Ludwigshafen Archaische Klänge

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Neben dem bulgarischen Frauenchor Angelite gelten sie als archaisches Stimmwunder: die vier Männer aus dem russischen Tuwa, die sich Huun-Huur-Tu nennen. In der Alten Feuerwache in Mannheim traten sie in festlichen Kleidern auf und stellten die alten Lieder ihres Volkes vor.

Sasha Bapa, sein Bruder Sayan und zwei weitere Musiker gründeten Huun-Huur-Tu 1992, um altes Liedgut dem Vergessen zu entreißen. Obertongesang ist eine Spezialität der Sänger aus Tuwa und das tradiert eben auch das Quartett mit großem Erfolg und zur Freude der Weltmusik-Freunde in Europa. Sechs CDs hat das Ensemble bislang veröffentlicht und erfreut sich weiter wachsender Popularität. Mit dem Kronos Quartett ist Huun-Huur-Tu ebenso aufgetreten wie mit Frank Zappa, den Chieftains und indischen Sitarspielern. Lieder und Gesänge spiegeln die Seele eines Volkes und nicht anders verhält es sich hier. Eine tiefe Verbundenheit mit der Natur kommt in dieser Musik zum Ausdruck. Die Klänge spiegeln die herb-raue und schöne Natur in der zu Russland gehörenden autonomen Republik. Die Beschäftigung mit den Tieren gehört ganz wesentlich zum Leben dieses Volkes und dies wird auch in den Liedern thematisiert. Die handeln etwa von den Kamelkarawanen, die nach China zogen. Neben den Kamelen und den Yaks ist das Pferd der wichtigste Begleiter des Menschen. Sogar die Kniegeigen ziert ein kunstvoll geschnitzter Pferdekopf. Auch viele der Lieder huldigen dem edlen Reittier. Trabende Rhythmen der Rasseln brachten die Pferde in Fahrt, wiehernde und schnaubende Töne der Geigen spiegelten den Respekt vor der Natur und den Tieren wieder. Aber auch schöne Frauen besangen die Lieder, in sehnsüchtigen Gesängen und sanften Flötenmelodien. Lebhafte Rhythmen in tänzerischer Vitalität grundierten viele der Lieder, repetitive Gesangsverse, was immer wieder rituelle Qualität erlangte. Der Obertongesang ist das Markenzeichen von Huun-Huur-Tu. Über der gepresst und kehlig klingenden Basis von stark resonierenden Gesangstönen ließen die Sänger gerne Naturtöne ausschwingen, erzeugte jeder Sänger eine faszinierende Mehrstimmigkeit von gleichzeitig erklingendem Grundton und pfeifenden Obertönen, die auch mal intervallisch mäandern konnten über dem gleichbleibenden Bordunton. Das war faszinierend zu erleben und wirkte beim Konzert fast beschwörend. Sonore Kniegeigen, sanfte Flöte, selbstgezimmerte kastenförmige Lauten sorgten zusammen mit den archaischen Gesängen für eine zutiefst suggestive Wirkung.

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