Ludwigshafen Auf Achse mit fremden Autos

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«Ludwigshafen.» Die Funktionsweise von Carsharing ist simpel: Nach einer persönlichen Anmeldung kann jeder Nutzer die Autos online, per App oder Telefon reservieren. Dann heißt es ab zur jeweiligen Station, das Auto mit der Zugangskarte öffnen und losfahren. Im Anschluss wird das Auto wieder an derselben Station abgestellt. Es gibt aber auch sogenannte „Joecars“, die nicht an einer festen Station stehen, sondern überall in einem bestimmten Gebiet geparkt werden können. „Damit sind Ein-Weg-Fahrten möglich“, erläutert Miriam Caroli, zuständig für die Pressearbeit bei Stadtmobil Rhein-Neckar. In Ludwigshafen gibt es 17 Stadtmobil-Stationen. „Zwei weitere sind bereits geplant, in der Turmstraße und in Oggersheim“, sagt Caroli. Feste Stadtmobil-Stationen gibt es vor allem im Zentrum. Das hat Gründe. „Überall, wo kostenfrei geparkt werden kann, wird das Angebot nur schlecht angenommen. Die Leute sind dort oft ohnehin auf ein Auto angewiesen und haben ein eigenes.“ Gut läuft das Angebot deshalb laut Caroli immer dort, „wo der Parkdruck hoch ist“. Die Stadt Ludwigshafen sieht in Carsharing einen wichtigen Teil der Lösung von Verkehrsproblemen und der Parkraumnot, teilt der Klimaschutzbeauftragte Joachim Alexander mit. Die „katastrophale Parksituation“ ist einer der Hauptgründe für Monika Titz, Stadtmobil zu fahren. „Ich brauche nicht jeden Tag ein Auto und mit Carsharing habe ich einen festen Stellplatz“, sagt die 64-Jährige aus Nord. Dem schließt sich auch Birte Ambrosius an: „Ich hatte früher ein eigenes Auto, aber jedes Mal ewig einen Parkplatz zu suchen, das macht keinen Spaß.“ Die 42-Jährige aus Oggersheim ist seit Sommer 2014 Stadtmobil-Kundin und gehört wie Titz zu den 500 Nutzern in Ludwigshafen. „Die Tendenz ist steigend“, betont Caroli. So seien die Nutzerzahlen in den vergangenen Jahren jeweils um mehr als zehn Prozent gestiegen. „Wir wissen, dass der Durchschnittskunde eher männlich, Mitte 50 und Akademiker ist“, berichtet Caroli. Zudem gebe es Hinweise, dass viele in Ein- bis Zwei-Personen-Haushalten leben. „Es sind alle Altersgruppen vertreten, mit dem Schwerpunkt zwischen 35 und 55.“ Grundsätzlich wird Carsharing von Menschen genutzt, die viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Das bestätigt Ambrosius: „Ich habe ein Jobticket. Weil die Stadtmobile oft in der Nähe von Haltestellen stehen, lässt sich das sehr gut kombinieren.“ Am häufigsten nutze sie die Autos für Fahrten, die nicht mit Bus und Bahn möglich seien. „Ich habe schon Möbel damit eingekauft.“ Dass Stadtmobil-Kunden in rund 200 Städten Carsharing-Autos von anderen Anbietern nutzen können, kommt Ambrosius ebenfalls zu Gute. „Wenn ich in meine Heimat an der Ostsee fahre, kann ich die Bahnfahrt mit Carsharing gut verbinden.“ Das Konzept rechnet sich nicht für jeden, gerade für regelmäßige Autofahrer ist es oft zu teuer oder umständlich. „Carsharing lohnt sich für Menschen, die weniger als 12.000 Kilometer pro Jahr fahren und nicht für den Weg zur Arbeit aufs Auto angewiesen sind“, erläutert Caroli. Stadtmobil-Nutzer zahlen monatliche Fixbeiträge, alle weiteren Kosten sind von der Nutzung abhängig. Inhaber einer VRN-Halbjahres- oder Jahreskarte erhalten günstigere Konditionen. Bezahlt werden muss für die gebuchte Zeit und die gefahrenen Kilometer – abhängig von Autogröße und Tarif. Kosten wie Versicherung, Kfz-Steuer und Kraftstoff sind inklusive. Ein Kleinwagen kostet laut Caroli für zwei Stunden mit 15 Kilometern Fahrtweg beispielsweise 7,30 Euro. Carsharing-Nutzer müssen sich um nichts kümmern: Die Reinigung, Reparatur und Wartung übernimmt der Anbieter. Das gefällt auch Titz: „Ich kann mich einfach reinsetzen und losfahren.“ Ihr sei es auch schon passiert, dass ein Auto nicht angesprungen ist. „Dann habe ich Stadtmobil angerufen und es ist jemand gekommen, der sich darum gekümmert hat.“ Titz fährt seit 2010 Stadtmobil. „Ich habe eine Abobuchung für dienstags und donnerstags, da fahre ich ins Training.“ Am Wochenende nutze sie das Angebot für Fahrten zu Freunden oder in den Pfälzer Wald. „Carsharing hat nur Vorteile“, betont die 64-Jährige. Das sieht auch Ambrosius so: „Ich spare Geld und Zeit, muss nicht in die Werkstatt und brauche mir keine Sorgen zu machen, ob mein Auto in der Stadt zerkratzt wird.“ Caroli hebt zudem die Flexibilität beim Carsharing hervor. „Wir haben in Ludwigshafen 27 Autos für jeden Bedarf, vom Kleinstwagen bis zum Transporter.“ Und Carsharing schone die Umwelt. „Die Nutzer fahren sukzessive immer mehr öffentliche Verkehrsmittel, Fahrrad oder gehen zu Fuß.“ Der größte umweltentlastende Effekt bringe das Teilen. „Ein Carsharing-Auto ersetzt nach aktuellen Studien bis zu 20 private Pkw.“ Zudem liege der CO2-Ausstoß der Stadtmobilflotte, die zunehmend auch Elektro- und Hybridfahrzeuge umfasst, zirka 24 Prozent unter dem bundesweiten Durchschnitt. Noch Fragen? Stadtmobil Rhein-Neckar, www.stadtmobil.de, 0621/12855585

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