Das spontane Interview
Andreas Dissinger über die Situation im Handwerk
Wie ist die Auftragslage im Handwerk?
Generell kann ich das nicht sagen, aber die Auftragslage bei uns ist aktuell sehr gut.
Kürzlich war die Sprungbrett-Messe, die Schülern bei der Suche nach dem passenden Beruf helfen soll. Wie viele Auszubildende haben Sie?
Ich habe im Moment zwei. Aber das war Zufall. Der eine ist weitläufig mit mir verwandt und er hat seinen besten Freund einfach mitgebracht. Insgesamt ist es schwer, eine Lehrstelle zu besetzen. Die Schulabgänger, die sich bei mir bewerben, kommen selten aus eigenem Antrieb. Ich kann mich nicht erinnern, dass in den letzten Jahren mal einer wirklich Interesse und Lust auf diesen Beruf hatte. Das liegt in meinen Augen aber schon an der Erziehung. Da hat Handwerk leider bei Eltern einen schlechten Ruf. Daraus resultiert dann eben der Fachkräftemangel. Hinzu kommt in Ludwigshafen die Nähe zur BASF. Ich kenne einige, die haben zwar ihren Beruf gelernt, aber sie sind dann lieber auf Schicht ins Werk gegangen. Dort verdient man deutlich mehr.
Lüftung ist gerade jetzt während der Pandemie ein großes Thema. Haben Sie das am Auftragseingang gespürt?
Nein. Wir sind aber auch anders aufgestellt. Wir sind starke Modernisierer. Hier gibt es durch Photovoltaik und Blockheizkraftwerke schon Möglichkeiten aber auch Probleme. So dürfen wir beispielsweise ein Blockheizkraftwerk einbauen, aber wir dürfen es nicht reparieren. Auch deshalb stehe ich dem Ganzen ein wenig skeptisch gegenüber. Ich glaube, wir werden auch auf längere Sicht nicht an Gas vorbeikommen.
Wie groß ist die Nachfrage nach solchen regenerativen Energien?
Das ist unterschiedlich. Ich sag’ mal: Je jünger die Leute, desto größer das Interesse. Ältere sind dafür weniger zu haben. Die stellen höchstens noch von Öl auf Gas um. Das ist ja auch eine Geldfrage. So eine Heizung muss schließlich finanziert werden und sich irgendwann amortisieren.
Seit wann sind Sie selbstständig?
Mittlerweile seit 17 Jahren.
Weshalb macht man sich als Handwerker selbstständig? Hat es mit dem Chef nicht geklappt?
Nein. Ich verstehe mich mit meinen ehemaligen Chefs nach wie vor super! Aber ich habe gemerkt, dass der Beruf mir liegt und auch die Nachfrage war da. Deshalb dachte ich mir: Ich probiere es einfach mal. Und es war die richtige Entscheidung.
Hat man als selbstständiger Handwerker noch Zeit für anderes?
Ja. Ich bin zum Beispiel sportlicher Leiter beim VSK Niederfeld und habe früher selbst Handball gespielt. Das geht mittlerweile leider nicht mehr, und das fehlt mir auch. Aber für den Verein bin ich noch immer engagiert.