Schlägern, Schmirgelpapier als Belag. Mit dem Handwagen wurde die Platte am Spieltag durch den Ort gezogen. Das erste Spiel gegen die TSG Mutterstadt wurde 4:5 verloren. In der Rückrunde sah es umgekehrt aus. Ein Jahr später ging’s in Edigheim vor 150 Zuschauern schon um den Aufstieg in die Oberliga Pfalz, die höchste Spielklasse zu der Zeit – der gelang.
Lässig posieren die Meisterspieler um den nickelbebrillten Jiri Neumann auf einem Foto in den Festschriften. Darin zu sehen auch die Vereinsikonen. Richard Reuther, der von 1975 an 37 Jahre lang Vorsitzender war. Egon Schmitt, von Anfang an dabei und immer noch so etwas wie der gute Geist des Vereins. Walter Biebel – 3. Deutscher Seniorenmeister, 133-facher Turniersieger – , der seinen Gegner einmal dadurch verwirrte, dass er in der Spielpause auf der Platte eine Pampelmuse aß. Oder Ex-Zweitbundesligaspieler Sven Müller, heute ein Direktor der Tischtennismarke Joola, in der vergangenen Meistersaison des TTC Oppau in der 1. Pfalzliga war er pro forma noch auf Punkt eins gemeldet. Jetzt hegt das Vorzeigeteam, die erste Mannschaft des Vereins mit 128 Mitgliedern, um Neuzugang Sebastian Gailing und den Oppauer Ex-Regionalligaspieler Oliver Baier in der Verbandsoberliga Ambitionen.
Sechs Erwachsenen-Mannschaften sind am Start, dazu drei Jugendmannschaften. Seit 2019 amtiert der als früherer Kita-Leiter Kummer gewohnte Norbert Riefling als erster Vorsitzender. Als solcher wird er Sonntagmorgen in die Ausstellung des Clubs im Karl-Otto-Braun Museum einführen. Abends steht dann ein Festakt an, bei dem auch Tischtennis gespielt – in historischen Trikots und Schlägern mit Patina. Auch die Platte ist alt, wenngleich es sich nicht um die allererste handelt.
Termine
Die TTC Oppau-Schau wird am Sonntag, 3. September, 10 Uhr, im Karl-Otto-Braun Museum in Oppau eröffnet. Der Festakt geht am Abend ab 18 Uhr über die Oppauer Bürgerhaus-Bühne.