Tour de Lu (7)
Ab in den größten Gemüsegarten Deutschlands
Schon auf den ersten Metern meines Spaziergangs entlang der Ruchheimer Äcker wird mir klar, warum die Vorderpfalz gerne als „Gemüsegarten Deutschlands“ bezeichnet wird. Heute unternehme ich eine kleine lukullische Reise durch einen Teil des größten zusammenhängenden Gemüseanbaugebietes Deutschlands.
Es ist Ende April, alles wächst und gedeiht. Meine Tour starte ich beim SV Ruchheim an der Ecke Brunnenweg/Am Sportplatz. Viereinhalb Kilometer erwarten mich, die ich mit allen Sinnen genießen werde. Ich spaziere geradeaus über den Brunnenweg, vorbei am Jungpflanzenbetrieb Gerhardt, der so ziemlich alles an Gemüse produziert – von A wie Artischocke bis hin zu Z wie Zwiebel. Gewächshaus reiht sich hier an Gewächshaus. Ein laues Lüftchen hebt die Ackerfolien rechts und links des Weges leicht an, was wie ein sanftes Rauschen der Wellen klingt. An sich fehlt jetzt nur noch die frische Meeresbrise für ein bisschen Ostsee-Feeling. Doch stattdessen steigt ein scharfer Duft die Nase hoch.
Hochbetrieb auf den Feldern
Vielleicht Lauch oder doch eher Zwiebeln? Eines von beidem muss es wohl sein. Ich rieche, aber sehe sie nicht – die dazugehörigen Pflanzen. Auf einem der zahlreichen Äcker müssen sie sich doch versteckt haben. Am Ende des Brunnenweges stoße ich auf eine steinerne Hütte, in der mutmaßlich landwirtschaftliche Gerätschaften deponiert sind. Fein säuberlich lagern daneben unzählige Bewässerungsrohre übereinander. Wie viele Meter diese zusammengesteckt ergeben? Ich muss keine Mathematikerin sein, um zu wissen, dass da zweifelsfrei einige Kilometer zusammenkommen.
Auf den Feldern herrscht überall Hochbetrieb. Zwischen 40 und 50 Erntehelfer sind auf den Äckern zugange. Die Sprinkleranlagen laufen auf Hochtouren, malen große Bögen in den stahlblauen Himmel. Es hat schon einige Tage nicht mehr geregnet, und das Gemüse schreit regelrecht nach Wasser. Wieder einmal habe ich mir bestes Wetter für meinen Spaziergang ausgesucht. Trotzdem komme ich um die eine oder andere Dusche nicht herum. Auch wenn ich versuche, mit kurzen Sprints den Bewässerungsanlagen zu entkommen, landen einige Wasserspritzer auf meiner Sonnenbrille und meinem T-Shirt.
Hunderte von Salatköpfen
Ich biege rechts ab und erreiche nach knapp 500 Metern einen kleinen versteckten, von allen Seiten zugewachsenen Weiher. Nun ja, das bräunlich gefärbte Wasser lädt weder zum Verweilen noch zum Baden ein. Ein paar Vögel zwitschern voller Inbrunst gegen den Lärm der nahen B 9 an. Ich folge dem Weg bis dorthin, laufe noch ein paar Meter parallel zur Bundesstraße und erblicke auf der schräg gegenüberliegenden Seite das Wasserwerk Maudach/Oggersheim der TWL. Über eine Brücke könnte ich jetzt die B 9 überqueren, doch ich mache mich auf den Rückweg und entdecke ein riesengroßes Feld mit Hunderten von Salatköpfen: Lollo Bianco, Lollo Rosso, Kopfsalat, die alle darauf warten, geerntet zu werden. Jetzt ein leckeres Honig-Senfdressing dazu, und ich wäre im siebten Himmel.
Noch nicht ganz so weit sind die Kartoffelpflänzchen, die sich sanft einen Weg aus den Hügelbeeten bahnen. Der Spargel genießt noch die letzten Tage unter der Folie, ehe er – ganz klassisch – zu Sauce Hollandaise, neuen Kartoffeln und gekochtem Schinken kredenzt wird. Mein persönlicher Favorit: gebratener Spargel mit selbstgemachtem Bärlauchpesto.
Vierbeiner liegen in der Sonne
Während mir mittlerweile zum gefühlt hundertsten Mal auf diesem Spaziergang das Wasser im Mund zusammenläuft, spaziere ich weiter, bis ich den Leuchtfeuerhof, ein Gestüt, in der Borgewanne erreiche. Ein paar Vierbeiner liegen faul in der Sonne, genießen die wärmenden Strahlen auf ihrem Fell. Um sie herum wird eifrig geputzt, doch die Pferde lassen sich nicht stören. Mein Spaziergang neigt sich dem Ende zu. Ich laufe am Leuchtfeuerhof vorbei, sehe ein paar Meter weiter die ersten Häuser des Wohngebietes. Noch einmal biege ich rechts ab und bin nun wieder auf dem Brunnenweg am Startpunkt.