Wir über uns
Arbeiten auf Abruf
Das Leben ist eine Baustelle, Ludwigshafen sowieso, seit der Pandemie erst recht – für unsere Redaktion gilt das aktuell ganz besonders. „Oh nein“, entfuhr es meiner geschätzten Kulturkollegin Nicole Sperk neulich im Nebenzimmer. Was war passiert? Sekunden zuvor ging eine E-Mail bei ihr ein: Wegen der sich zuspitzenden Corona-Lage hatte die BASF ihre geplante Festwoche (27. November bis 5. Dezember) zur Feier ihres 100-jährigen Kulturengagements abgesagt. Ein Jammer, aber die sichere Variante in dieser unübersichtlichen Situation und damit auch die richtige Entscheidung.
Für unser Kulturressort bedeutete dies: fix umplanen, sich neu sortieren, alles auf den Kopf stellen. Mitarbeiter informieren, die sich schon für einen Termin gemeldet hatten. Und manchen auch sehr schlechte Nachrichten überbringen: So war ein von unserem Kulturexperten Gereon Hoffmann bereits geführtes Interview mit Blick auf die BASF-Festwoche im Prinzip für die Tonne.
Tägliche Hiobsbotschaften
Kalt erwischt hat es in den Vortagen aber nicht nur unser Feuilleton, sondern auch den Sport, die Kreis- oder die Stadtredaktion. Ankündigungen für Veranstaltungen vom einen Tag waren am anderen nichts mehr wert, weil sie pandemiebedingt gleich wieder verschoben oder komplett gestrichen wurden. Auf Hiobsbotschaften dieser Kategorie müssen wir uns derzeit täglich einstellen, flexibel reagieren und unsere Berichterstattung anpassen.
Hinzu kommt: Auch die Redaktion setzt angesichts der steigenden Ansteckungsgefahr und der angesagten Beschränkung von Kontakten wieder verstärkt aufs Homeoffice. Pro Büro kann maximal eine Person arbeiten. Alle, die in die Redaktion kommen, müssen geimpft, genesen oder aktuell getestet sein. Unser hausinterner Krisenstab hält uns permanent auf dem Laufenden.
Jene, die Kinder haben und doppelt berufstätig sind, plagen noch ganz andere Sorgen. Meldet sich die Kita oder die Schule beispielsweise wegen eines Corona-Falls in der Klasse oder der Hort wegen ähnlicher Entwicklungen in einer Gruppe, muss der betroffene Kollege oder die betroffene Kollegin erst mal alles stehen und liegen lassen und sich kümmern. Das Arbeiten auf Abruf kostet Zeit, Nerven und fordert die Solidarität von allen.
Zum Glück kann ich mich da voll auf meine Mannschaft verlassen, auf unsere Assistenz, wie auch auf unsere extrem fleißigen Autoren von außerhalb, unsere „Freien Mitarbeiter“ – das macht Mut, ist tröstlich und ein Lichtblick in diesen bisweilen düsteren Tagen.
Der Autor
Steffen Gierescher, 52, leitet die Lokalredaktion seit Herbst 2009.