Kurioses aus der Stadt RHEINPFALZ Plus Artikel Alte Fassaden, turnschuhgroße Löcher und Autowracks

An dieser Fassade in der Prinzregentenstraße ist bei genauem Hinsehen noch eine Halterung für die Oberleitung zu erkennen.
An dieser Fassade in der Prinzregentenstraße ist bei genauem Hinsehen noch eine Halterung für die Oberleitung zu erkennen.

Warum es sich lohnt, bei Häuserfassaden in der Prinzregentenstraße etwas genauer hinzusehen. Wo alte Autos gerne mal länger „geparkt“ werden. Welche Gefühle eine Tür in Oggersheim weckt. Wie sich Löcher in den Asphalt fressen – und warum manche Vertipper sehr amüsant sind. Antworten darauf erfahren Sie hier.

Zeugen der Vergangenheit

Wer aufmerksam durch Ludwigshafen läuft, entdeckt kleine Zeugen der Vergangenheit. In der Prinzregentenstraße finden sich an einigen Häuserfassaden gusseiserne Rosetten. Es sind die alten Befestigungen für die Oberleitung einer Straßenbahn. Bis Mitte der 1970er-Jahre fuhr die „Elektrische“ mitten durch den Hemshof.

Die Tram fuhr von der Innenstadt über das alte Viadukt, das die Gleise des früheren Hauptbahnhofs überspannte, berichtet der Bahnhistoriker Josef Kaiser. Dann führten die Gleise durch die Prinzregentenstraße bis zum heutigen Bernhard-Timm-Platz und von dort aus weiter Richtung BASF. Historiker Kaiser hat in seinem Archiv nachgesehen und dort in seiner Sammlung ein Bild gefunden, das die Straßenbahn im Januar 1974 auf ihrem Weg durch die Prinzregentenstraße zeigt.

„Das muss einer der letzten Betriebstage gewesen sein, denn am 18. Januar 1974 wurde die Linie stillgelegt“, erzählt Kaiser. Als Ersatz wurde zunächst eine provisorische Strecke angelegt, die hinter dem einstigen Hauptbahnhof zur Haltestelle Gartenstraße führte. Mit dem Bau des Rathaus-Centers und der unterirdischen Tunnelstrecke verschwand das Provisorium wieder.

In Ludwigshafen fuhr seit dem 31. Mai 1902 eine elektrische Straßenbahn, wie der Historiker recherchiert hat. Die erste Linie führte vom Mannheimer Hauptbahnhof bis zum Bahnhof in Ludwigshafen, auf dessen Areal heute das Rathaus-Center steht. Bereits zwei Monate nach der Inbetriebnahme wurde im August 1902 die Linie bis zur BASF verlängert – und führte damit auch durch den Hemshof. 72 Jahre lang rollten die Züge durch die „Altstadt“. Die Prinzregentenstraße wurde bei der Hemshof-Sanierung zur Fußgängerzone umgebaut und mit einer Passage ans Rathaus-Center angebunden. Die Fassaden der Häuser in der Straße, die größtenteils Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurden, geben eine Ahnung, warum hier einst das „bessere“ Viertel für Kaufleute und Chemiker war, das von Arbeiterquartieren umgeben war.

Wracks der Gegenwart

Plötzlich stand er da, einfach so. Wo die August-Heller- zur Wattstraße wird, auf einer Asphaltfläche nahe der Gleise im Umfeld des Mundenheimer Bahnhofs: ein schwarzer VW Polo, älteres Baujahr, ohne Nummernschild, etwas verbeult. Und stand. Und stand. Dann, eines Tages, war er aufgebockt, es fehlte ein Vorderrad. So begann der Verfall. Noch ein Rad weg, die Scheiben eingeschlagen, Außenspiegel hinfort, Öl ausgelaufen, Armaturen herausgerissen. Irgendwann war der leidende Polo auch nicht mehr solo, denn da stand auch noch ein Renault Laguna, ebenfalls älteres Modell. Die traurige Geschichte wiederholte sich. Seit weit über einem Jahr bot sich ein zunehmend jämmerliches Bild. Zuletzt dienten die beiden Wracks zudem als Müllkippe und, so riecht es zumindest, manchem Zeitgenossen als Abort. Abartig. Man dachte: Da hilft nur die sofortige Wiedereinführung der Abwrackprämie. Doch dann, plötzlich, am Wochenende, waren die Wracks weg. Warum gerade jetzt – man weiß es nicht. Aber gut ist’s. Auf dass nicht bald der Nächste dort sein ausrangiertes Gefährt abstellt. Martin Schmitt

