Motorsport
Als Ludwigshafen das Mekka des Rallyesports war
Der „Schwarze Vulkan“ aus Frankreich gewann vor genau 40 Jahren die 25. und letzte Internationale Rallye Vorderpfalz mit Start und Ziel in Ludwigshafen. Danach beendete mit der Französin Michelle Mouton die erfolgreichste und bekannteste Rallyefahrerin der Motorsportgeschichte 1986 im Alter von 35 Jahren ihre sportliche Laufbahn: Die Südfranzösin hatte als erste Frau der Welt mehrere Rallye-WM-Läufe gewonnen und war fünfmal Europameisterin. Sie verließ 1986 Deutschland als „ADAC-Motorsportlerin des Jahres“, weil sie damals auch deutsche Rallyemeisterin geworden war. Heute lebt die ehemalige Weltklassefahrerin in ihrem südfranzösischen Geburtsort Grasse, wo sie am 23. Juni ihren 75. Geburtstag feiern wird. Im erfolgsverwöhnten einstigen deutschen Rallye-Zentrum Ludwigshafen hat sie Motorsportgeschichte geschrieben und ist unvergessen.
Rallye-Motorsport in Deutschland hatte ein Vierteljahrhundert lang einen seiner internationalen Schwerpunkte in der Pfalz: Der am 28. Juli 1920 gegründete Auto- und Motorradclub (AMC) Ludwigshafen war zwischen 1961 und 1983 nicht nur als Herkunftsort von acht Rallyemeistern eine echte „Nummer“, sondern auch als Veranstalter der deutschland- und europaweit renommierten Rallye Vorderpfalz mit ihren spektakulären meist nächtlichen Sonderprüfungen im Pfälzerwald. Schmale Straßen zum Totenkopf und Heldenstein, zum Taubensuhl und zur Kalmit, vor allem aber die 17 Kilometer lange Rennstrecke mit 165 Kurven nach Waldleiningen wurden für Tausende von Rallyefans aus ganz Deutschland jahrelang zum Treffpunkt und Rennsportschauplatz.
44 AMC-Mitglieder
Heute ist der AMC Ludwigshafen im Sportkalender kaum noch sichtbar: Der laut Mitgliederstatistik 2025 des Sportbundes Pfalz nur noch 44 Mitglieder zählende Club hat seine einst aufsehenerregenden Aktivitäten praktisch eingestellt. Dabei ging es vom Startschuss zur „Vorderpfalz-Rallye“ 1962 bis zu ihrem Ende 1986 nach einem Vierteljahrhundert „wegen des zu hohen Genehmigungsaufwandes“ zunächst stets bergauf. Das Thema „Rallyesport“ begann in Ludwigshafen 1960, als Helmut Bein und Gert Raschig deutsche Vizemeister im ONS-Pokal für Ausweisfahrer wurden. Ein Jahr später setzten Fritz Bohrmann und Bodo Grafenhorst mit dem Gewinn der deutschen Rallyemeisterschaft noch einen drauf - es sollten noch sechs weitere deutsche Meistertitel für Bein/Raschig (1962), Bein (1967), Raschig/Wulf Biebinger (1968), Bein/Biebinger (1970), Ludwig Kuhn/Klaus Kopfe (1977) und Gunter Wanger (1983) folgen, außerdem eine Europameisterschaft durch Wanger mit Beifahrer Jochi Kleint (1979).
Da waren die Rallye-Spezialisten des AMC Ludwigshafen bereits längst vom „Veranstaltungsvirus“ infiziert. „Wer gut fährt, muss auch gut veranstalten können,“ war die Philosophie - aber für die Finanzierung der ersten „Vorderpfälzischen“, die damals noch Wertungsfahrt hieß, mussten die Organisatoren zunächst Geld sammeln, denn die Vereinsverantwortlichen waren noch skeptisch. Erst als sie dem AMC-Vorstand 800 Euro vorlegen konnten, gab der sein Ja-Wort für die Auftakttour 1962, die Bein und Bohrmann organisierten und mit 40 Teilnehmern einen ansehnlichen Zuspruch hatten. Und es gab auch schon die erste Panne: Weil der Schlusswagen ausfiel, musste nach dem letzten gewerteten Teilnehmer am Ziel in Ludwigshafen ein Privatauto noch einmal aufbrechen, um nach vier Stunden den einsam ausharrenden Kontrollposten im Pfälzerwald „einzusammeln“.
Ab 1971 Teil der Rallye-DM
Die Vorderpfalz-Rallye wurde dennoch schnell zu einem „Renner“. 1964 wurde sie zum „Lauf für den ONS-Pokal“ aufgewertet, 1969 hieß die seit 1965 von Raschig als Fahrtleiter verantwortete Tour bereits „Internationale Vorderpfalz-Wertungsfahrt“ und 1971 war sie erstmals ein Lauf zur deutschen Rallye-Meisterschaft. In die Siegerlisten der Vorderpfalz-Rallye trugen sich Motorsport-Legenden wie Walter Smoley (mit Willi-Peter Pitz), Harald Demuth, Klaus Fritzinger, Achim Warmbold, Christian Mehmel, dreimal der vierfache Weltmeister Walter Röhrl (Regensburg) mit Jochen Berger und Christian Geistdörfer, der Österreicher Sepp Haider und der Schwede Kalle Grundel ein. Bis 1986 bei der 25. und letzten Internationalen Rallye Vorderpfalz der „Schwarze Vulkan“ Michelle Mouton zusammen mit ihrem englischen Co-Piloten Terry Harryman die Maßstäbe setzte. Sie wurde 2011 in Frankreich besonders geehrt als „Ritter der Ehrenlegion“.
Ein Teil dieser einstigen Rallye-Größen war auch nach dem Ende der „Vorderpfalz-Rallye“ noch in der Pfalz zu bewundern: Kleint, Kuhn oder Berger nahmen von 2000 bis 2009 auch an der „Nachfolge-Rallye“ teil, die unter dem Namen „Oldtimer-Vorderpfalz-Classic“ ebenfalls viele Freunde hatte. Dann gingen beim AMC die Rallyelichter endgültig aus.