Ludwigshafen „Am Rande unserer Kapazität“

Begrüßung im Comeniuszentrum mit Pfarrerin Reinhild Burgdörfer (links) und Quartiersmanager Reimar Seid.
Begrüßung im Comeniuszentrum mit Pfarrerin Reinhild Burgdörfer (links) und Quartiersmanager Reimar Seid.

Zum Neujahrsempfang haben am Samstagnachmittag das Team der Sozialen Stadt, die evangelische Comenius-Gemeinde und der Förderverein in das Comenius-Nachbarschaftszentrum in Oggersheim West eingeladen. An der lebendigen Veranstaltung nahmen auch einige Flüchtlinge aus Oggersheim teil.

Dass das Comeniuszentrum mittlerweile eine wichtige Rolle als Anlaufstelle und Treffpunkt im Quartier spielt, machten Reinhild Burgdörfer als Pfarrerin der Comeniusgemeinde und Reimar Seid, Quartiersmanager im Sozialen-Stadt-Büro Oggersheim-West, mit der Präsentation des bebilderten Rückblicks auf das vergangene Jahr deutlich. „Wir haben hier so viele Veranstaltungen, wir sind am Rande unserer Kapazität im Comeniuszentrum“, verkündete der Quartiersmanager mit einem zufriedenen Lächeln. Dazu zählen das Kinderkino und die Hausaufgabenhilfe für Schulkinder mit warmem Mittagessen. „Den Sprachkurs Deutsch für Anfänger gibt es seit fünf Jahren“, nennt Seid ein wichtiges Angebot für die Flüchtlinge. Immer wieder wird auch gemeinsam gekocht, nach den verschiedensten nationalen Küchen, wo auch immer die Geflüchteten herkommen. Der nächste Termin für 2018 werde noch gesucht, informierte Burgdörfer. Fest steht dagegen die nächste Radtour am 13. April. „2017 haben wir das Außengelände der Adolf-Diesterweg-Schule neu gestaltet. Hat drei Jahre gedauert und 240.000 Euro gekostet“, erinnert Seid an ein gelungenes Projekt. Gelungen – auch für die Stadt –, weil es zu 90 Prozent vom Land bezahlt wurde, wie er bemerkte. Als jüngste Einrichtung im Comeniuszentrum werde im Untergeschoss seit dem Frühjahr 2017 ein „Café mit Herz“ von Ehrenamtlichen angeboten. Ein Treff zum Nähen, Backen, Tanzen und viel mehr, freute sich die Pfarrerin. Viel dreht sich im Comeniuszentrum um Flüchtlinge. „Es ist beeindruckend, was hier das Jahr über gestemmt wird“, bedankte sich die neue Sozialdezernentin Beate Steeg (SPD) für diesen Einsatz. Sie wolle sich für die fällige Modernisierung des Hauses einsetzen, kündigte die 59-Jährige an, die seit 1. Januar im Amt ist. Zunächst soll eine Machbarkeitsstudie Informationen zur Ausgangslage liefern. Dass im Haus vieles gut funktioniert, liegt auch daran, dass es einen „Kümmerer“ gibt. Raid Abdullah heißt das „Mädchen für alles“. Der 36-Jährige aus Syrien packt überall mit an und wird dank seiner freundlichen Art von jedermann geschätzt. „Meine ganze Familie musste fliehen und ist jetzt verstreut. Ich will gerne hier bleiben“, sagte der junge Kurde. Beim Neujahrsempfang sitzt er am Tisch neben Walter Scülfort, einem altgedienten Polizeibeamten, der die Oggersheimer Flüchtlingsunterkünfte betreut. In den vergangenen zwei Jahren habe sich mit Flüchtlingen wie Raid eine persönliche Freundschaft entwickelt, erzählte Scülfort. „Hossein aus Afghanistan ist 27 Jahre alt. Er hat von Beginn an Gas gegeben und macht jetzt eine Ausbildung als Werkzeugmacher. Es ist schwer, aber er kämpft“, stellte er einen weiteren Flüchtling vor. Neben Raid sitzt der 27-jährige Alonso, der viel jünger wirkt. Er sei aus El Salvador gekommen, weil seine ganze Familie von Drogenbanden bedroht worden sei, erzählt er auf Deutsch. Zu Hause hat er Lehramt studiert und an der Uni auch Deutsch gelernt. Eine deutsche Lehrerin habe ihm zur Flucht nach Deutschland geraten. El Salvador sei ein sicheres Land, habe die deutsche Behörde auf seinen Asylantrag geantwortet. Wenn er jetzt die Sprachprüfung C1 besteht, könnte er an einer deutschen Universität weiterstudieren, sagt Alonso. Für ihn gebe es kein Zurück, betont er.

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