Tennis
„Alexander Zverev war schon immer gut“
Sind die deutschen Jugendmeisterschaften im Tennis eine Pflichtveranstaltung für die Trainer?
Ja, aber es ist eine sehr schöne Pflichtveranstaltung. Es macht riesigen Spaß. Wir dürfen die besten deutschen Nachwuchsspieler sehen. Und der BASF Tennisclub richtet nun schon seit 29 Jahren die Titelkämpfe aus. Sie machen einen herausragenden Job. Es ist eine Veranstaltung, auf die sich jeder Bundestrainer freut.
Sie sagten, Sie dürfen die besten deutschen Nachwuchsspieler sehen. Ist es auch für die jungen Cracks eine Pflichtveranstaltung?
Was heißt Pflicht. Jedes Mädchen, jeder Junge will doch einmal deutscher Meister werden. Sie haben hier die Gelegenheit, sich mit vielen anderen sehr gut ausgebildeten Spielern auf sehr hohem Niveau zu messen. Pflicht ist das falsche Wort. Es ist ein erster, hoffentlich motivierender Erfolg, wenn sich die jungen Spieler über die Rangliste qualifiziert haben und über das Jahr so gut gespielt haben, dass sie dann bei den deutschen Jugendmeisterschaften spielen können.
Ein Michael Stich, ein Lennart Struff oder Nicolas Kiefer haben nie bei den Meisterschaften mitgespielt, gehörten später dennoch zu den Top 100, sogar Top Ten in der Welt.
Das hat aber andere Gründe. Der ein oder andere stand in seinen Jugendjahren nicht so hoch in der Rangliste. Sie schafften aber etwas zeitversetzt ihre Entwicklung, so zwei oder drei Jahre später in ihrer Jugendzeit beziehungsweise zu Beginn ihrer Profilaufbahn. Es gibt keine Garantie, dass du als deutscher Meister der U13 auch zu den Besten bei den U18 gehörst. Es gibt Jungs und Mädchen, die sich durchgängig durch die Jugend spielen. Es gibt aber auch diejenigen, die wachstumsbedingt, biologisch körperlich bedingt dann zeitversetzt ihren Schub haben und bei den U13, U14 noch keine führende Rolle gespielt haben.
Alexander Zverev spielte dreimal bei den deutschen Meisterschaften mit, wurde nie Meister. Nun ist er einer der besten Tennisspielern in der Welt.
Alexander war schon immer top. Er gehörte ganz früh schon in der Jugend zu den Besten der Welt. Er spielte als 14-Jähriger schon U18-Turniere, soweit ich das im Kopf habe und ein, zwei Jahre später auf der Profitour. Er gehörte schon mit 18 zu den Top-100-Profis in der Welt. Er war auch schon in jungen Jahren ein Ausnahmespieler. Es gibt kaum jemanden, der international so viel erreicht hat wie Alexander Zverev. Es zeigt aber auch, dass die Entwicklung unterschiedlich ist. Manche sind früh sehr weit, andere machen mit 17 oder 18 Jahren einen großen Entwicklungssprung.
Auf was achten die Trainer bei den Meisterschaften? Die Talente können ja alle sehr gut Tennis spielen.
Es geht darum, die Talente spielen zu sehen und an welchen Stellschrauben man etwas drehen muss. Die Begabung, jeden Tag aufs Neue hart zu arbeiten, ist das größte Talent, was ein Spieler oder eine Spielerin haben kann. Es ist zudem auch der Austausch mit den Landestrainern oder den Heimtrainern. Solche Meisterschaften sind ideal, um gewisse Punkte gemeinsam zu besprechen. Man sieht die Jugendlichen in zwei, drei Matches spielen, dafür sind die Meisterschaften perfekt. Das ist das Wichtige. Man schaut auf Technik und Taktik, vor allem aber auf die Einstellung, auf die Gesamtentwicklung. Man kann außerdem mit dem Trainerteam über den Turnierplan sprechen. Der Austausch und die Kommunikation sind wichtig. Vier Augen sehen manchmal mehr.
Ein Stefan Edberg, Boris Becker, Ivan Lendl oder Pete Sampras spielten eine einhändige Rückhand. Heute ist nur Tsitsipas unter den Top 10 in der Welt, der eine einhändige Rückhand spielt. Auch bei den Jugendmeisterschaften gibt es ganz wenige, die eine einhändige Rückhand spielen. Warum?
Das ist ganz individuell abhängig. Das kann man nicht pauschalisieren. Viele Kinder beginnen mit einer beidhändigen Rückhand zu spielen, weil sie da mehr Kraft und Kontrolle haben. Bei vielen bleibt es so. Wenige stellen um und lassen die eine Hand dann bei der Rückhand später los.
Anderes Thema: Am 3. Juli steht das mit Freude und Spannung erwartete Duell in der Tennis-Bundesliga der Herren an zwischen dem Aufsteiger BASF TC Ludwigshafen und dem mehrmaligen und aktuellen deutschen Meister GW Mannheim. Kribbelt es schon, denn es sind mittlerweile über 50 Prozent der Karten verkauft.
Die Vorfreude ist schon seit Monaten da, als wir gesehen haben, dass Ludwigshafen aufsteigt. Das war so wie bei Weinheim damals. Es ist für unsere Region super. Es wird ein toller Tag, egal wie es ausgeht. Es ist ein schöner Tennisevent für Jung und Alt. Es wird ein richtiges Tennisfest und der BASF TC bereitet das toll vor. Je näher es kommt, desto spannender wird es. Das ist eines der sportlichen Höhepunkte, die die Region hier erleben wird. Man kann Weltklasse-Tennis aus nächster Nähe erleben.
Zur Person
Gerald Marzenell
Der 58-Jährige ist wahrer Mannheimer. Marzenell war einst Nummer 182 in der Weltrangliste. Nach seiner aktiven Laufbahn wurde er Trainer und gründete eine Sport-Marketing-Agentur. Voriges Jahr erhielt Marzenell den Sport-Award der Metropolregion Rhein-Neckar als Top-Trainer. Seit seiner Jugend spielt er bei TK GW Mannheim. 16 Jahre lang bestritt er Meisterschaftsspiele für GW und ist mit 213 Matches Rekordspieler in der deutschen Tennisbundesliga. 1993 und 1996 wurde er mit dem Team deutscher Meister als Spieler. Als Trainer gewann er mit GW sechs Meistertitel. Marzenell war auch Co-Trainer der Fed-Cup-Mannschaft.