Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Andreas Fröhlich über „Die drei ???“: „Alles spielt sich im Kopf ab“

Gemeinsam mit dem Autor Kai Schwind erzählt Andreas Fröhlich (links) in seinem „Bobcast“ Geschichten hinter den Geschichten um J
Gemeinsam mit dem Autor Kai Schwind erzählt Andreas Fröhlich (links) in seinem »Bobcast« Geschichten hinter den Geschichten um Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews aus Rocky Beach.

Seine Stimme ist mit einem ganz bestimmten Namen verbunden: Bob Andrews. Andreas Fröhlich, 60, erzählt im Interview, wie es ist, seit Jahrzehnten einen Teenager zu sprechen.

Herr Fröhlich, 2022 haben Sie Ihren Podcast „Haschimitenfürst – Der Bobcast“ ins Leben gerufen. Wie kamen Sie auf die Idee?
Während der Pandemie hatte ich sehr viel Zeit und dachte, ich könnte mal was machen, was ich bisher noch nie gemacht hatte: chronologisch alle „Die drei ???“-Folgen anhören. Wenn man mitspricht, hört man sich die natürlich nicht so häufig an wie die Fans. Bestimmte Folgen hatte ich auch noch nie gehört. Als ich das gemacht habe, konnte ich mich plötzlich wieder an vieles erinnern. Da dachte ich, das wäre bestimmt spannend, das mal zu besprechen, vielleicht in einem Podcast. Aber alleine ist das ja langweilig, ich musste mir jemanden dazu holen, der sich mit den drei ??? vielleicht sogar besser auskennt als ich. Da fiel mir Kai Schwind ein. Es gibt mittlerweile mehr als 70 Folgen.

Es gab ja auch schon zahlreiche Touren mit den drei ???, da füllen Sie Stadien. Man konnte annehmen, dass die Fans sich freuen, wenn sie noch was anderes bekommen, oder?
Ja, das empfinden wir auch so. Wir werden mit Geschenken überhäuft, alle freuen und bedanken sich. Das Tolle ist ja der Austausch mit dem Publikum.

Wie unterscheidet sich der Podcast von der Bühnenfassung?
Live können wir auch Fotos zeigen. Wir sitzen nicht nur drei Stunden in unseren Sesseln und reden über die Folge, sondern zeigen Videos, Ausschnitte, Aufnahmen aus dem Studio, die noch keiner gesehen hat, stellen Schauspieler vor, die auftauchen. Dadurch ist es nicht nur ein Podcast, sondern es wird eine kleine „drei ???“-Show. Manchmal haben wir auch Gäste.

Welche Folge bringen Sie mit nach Mannheim?
Wir haben nie verraten, welche Folge wir besprechen. Es ist erstaunlich, die Community hält wirklich dicht. Das ist Teil dieser ganzen Live-Podcast-Geschichte. Manche finden es toll, wenn sie es wissen, dann können sie sich vorbereiten und die Folge anhören. Aber wir haben gesagt: Die Leute sollen überrascht werden. Bis jetzt hat das gut funktioniert. Wenn man es wissen möchte, kann man recherchieren, durch die Analyse von Fotos eventuell darauf kommen. Aber es ist nicht so leicht, es ist eine kleine Rätselaufgabe.

Wie bereiten Sie sich vor?
Wir haben die Original-Manuskripte aus dem Archiv von Heikedine Körting. Dann ist es eine große Freude, die Folge zu hören und zu sehen, was aufgenommen wurde und was ursprünglich gesagt werden sollte. Dadurch entsteht eine gewisse Spannung. Manchmal stellt man auch fest, dass auf dem Deckblatt andere Namen von Sprechern stehen, die zuerst vorgesehen waren, oder dass was falsch ausgesprochen wurde. Dann recherchiert man zu den Sprechern und steigt da schon tief ein. Ich hätte nie gedacht, dass ich so ein begeisterter Rechercheur bin wie Bob Andrews. Wir haben keine Redaktion, Kai und ich tauchen selbst in die Recherche ein. Wenn wir alles zusammenhaben, setzen wir uns vor der Aufnahme zusammen, besprechen uns ganz kurz und überraschen uns während der Aufzeichnung dann manchmal selbst mit unseren Ergebnissen.

Es gibt fast 240 Hörspielfolgen der drei ???. Kann man nach all den Jahren eine Lieblingsfolge benennen?
Die allerersten Folgen sind 1979 erschienen. Aufgenommen haben wir diese aber schon 1978, da war ich zwölf, 13 Jahre alt. Jetzt bin ich 60, es ist schon ganz schön viel Wasser den Fluss runter gegangen. Ich habe viele Sachen nicht mehr im Kopf, aber das Schöne ist: Wenn ich die Folgen höre, poppen manchmal so Bilder im Kopf auf, dann sehe ich Szenen im Studio – Gerlach Fiedler, der irgendwo sitzt und sein Hähnchen verspeist, oder Klaus Wilke, der noch vorbeikommt. Wenn ich mich für eine absolute Lieblingsfolge entscheiden müsste, würde ich „Nacht in Angst“ nehmen, Das ist diese Echtzeitfolge von André Marx, die im Museum spielt. Justus ist lange im Fahrstuhl gefangen, Peter und Bob müssen versuchen, den Fall alleine zu knacken. Die finde ich stimmungsvoll, spannend und einfach gut geschrieben.

