Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Alles, nur nicht Mundkäse: Internetphänomen „El Hotzo“ zwischen Lesung und Stand-up-Comedy

Mit Schumacher und auflasbaren Hunden hat es sich Sebastian „El Hotzo“ Hotz auf der Bühne gemütlich gemacht.
Mit Schumacher und auflasbaren Hunden hat es sich Sebastian »El Hotzo« Hotz auf der Bühne gemütlich gemacht.

Er spricht für eine Generation, die Arbeiten, toxische Männlichkeit und deutsche Country-Rocker hasst. Sebastian Hotz hat in der Feuerwache aus seinem Buch „Mindset“ gelesen, über das Leben philosophiert und sehr viel getrunken.

Berlin, New York, Mannheim. Sebastian Hotz, besser bekannt unter seinem Pseudonym „El Hotzo“, ist aktuell gefragt wie nie. Bekannt gemacht hat den Satiriker, Podcastproduzenten und Schriftsteller die Internetplattform Instagram. Dort postet der 27-Jährige seit 2019 regelmäßig lustige Sprüche und Weisheiten aus dem Leben. Dabei nimmt er besonders seine eigene Generation, die Deutsche Bahn und das männliche Geschlecht auf die Schippe.

Um toxische Männlichkeit geht es auch in seinem Buch „Mindset“, aus dem er am Mittwochabend in der Mannheimer Feuerwache vorliest. Darin geht es um einen Lifestyle-Coach, der andere Männer mit absurden Lebensweisheiten dazu animieren will, mehr im Leben zu erreichen. Und einen einfachen jungen Mann, der sich zunächst davon überzeugen lässt, bis er merkt, dass nicht alles so ist, wie es scheint.

Das Bühnenbild in der Feuerwache ist genauso absurd komisch, wie El Hotzo selbst. Aufblasbare Hunde und ein Pappaufsteller von Michael Schumacher umringen den 27-Jährigen, der selbstbewusst mit dem Publikum interagiert: „Nach jedem Lesestück wünsche ich mir ehrwürdigen Applaus. Ihr habt alle Geld gezahlt, um hier zu sein, deshalb denke ich, dass ich das verlangen kann“, sagt er beispielsweise. Das Publikum gehorcht ihm brav.

Kuriose Erfolgsgeschichte

Die Feuerwache ist bis auf den letzten Platz besetzt. Kein Wunder – schließlich amüsiert El Hotzo mittlerweile 1,4 Millionen Menschen auf Instagram. Mit der Internetplattform steigt der aus Oberfranken stammende Hotz dann auch ein. Seinen Erfolg dort habe er nämlich der deutschen Band „The Boss Hoss“ zu verdanken – und seiner abgrundtiefen Abneigung gegenüber den beiden Counrty-Rockern. Von der Plattform X, ehemals Twitter, sei er nämlich gesperrt worden, weil er dort den Satz „Boss Hoss, verrecke.“ gepostet hatte. Den gleichen Satz habe er dann auf Instagram hochgeladen und sehr viele Leute erreicht. Erfolg sei nicht immer nur Talent, sondern auch eine ganze Menge Glück, sagt Hotz und bekommt für seine Geschichte Applaus und viele Lacher.

Allgemein lässt sich sagen: Es ist ein Abend zum Tränen lachen – besonders für alle, die sich mit der Generation von El Hotzo, also den Generationen Y (1981 bis 1996) und Z (1997 bis 2012) identifizieren können. Zwischen den einzelnen Lesepassagen erzählt El Hotzo nämlich auch aus seinem Leben und gibt eine erstklassige Stand-up-Comedy-Show zum Besten. Er spricht von Männern in den Zwanzigern, die sich dank Identitätskrisen im Internet alles mögliche aufschwatzen lassen, um sich männlicher zu fühlen. Er veralbert die Faulheit seiner Generation und erklärt ganz offensiv: „Jetzt habe ich schon so einen einfachen Job. Und trotzdem keinen Bock, noch 40 Jahre zu arbeiten. Ich hasse es einfach zu arbeiten.“ Dafür gibt es lauten Applaus und Gelächter aus dem Publikum. Dieselbe Reaktion gibt es auch bei Witzen über das Konzept der Alpha-Männlichkeit: „Vielleicht stammen wir ja gar nicht von großen Jägern ab, sondern von kleinen, ängstlichen Männern, die die Frauen mit Beeren und Musik überzeugen konnten.“

Freche Bitte an die Hater

El Hotzo gibt sich während der zwei Stunden Lesung sympathisch, bodenständig und ehrlich. Der gelernte Industriekaufmann parodiert herrlich die Dynamik eines Schützenfestes und erzählt von seiner eigenen Feuerwehr-Karriere auf dem Dorf. Außerdem gesteht er seine größte Angst: „Mundkäse“. Das sei der getrocknete Speichel an den Mundwinkeln. Die Panik, Mundkäse zu bekommen sei auch der Grund, warum er während seines Auftritts in Mannheim drei Flaschen Wasser trinkt.

An all jene, die ihn nicht mögen hat er übrigens auch eine sehr ungewöhnliche Bitte: „Ich habe einen gewissen Anspruch an Hass im Netz. Werdet also bitte kreativ.“ Solche Dinge wie „El Hetzo“ finde er zum Beispiel gut, das habe eine bestimmte Botschaft. Im Notfall würden es aber auch die guten alten Morddrohungen tun, sagt er und erntet auch hier wieder lautes Gelächter.

x