Sehnsucht nach Sommer

Jeden, der an diesem liebevoll bemalten Tor vorbei kommt, muss eigentlich die Sehnsucht nach Sommer, Sonne, Sand und Meer packen. Jetzt, wo sich die Sonne öfter sehen lässt und in anderen Jahren der Osterurlaub in greifbare Nähe gerückt ist, erfasst einen beim Anblick des Leuchtturms, der Muscheln und der Segelboote ein regelrechtes Gefühl von Fernweh. Man träumt sich in den Wind an der Nordsee, sieht vor seinem geistigen Auge die Möwen im Sand herumstaken. Die Wellen schäumen träge an den weitläufigen Strand. Kleine Fischschwärme tummeln sich im Wasser. In den Strandkörben überlassen vereinzelt Menschen ihr Gesicht den ersten wärmenden Sonnenstrahlen. Ab und zu fliegt mal ein Sandkorn ins Auge, und schwupps ist man wieder in der Realität, mitten in Oggersheim, gelandet. Womöglich ein hupendes Auto hintendran, weil man noch mit Träumen vor dem Tor beschäftigt ist. Er muss eben noch ein wenig warten, dieser nächste Urlaub an der See. Und so lange verharren wir vor dieser Tür, die all diese Träume so herrlich heraufbeschwört.

Krater und Kreislauf

Ein Loch ist im Eimer, Karl-Otto, Karl-Otto … So fängt ein alter Gassenhauer an. Einen Eimer haben wir nicht gefunden, aber dafür eines der zahlreichen Löcher, die man nach den Frostphasen immer wieder im Asphalt entdeckt. So mancher fragt sich dabei, wie es kommt, dass sich von heute auf morgen solch ein tiefes Loch, einem Krater gleich, auf betonierten Wegen auftut. Gefrorenes Wasser scheint hier hauptschuldig zu sein. Der zerstörerische Kreislauf beginnt mit einem winzigen Spalt im Asphalt. Tagsüber dringt etwas Wasser in die Straßenoberfläche ein, das nachts gefriert. Weil gefrorenes Wasser sich ausdehnt, passiert etwas, ähnlich einer kleinen Explosion: Es sprengt das Mini-Loch zu einem etwas größeren auf. Wiederholt sich dieser Vorgang über ein paar Wochen, entstehen schließlich tiefe und bröselige schwarze Krater. So wie unserer hier, entdeckt bei einem Spazierweg um den Edigheimer Stricklerweiher. Einerseits gruselig interessant, andererseits ganz schön tief für den, der in der Dunkelheit in diese heimtückische Falle tappt. Ein Damensportschuh, wie auf unserem Foto, passt bereits komplett hinein. Das Loch misst bereits jetzt 25 Zentimeter an seiner breitesten Stelle, und ein paar frostige Nächte stehen unserem Krater hier noch bevor.

Hasen statt Nasen

Neulich war eine Anzeige in unserem Stellenmarkt zu finden, die viele amüsiert hat – bis hinauf nach Hamburg. Denn selbst der „Spiegel“ hat den lustigen Vertipper in der aktuellen Ausgabe in seine Rubrik „Hohlspiegel“ aufgenommen. „Facharzt*ärztin (m/w/d) für Hals-Hasen-Ohren-Heilkunde“ war da zu lesen. Auch Mitarbeiter des Klinikums (und andere) haben sich in den Sozialen Netzwerken über den Fauxpas – sagen wir mal – ausgetauscht. Ob sich inzwischen ein qualifizierter Bewerber gefunden hat, wissen wir nicht. Aber was uns allen jeden Tag bewusst wird: Fehler passieren, in einer sich immer weiter verdichtenden Arbeitswelt sowieso. Deshalb ist das a) keine Schande, b) sollte man dazu stehen und c) auch darüber lachen können. Außerdem: Ostern rückt näher. Ein Näschen für Häschen schadet da nicht.

Fast 120 Jahre alt: die Leitungshalterung.
Fast 120 Jahre alt: die Leitungshalterung.
Die Linie 28 wurde im Januar 1974 stillgelegt. Eine Bahn an einem der letzten Betriebstage in der Prinzregentenstraße.
Die Linie 28 wurde im Januar 1974 stillgelegt. Eine Bahn an einem der letzten Betriebstage in der Prinzregentenstraße.
Autowracks im Stadtteil Mundenheim.
Autowracks im Stadtteil Mundenheim.
Tür in Oggersheim.
Tür in Oggersheim.
Turnschugroß: Loch im Asphalt.
Turnschugroß: Loch im Asphalt.
Lustiger Vertipper.
Lustiger Vertipper.
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