Hat sich die Arbeit im Studio bei den Aufnahmen der Folgen in all den Jahren denn verändert? Haben Sie vielleicht nun mehr Mitspracherecht?
Es hat sich eigentlich nicht großartig was geändert. Das liegt vor allem daran, dass Heikedine Körting seit Anbeginn dabei ist und nach wie vor am Regiepult sitzt. Ich schätze es sehr, dass wir immer noch zusammen im Studio sitzen, es wird nicht separat aufgenommen. Man spielt sich gegenseitig die Bälle zu und lernt viel voneinander. Schauspielerisch haben wir uns natürlich weiterentwickelt. Aber wir sind nur die Interpreten. Die Autoren und die Regie machen ihre Arbeit, das muss man trennen, sonst entsteht großes Chaos. Aus den Büchern, die im Kosmos-Verlag erscheinen, werden Hörspiel-Manuskripte gebaut. Manche Geschichten eignen sich hervorragend für die Verwandlung in ein Hörspiel, manche sind etwas komplizierter, um daraus ein Hörspiel zu machen. Darin besteht die große Kunst, damit es auch beim Hören spannend bleibt. Da versuchen wir immer das Beste rauszuholen, was nicht immer einfach ist.

Sie leihen seit fast 50 Jahren einem Teenager Ihre Stimme. In Fanforen wird spekuliert, ob die Folge 250 das Ende markieren könnte …
Das Interessante am Hörspiel ist, dass man nichts sieht, alles spielt sich im Kopf ab. Ich sage, ich bin 17 und thematisiere das auch nicht zu oft. Das ist dann einfach so. Jeder hat ein anderes Bild von Justus, Peter und Bob. Schlecht wäre, wenn man immer unser Bild im Kopf hätte. So lange wir noch in der Lage sind, dieses Bild aufrecht zu erhalten und wir so spielen können, dass man uns das noch abnimmt, so lange werden wir das noch machen. Aktuell funktioniert es noch gut. Daher würde ich jetzt nicht sagen, bei Folge 250 ist Schluss.

Das Jubiläum wäre auch wieder ein schöner Anlass, um gemeinsam auf eine „Die drei ???“-Tour zu gehen. Hätten Sie darauf Lust?
Mit Lust hat das nicht so viel zu tun. Als wir 2002 angefangen haben mit „Masters of Chess“, war das so eine Lust-und-Laune-Idee. Das konnte man im Kleinen gut organisieren. Heute ist eine Tour dieser Größenordnung mit sehr viel Aufwand, Planung und Organisation verbunden. Im Augenblick ist nichts geplant.

Die KI ist in Ihrer Branche ein großes und kontroverses Thema. Wird sie den Menschen bei Hörspielproduktionen komplett ersetzen?
Man kann fast wöchentlich die technischen Fortschritte und Entwicklungen der KI sehen. Sie wird sehr viel mehr können, als wir uns jetzt vorstellen. Aber letztendlich bleibt es die Entscheidung eines Menschen, ob man bei einer Produktion Schauspieler einsetzt. Und es wird immer welche geben, die keine Maschine möchten, nur weil es schneller geht und billiger ist. Wenn man die KI nicht als Menschenersatz nutzt, kann man mit ihr wunderbare Sachen machen. Aber zuerst muss dringend in diesem Bereich reguliert werden.lai

Termin

Die Show „Haschimitenfürst – Der Bobcast“ gastiert am Freitag, 26. Juni, 20 Uhr, im Rosengarten Mannheim.

Zur Person: Andreas Fröhlich

Geboren wurde Andreas Fröhlich 1965 in West-Berlin. Er ist Schauspieler, Synchron-, Hörbuch-, Hörspiel- und Off-Sprecher sowie Rezitator. Unter anderem ist er die deutsche Stimme von John Cusack und Edward Norton. Von 1995 bis 2007 war er als Synchronregisseur und Dialogbuchautor tätig. In den „Herr der Ringe“-Filmen spricht er Gollum. Bekannt wurde Fröhlich durch seine Rolle als Bob Andrews. Den dritten Detektiv der Hörspielserie „Die drei ???“ spricht er seit 1979. Der Name seines Podcasts „Haschimitenfürst – Der Bobcast“ ist von einem Spruch des dritten Detektivs abgeleitet, der häufig bewusstlos geschlagen wird und anschließend unter Gedächtnisverlust leidet. In der Folge „Die drei ??? und die silberne Spinne“ sagt er etwas verwirrt: „Ich glaub’, ich hab’ nen Haschimitenfürst im Gehirn.“

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