Ludwigshafen
Apotheken: Immer mehr gefälschte Impfpässe
„Gefälschte Impfpässe sind uns schon viele begegnet“, sagt beispielsweise Lisa Hedrich-Trimborn von der Nibelungen-Apotheke im Stadtteil West. Es seien einige pro Tag, insgesamt vielleicht 50 in der letzten Woche gewesen, schätzt die Apothekerin. Mit den verordneten Einschränkungen für Ungeimpfte in der letzten Zeit habe die Zahl der Fälschungen deutlich zugenommen. Vor allem junge Leute kämen damit an. Manche Dokumente seien recht schnell als falsch zu erkennen. Bei anderen gebe es zumindest Zweifel. Meistens werden die Kunden einfach weggeschickt, wenn das Dokument nicht in Ordnung ist. Die Anzeige einer möglichen Fälschung an die Polizei stößt auf Hindernisse und erfolgt aus verschiedenen Gründen eher nicht.
Kein Zugang zu digitaler Datenbank
„Wir lassen die Kunden nun einen Vordruck der Apothekerkammer unterschreiben, dass wir den Impfpass prüfen dürfen und von der Schweigepflicht für Apotheker befreit sind“, berichtet Hedrich-Trimborn. In einem Fall habe ein Anruf bei der angeblichen Impfärztin für Klarheit über die Fälschung gesorgt. Sie sei dann benachrichtig worden, um Anzeige zu erstatten. So etwas gelinge aber eher selten. Oft sei es einfach nicht möglich, bei einem länger zurückliegenden Impfdatum einen Arzt oder gar ein Impfzentrum anzurufen. „Leider haben wir keinen Zugang zu einer digitalen Datenbank, um das zu prüfen“, bedauert sie.
Wie Apotheker Ibrahim Alnajjar berichtet, kommen in seine Siegfried-Apotheke in Rheingönheim etwa 50 Leute am Tag, um sich ein digitales Impfzertifikat zu holen. Darunter seien viele Stammkunden, aber auch Leute von außerhalb. Er habe viel zu tun, wenig Zeit und es gebe keine Stelle, wo er einfach nachfragen könne, wenn ein Impfpass zweifelhaft sei, beklagt auch Alnajjar. Schon bei einem Verdacht die Polizei zu holen, findet er schwierig. „Ich habe aber schon Leute weggeschickt, wenn ich Zweifel an der Echtheit hatte“, sagt er.
Bis zu fünf falsche Dokumente pro Tag
Von einer stark gestiegenen Nachfrage und täglich rund 80 ausgestellten Impfzertifikaten berichtet Inhaber Gerhard Keller in der Post-Apotheke am Ludwigsplatz in der Innenstadt. Pro Tag seien drei, vier, fünf falsche Dokumente darunter, meint er. „Bei einem Verdacht stellen wir das digitale Zertifikat nicht aus“, sagt der Apotheker.
Im Einzelfall habe er schon gegoogelt, ob es den genannten Impfarzt überhaupt gebe. Aber zu dieser Jahreszeit sei der normale Betrieb schon stressig genug. Anzeige bei der Polizei erstatte er nicht. Er könne die Kunden ja nicht solange festhalten. Außerdem sei er als Apotheker zur Verschwiegenheit verpflichtet, meint er.
„Bringe ich zur Anzeige“
Hier hat Volker Fehst, Inhaber der City-Apotheke im Hemshof eine andere Meinung. Bei einer Straftat fühle er sich nicht an die Schweigepflicht gebunden, macht er klar und erinnert an die Gesetzesänderung am 25. November, die dies unter Strafe gestellt hat. Eindeutig gefälschte Impfpässe bringe er zur Anzeige, sagt er. Noch im November sei die Mehrzahl der ihm vorgelegten Impfnachweise gefälscht gewesen. Mit der hohen Nachfrage nach Zertifikaten wegen der Boosterimpfung habe sich inzwischen das Verhältnis umgedreht. Er gehe nun von 20 bis 30 Prozent Fälschungen aus, insgesamt vielleicht 30 Fälle pro Woche.
„Wenn ich den Verdacht auf eine Fälschung habe, stelle ich kein Zertifikat aus“, betont er. Er habe deshalb schon einige Leute weggeschickt. „Am besten wäre es, die Digitalisierung in den Apotheken zu stoppen“, meint er angesichts der aktuellen Lage. Für eine Prüfung der Impfpässe fehlten den Apothekern Ausbildung und Werkzeuge. „Das wäre eine Aufgabe für eine Behörde“, sagt Fehst. Seine Meinung hat er bereits kürzlich in einem Interview des Südwestrundfunks vertreten. Das habe ihm wohl die Rache von Impfgegnern eingebracht, denn plötzlich habe er im Internet mehrere schlechte Bewertungen für seine Apotheke bekommen, erzählt er.
Polizei: 100 Fälle bis 30. November
Auf Anfrage teilt das Polizeipräsidium Ludwigshafen mit, dass bei Delikten mit gefälschten Impfpässen im Präsidiumsbereich (Vorder- und Südpfalz) bis 30. November rund 100 Fälle registriert worden seien, wobei diese Zahl aus statistischen Gründen nur eingeschränkt aussagekräftig sei. Die Fallzahlen seien zuletzt angestiegen. Hinweise über Fälschungen kämen von Apotheken. Diese besäßen eine Handlungsanleitung der Apothekerkammer für derartige Fälle, meint ein Polizeisprecher. Der erwähnte Vordruck für Apotheken mit der Ansage, dass der Impfpass geprüft und bei Verdacht die Polizei eingeschaltet werden könne, scheint aber noch nicht überall angekommen zu sein.
Zur Sache: Gefälschte Impfausweise
Apotheken können gefälschte Impfausweise jetzt leichter erkennen. Apothekerinnen und Apotheker könnten dann die Chargennummer der Impfungen mit einer Software direkt online abfragen, wie der Deutsche Apothekerverband (DAV) mitteilte. „Die Apotheken werden immer häufiger mit gefälschten Impfpässen konfrontiert“, sagte Thomas Dittrich, Vorsitzender des DAV. Bisher konnten die Apotheken nur überprüfen, ob die Impfausweise vollständig und plausibel sind und zur richtigen Person gehören. Die neue Funktion steht sei 16. Dezember mehr als 18.000 Apotheken zur Verfügung.
