Ludwigshafen Apfelkuchen zum Ausnahmezustand

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Nach der Explosion im Industriehafen der BASF herrschte auch in der Lokalredaktion der Ausnahmezustand. Ich war am Montag gerade im Hof, als um 11.30 Uhr ein dumpfer Knall zu hören war und die Fensterscheiben bebten. Zwei Gedanken schossen mir durch den Kopf: Ein Flugzeug hat die Schallmauer durchbrochen, oder etwas ist in der BASF in die Luft geflogen. Im Büro klingelte bereits das Telefon. Am anderen Ende der Leitung war die Kollegin Ulrike Minor, die in Oppau wohnt und frei hatte. „In der BASF ist etwas passiert. Eine schwarze Wolke ist zu sehen.“ Wir riefen sofort bei der Konzern-Pressestelle an, die bestätigte, dass es wohl im Landeshafen Nord zu einer Explosion gekommen war. Ulrike fuhr mit dem Auto in Richtung Unglücksstelle los, um mehr in Erfahrung zu bringen. Auch die Fotoagentur Kunz in Mutterstadt machte sich auf den Weg. Währendessen schrieb ich die Erstmeldung auf unserem „Pfalzticker“ fürs Internet. 13 Minuten nach dem Knall hatten wir die Nachricht mit einem Bild im Netz. Dann hagelte es Mails, Twitter-Meldungen, und das Telefon klingelte unaufhörlich. Auch die Leser wollten wissen, was da passiert war. Ulrike meldete sich: „Mit dem Auto kommt man nicht durch. Überall ist Stau.“ Zwischenzeitlich war auch mein Kollege Steffen Gierescher in der Redaktion eingetroffen, der eigentlich Urlaub hatte. Wir beschlossen, mit dem Fahrrad zum Unglücksort zu fahren. Kollegin Rebekka Sambale hielt in der Amtsstraße die Stellung. Wir radelten vorbei am Stau auf der Brunckstraße nach Oppau. Steffen interviewte dort Ortsvorsteher Udo Scheuermann. Ich machte mich mit meinen Drahtesel über Feldwege auf in Richtung Nordhafen. Ich bin in Edigheim aufgewachsen und kenne mich in der Gemarkung gut aus, als Kinder haben wir auf den Äckern und am Rhein gespielt. Ich kam bis zum Kombiterminal, wo mich eine Polizeistreife stoppte. „Sicherheitszone, kein Weiterkommen“, hieß es. Ich radelte entlang des Sperrgebiets, sprach mit Terminalmitarbeitern, Anwohnern, Schrebergärtnern und Schaulustigen. Vom Autobahndamm der A 6 konnte man sehen, dass es weiter brannte. Per Telefon hielt ich die Online-Redaktion auf dem Laufenden. Steffen radelte derweil zum Feierabendhaus, wo eine Pressekonferenz stattfinden sollte, die aber verschoben wurde. Er kehrte in die Redaktion zurück, um dort die Berichterstattung für die Zeitungsausgabe zu koordinieren. Ich machte mich schließlich auf den Rückweg, trat in die Pedale, machte noch kurz am Tor 11 Halt, wo BASF-Mitarbeiter in einem roten Container hockten und bei Bedarf Anwohner informieren sollten. Doch es waren nur zwei Leute gekommen. Ich radelte zurück in die Redaktion – knapp 30 Kilometer war ich unterwegs gewesen. Völlig verschwitzt saßen Steffen und ich uns gegenüber und schrieben unsere Texte bis in den späten Abend. Chefredakteur Michael Garthe brachte uns dann noch ein Feierabendbier vorbei. Gegen 23 Uhr gingen wir völlig erledigt nach Hause. Daheim empfing mich meine Frau mit einem Stück frisch gebackenen Apfelkuchen – sie ist eben die beste Ehefrau von allen. Die Kolumne Fünf Redakteure berichten für die RHEINPFALZ über Ludwigshafen. Ihre Erlebnisse aus dem (Arbeits-)Alltag nehmen die Redakteure in der Kolumne „Quintessenz“ wöchentlich aufs Korn.

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