Ludwigshafen
50 Jahre Wäscherei Bittmann: Frische Wäsche, liebevoll verpackt
Wie zum Beweis betritt am Mittwochvormittag ein älterer Herr das Geschäft in der Ludwig-Börne-Straße 11. Er wohnt in Ellerstadt, stammt ursprünglich aus Norddeutschland und kam über die BASF in die Stadt. Seit fünf Jahrzehnten bringt er seine Hemden vorbei, die dann gewaschen, später gepresst werden und mit einer wunderschön gestalteten Banderole das Haus wieder verlassen. Damit zählt die Wäscherei Bittmann zu den wenigen in der Region, die noch mit einer Pressmaschine arbeiten. In den 1960er und 1970er Jahren war dies noch gang und gäbe, inzwischen wird das Gros der Hemden und Blusen schlicht mit einem Hemdenfinisher aufgeblasen.
Aus Jockgrim nach LU
Ihr erstes Geschäft eröffneten die Bittmanns 1971 in der Mundenheimer Straße gegenüber der Herz-Jesu-Kirche. Als Wäschereileiter im Kreiskrankenhaus Kandel hatte Bruno Bittmann jede Menge Erfahrung sammeln können und wagte den Schritt in die Selbstständigkeit. Die Familie kam aus Jockgrim, kannte hier in der Stadt niemanden. Neben ihrem Geschäft aber war ein kleines Kiosk, Lotto Müller. Und schnell sprach sich bei dessen Inhaber, den alle nur „Seppl“ nannten, herum, dass man nebenan seine Wäsche vorbeibringen könne. „Waschsalon am Stadion“, nannten Bittmanns ihren Betrieb. „So steht es lustigerweise auch im Gewerbeschein“, sagt Tochter Angelika Kalka (57) lachend.
„Die Leute haben alles gebracht, was sie am Leib trugen – ob Socken, Hemden, Hosen, dazu Handtücher und Vorhänge“, erzählt Bruno Bittmann. Egal, ob die günstigen Socken aus dem Kaufhaus oder das 100-Mark-Hemd – Bittmanns haben alle Kleidungsstücke von jeher mit viel Sorgfalt und Akribie behandelt. Kundenservice ist nicht einfach nur eine Floskel, Bittmanns leben ihn. „Es kam schon mal vor, dass mein Mann beim Ausliefern etwas länger brauchte“, erinnert sich Irma Bittmann lachend. Später dann stellte sich heraus, dass er nicht nur die Gardinen vorbeigebracht hatte, sondern auch direkt noch half, diese wieder aufzuhängen und ganz nebenbei noch die Gardinenleiste abstaubte. Oder aber der Wäschereichef half mal kurzerhand beim Aufbau eines Kleiderschranks.
Die Anfangszeit war für die junge Familie und das neu gegründete Unternehmen hart. Viele Investitionen standen an. Inzwischen steht der Betrieb auf gesunden Beinen. „Wir haben mit kleinen Maschinen angefangen, mussten noch den Wecker stellen, um die Nasswäsche rauszuholen und um sie anschließend zu schleudern“, erzählt Gründer Bruno Bittmann, mittlerweile stolze 81 Jahre alt. Er steht wie auch Ehefrau Irma (82) noch drei Mal pro Woche im Geschäft und hilft überall dort, wo Hilfe gebraucht wird. Ein echter Familienbetrieb eben.
In Papier gewickelt
Während des RHEINPFALZ-Interviews steht die Seniorchefin gerade am Tisch, wirft einen prüfenden Blick auf die Kleidungsstücke, wickelt sie fein säuberlich in das weiße Papier mit dem charakteristischen Werbeaufdruck der Wäscherei Bittmann ein und beschriftet sie. Jedes einzelne Päckchen wirkt wie ein liebevoll verpacktes Geburtstagsgeschenk. Irma und Bruno Bittmann wohnen inzwischen wieder in ihrer Heimatgemeinde Jockgrim, doch von montags bis donnerstags haben sie bei Tochter und Schwiegersohn ihr kleines Reich. Zwei echte Berufspendler eben.
Die Arbeit in einer Wäscherei war und ist von jeher ein Knochenjob, mehrere Hundert Kilo täglich müssen bewegt werden – damals wie heute. Immerhin schaffte sich der Familienbetrieb Ende der 1970er Jahre eine kombinierte Wäscheschleudermaschine an und so entfiel ein Arbeitsschritt. Seinerzeit war das Unternehmen bereits von der Mundenheimer Straße an ihren heutigen Standort in einer ehemaligen GAG-Gemeinschaftswaschküche in der Ludwig-Börne-Straße 11 umgezogen. Das Unternehmen wuchs.
Tochter übernahm Betrieb
Die Kunden kommen schon längst nicht mehr nur aus Süd, sondern aus allen Teilen der Stadt und darüber hinaus. „Viele von ihnen halten uns seit vielen Jahren die Treue“, erzählt der Firmengründer stolz. Und auch die Mitarbeiter – größtenteils Frauen – sind fast alle schon etliche Jahre dabei. „Wir sind wie eine Familie“, betont Kalka. Und Irma Bittmann liebt es, „auch mal ein Schwätzle zu halten“. Das gehöre dazu, betont sie. Neben der privaten Haushaltswäsche zählen auch ein Gardinenservice und das Reinigen von Gastronomie- und Arbeitskleidung samt zugehörigem Hol- und Bringservice zum Angebot des Unternehmens.
Das Jahr 1996 bedeutete eine Zäsur für die Wäscherei. Bruno Bittmann erkrankte damals schwer. Die Frage, wie es denn weitergehen sollte, stellte sich allerdings nur kurz, denn Tochter Angelika Kalka, damals noch medizinisch-technische Fachangestellte, aber quasi in der Wäscherei groß geworden, entschied sich, das Geschäft zu übernehmen. Mit viel Hingabe und genauso viel Leidenschaft führt die zweifache Mutter seitdem die Wäscherei.