Ludwigshafen Alleskönner am Weiherstrand

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Beim Ludwigshafener Schwimmverein 07 (LSV) beginnt am 1. Mai die Badesaison. Für Stefan Bodzsar startet dann eine stressige, aber auch erfüllte Zeit. Er sorgt für Speisen und Getränke, mäht den Rasen, hält die Wege sauber und unkrautfrei. Fast rund um die Uhr ist er Ansprechpartner für viele Vereinsmitglieder. Der 40-Jährige ist nämlich Hausmeister beim LSV.

Hätte er sich nicht vor zehn Jahren in Deutschland niedergelassen und würde er nicht erst seit vier Jahren beim LSV am Willersinnweiher arbeiten – man könnte ihn als Ludwigshafener Urgestein bezeichnen. Stefan, wie alle ihn rufen, hat in der kurzen Zeit seines Wirkens das Vereinsgelände mit seinem Strand, den Liegewiesen und den Sitzplätzen unter Kastanien und Platanen ganz schön auf Vordermann gebracht. Alles ist aufgeräumt, manches verändert, nichts dem Zufall überlassen. Das mögen die Vereinsmitglieder. Und deshalb mögen sie auch Stefan. Der 40-Jährige, seine Frau Andrea und die beiden Kinder stammen aus Ungarn, aus dem östlich gelegenen Orosháza. Dort hat Stefan Bodzsar in einer Glasfabrik gearbeitet, bevor er Ende der 90er-Jahre eine Ausbildung als Installateur absolviert und in Ausübung dieses Berufs durch Europa gekommen ist. „Ich war in Rumänien, in Wien, in Belgien und in Deutschland“, sagt er in einem von seiner Muttersprache beeinflussten sympathischen Deutsch und betont manchmal die erste Silbe. Als Angestellter einer BASF-Fremdfirma sei er auch in Ludwigshafen gewesen. „Mein großes Glück war, dass ich danach im ,Landhaus’ Arbeit gefunden habe.“ Bereits in dem Restaurant in unmittelbarer Nähe des LSV hat er manches repariert – und Einblicke in die Gastronomie gewonnen. Seine Frau holte er vor acht Jahren nach Deutschland, ein Jahr später Sohn Bence und Tochter Vivien, heute 19 und 16 Jahre alt. Am 1. April 2012 übertrug ihm der LSV-Vorstand die Hausmeisterstelle. „Noch heute bin ich dem Vereinsvorsitzenden Frank Fischer und dem Heinz Kerth dankbar“, sagt Stefan und ergänzt: „Und dem Werner Müller.“ Der vielfache Schwimm-Weltmeister erkundige sich auch heute noch immer wieder, „ob er mir irgendwie helfen kann“. Er sei, erzählt der sympathische Mann mit dem dunklen Stoppelbart, vom Vorstand ohne Vorurteile freundlich aufgenommen worden. Stefan Bodzsar geht gerne auf die Menschen zu, es macht ihm Spaß, auch ausgefallene Wünsche zu erfüllen. Seine Speisekarte ist vielfältig. Und sie enthält eine ungarische Spezialität. Andrea kocht nämlich köstliches Pörkölt. „Aber die Leute sagen ,Gulasch’“, erklärt Stefan, denn das Gericht bestehe aus Fleischstücken, Soße und Salzkartoffeln. Das ungarische Gulasch dagegen enthalte viel Gemüse und sei eigentlich eine Suppe. Pörkölt gibt es in der Saison mittlerweile zweimal in der Woche. „Jedes Mal schneide ich dafür 14 Kilo Fleisch klein.“ Vereinsmitglieder kommen immer wieder vorbei. Grüßen heiter. Einer braucht 50 Biergläser für seine Geburtstagsparty zu Hause. Eine Frau richtet eine Feier auf dem LSV-Gelände aus. Das Fleisch ist bestellt, jetzt will die Organisatorin die Anzahl der Brezeln festlegen. Stefan sagt, „lieber etwas weniger, damit ich keine wegwerfen muss“. Es sei kein Problem, noch welche nachzubacken. Die Teiglinge für die Brezeln, Fleisch und Pommes bewahrt Stefan im Kühlhaus auf. Das hat er in der Winterpause selbst gebaut: Wände hochgezogen, gefliest, gestrichen, eine Metalltür eingesetzt und einen direkten Zugang zur „Kantine“, wie Kiosk und Küche hier genannt werden, geschaffen. Damit man nicht mehr „außenrum“ gehen müsse. Auch hat Stefan zwei Holzhütten aufgestellt: eine für die Lagerung von Liegestühlen, eine für seine Geräte, Betonmischer, Kettensäge und das Gestell, an dem bei besonderen Anlässen der „Bogrács“ befestigt wird: der Kessel, in dem im Freien Pörkölt gekocht wird. Außerdem hat der Tausendsassa im vergangenen Winter die Duschkabinen und Toiletten renoviert. Bevor die Saison am Weiher mit einem Grillfest eröffnet wird, will der Alleskönner noch ein Vordach am Kantinengebäude anbringen. Und die Reste eines gefällten Baums müssten noch weggeräumt werden, sagt er – „es ist aber nicht eilig“. Zwar habe er das Holz größtenteils abtransportiert, doch plötzlich habe sich am Baumstumpf das Schwanenpaar des Weihers niedergelassen, um zu brüten. „Jetzt kann ich die Tiere doch nicht stören“, sagt Stefan mit einem Achselzucken. Also wartet er, bis die Familie irgendwann den Brutplatz verlässt. Die Arbeit läuft ihm nicht weg.

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