Ludwigshafen Alles nur ein Spaß
Die deutsch-iranische Komikerin Enissa Amani ist noch nicht lange im Geschäft und hat eine steile Karriere hingelegt. Vor einem Jahr bekam sie den Deutschen Comedy-Preis als bester Newcomer, 2016 ihre erste eigene Sendung im Fernsehen. Jetzt war sie mit ihrem ersten Live-Programm „Zwischen Chanel und Che Guevara“ zu Gast im Ludwigshafener Pfalzbau.
„Hallo, Ludwigshafen! Alter, was für eine Piss-Stadt!“, grüßte die Kölnerin. „Ihr seid putzig, ihr seid `ne eigene Stadt und kein Vorort von Mannheim!“ stellte sie weise fest, bevor sie intensiv Zwiesprache mit dem Publikum aufnahm, um mehr über seine Zusammensetzung zu erfahren. Sie blieb dabei: Im Vergleich zu Köln oder zu Frankfurt, wo sie aufgewachsen ist, und allemal zu ihrer Geburtsstadt Teheran ist Ludwigshafen ein süßes niedliches Städtchen. „Ihr geht bestimmt so Milch holen mit solchen Kannen...“, mutmaßte Amani und fragte unschuldig: „Sind Pädophile heute Abend da? Pädophile kommen doch aus so kleinen Städten.“ Die Stand-up-Comedienne und ehemalige Vize-Miss Westdeutschland bot in High Heels und absichts- bis kunstvoll zerrissenen Jeans ironische Provokationen, die sie oftmals gleich wieder zurücknahm: „Ist doch nur Spaß“. Eigentlich, erklärte sie, sei sie trotz ihres losen Mundwerks nämlich „viel zu lieb für Comedy“. Im persönlichen Gespräch würden ihr Beleidigungen, die sie auf der Bühne äußert, nie über die Lippen kommen. Sie sei stolz auf die bunte Zusammensetzung ihres Publikums, was die Nationalitäten, die Geschmäcker und das Alter betreffe. „Das geht vom Achtjährigen bis zur 92-jährigen Omi, die mich nur von ,Let`s Dance` kennt.“ Freilich führe der unterschiedliche Hintergrund ihrer Fans bisweilen zu Missverständnissen. „Hurensohn“ und „Bastard“, legte sie daraufhin dar, seien beispielsweise Ausdrücke, die von Angehörigen ihrer Generation durchaus neutral oder „total positiv“ gemeint sein könnten. „Wir würden auch im Grundgesetz formulieren, Artikel eins: Die Würde eines jeden Hurensohns ist unantastbar.“ Sie sei im Grunde sehr höflich und überhaupt nicht darauf aus zu beleidigen, führte sie glaubhaft an. Ihr sei es bei ihren Auftritten lediglich darum zu tun, das Publikum einen Abend lang „aus der Scheiße“, gemeint war aus dem Alltag und seinen Sorgen, zu holen: „Ich will doch, dass ihr Spaß habt.“ So bot Enissa Amani, unterstützt von DJ Wati, Stand-up-Comedy mit Einsichten in ihre eigenen komischen Konflikte mit dem Beruf und plapperte schnell wie ein Maschinengewehr von ihrer Herkunft, ihren Überzeugungen und ihrer Karriere, die Zukunft eingeschlossen.