Gewichtheben AC Mutterstadt verliert erstmals gegen KSV Grünstadt
Noch nie hat in der Vergangenheit eine Staffel des AC 1892 Mutterstadt in der Bundesliga gegen eine Mannschaft des KSV Grünstadt verloren. Diesmal zog der zwölffache deutsche Mannschaftmeister mit 674:707 (0:3) Kilopunkten im Pfalzderby klar den Kürzeren. Damit sind die Chancen des ACM zu einem erneuten Einzug in das Finale auf ein Minimum gesunken.
„Sicher hatten wir auch Verletzungspech. Insgesamt war das von allem zu wenig. Grünstadt hat seine Chance genutzt und verdient gewonnen“, gratulierte der Sportliche Leiter Stefan Mohr dem KSV. Im Vorfeld war klar, dass der Wettkampf gegen das Team um die ehemalige Mutterstadterin Sarah Davies auf Messers Schneide stehen würde.
Hristov zurück
Die personellen Voraussetzungen waren nicht optimal. Der Bulgare Hristo Hristov kehrte zwar nach einer Verletzung wieder auf die Bühne zurück. Dagegen war die zweite Ausländerposition mit der Niederländerin Myrte Timmermans, die normalerweise in der Regionalliga zum Eisen greift, nicht optimal besetzt.
Hinzu kam der kurzfristige Ausfall der fest eingeplanten Juniorennationalheberin Sara Bechter. Aber auch bei den Gastgebern fehlten mit Sophia Attilo und Vize-Europameisterin Lara Dancz zwei wichtige Leistungsträger. Dieses Handicap steckten die Gastgeber in der gut gefüllten altehrwürdigen KSV-Sporthalle in der ersten Teildisziplin Reißen besser weg.
Trotz sage und schreibe sieben Fehlversuchen ging der erste Punkt nach 287,5:273 Kilopunkten an die Hausherren. Beim ACM patzten Myrthe Timmemans und Hristo Hristov, während Max Lang, Nina Schroth, Amelie Breuer und Senior Björn Hertrampf ihre drei Versuche in die Wertung brachten. Wermutstropfen und mitentscheidend für den Ausgang des weiteren Verlaufs war die Verletzung von Hristo Hristov im zweiten Versuch bei misslungenen 160 Kilogramm.
Mohr greift ein
Schmerzverkrümmt fasst sich Hristov an die Rippe, brachte aber dann noch den wichtigen dritten Versuch durch. Im Stoßen trat der Vize-Europameister nur noch zu einem Versuch über 170 Kilogramm an. „Es handelte sich um eine sehr schmerzhafte Nervenverletzung an der Rippe. Hristo wollte trotzdem noch an die 180 Kilogramm Last. Das hätte für den Ausgang nichts mehr gebracht. Das habe ich unterbunden. Die Gesundheit hat in den Moment im Vordergrund gestanden“, erklärte Mohr.
Auch in ihrer Paradisziplin, dem Stoßen, hatte das favorisierte AC-Sextett am Samstagabend das Nachsehen (401:419,5). Auch wenn Nina Schroth (120 Kilopunkte), Amelie Breuer (100 Kp), Myrthe Timmermans (121 Kp) und Max Lang (133 Kp) ihre Lasten in die Höhe stemmten. Routinier Björn Hertrampf scheiterte zwei Mal an 155 Kilogramm und konnte mit bescheidenen 88 Kilopunkten in der Endabrechnung nicht zufrieden sein.
Bei Grünstadt lief auch nicht jeder Versuch nach Plan. Relativ zu ihrem Körpergewicht verkauften sich Sarah Davies und ihre Kollegen einfach besser. Die Engländerin hinterließ als Relativstärkste mit 145 Kilopunkten den besten Eindruck aller Athleten. Das freute ihre Fans und ganz besonders Trainer John Attilo. „Für uns in Grünstadt ist das etwas Besonderes, gegen den großen AC Mutterstadt in der Bundesliga zu gewinnen. Eigentlich ist das gar nicht möglich. Wir haben uns im Vorfeld bestenfalls einen Punkt im Reißen erhofft. Gerade unsere vier Mädels sind bei ihren zweiten Versuchen über sich hinausgewachsen“, freute sich John Attillo.
Die Mutterstadter Athleten nahmen die nicht einkalkulierte Niederlage sportlich hin. „Der jetzt mit ziemlicher Sicherheit verpasste Finaleinzug tut schon weh, schmerzt mich persönlich aber nicht ganz so sehr. Das ist Sport, Grünstadt war besser. Es tut mir leid für die Mannschaftskollegen, für die der Finaleinzug wie im letzten Jahr das Größte war“, sagte Mannschaftskapitän und langjähriger Nationalheber Max Lang.
Taubert realistisch
Mit 7:8 Zählern aus fünf Wettkämpfen belegt der ACM aktuell in der Tabelle nur den sechsten Rang. Der KSV Grünstadt, der sich mit den 3:0 Heimsieg vorzeitig den Klassenerhalt sicherte, liegt nach dem Erfolg auf dem fünften Tabellenplatz (8:10). „Jetzt müssen wir uns möglichst erfolgreich in den letzten drei Wettkämpfen aus der Affäre ziehen. Die Mannschaft kann sich in den Heimkämpfen gegen Heinsheim und Durlach sowie in Samswegen neu beweisen. Wir können nicht jedes Jahr das Finale erreichen“, sagte der die Mannschaft mitbetreuende langjährige AC-Heber und Sportwart Mario Taubert.
Beim Mannschaftsfinale Ende April wird Verbandspräsident Patrick Fassott nach der Mutterstadter Niederlage die Daumen vor Ort nunmehr alleine für den Titelverteidiger AV 03 Speyer drücken. „Die Mutterstadter Niederlage hat mich absolut überrascht. Aber mit Grünstadt hat die an dem Tag bessere Staffel den Heimvorteil genutzt und den Kampf für sich entschieden. Mutterstadt wird es verkraften können und sportlich wieder aufstehen“, bilanzierte Fassott einen unterhaltsamen Abend.