Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel 17.000 Bürger werden zu Sportstätten in der Stadt befragt

Große Anlage im Herzen der Stadt: der Sportpark am Südweststadion.
Große Anlage im Herzen der Stadt: der Sportpark am Südweststadion.

Welche Sportstätten werden in Ludwigshafen noch gebraucht, welche vielleicht nicht mehr, und wo besteht Nachholbedarf? Diesen Fragen widmet sich das Sportstättenentwicklungskonzept, das die Verwaltung vor zwei Jahren auf den Weg gebracht hat. Jetzt wird die Bevölkerung dazu befragt.

„Das ist das Herzstück in der Konzeptentwicklung“, erklärt Projektleiter Stefan Henn vom Institut für Sportstättenentwicklung zur anstehenden Bürgerbefragung. „Ich glaube, wir sind als Sportstadt ganz gut aufgestellt, und ich bin sehr gespannt auf die Bewertung durch die Bürger“, sagt Oberbürgermeisterin und Sportdezernentin Jutta Steinruck (SPD). Immerhin 66 Schulsporthallen, sechs Bezirkssportanlagen, drei Schwimmbäder und die drei großen Sportanlagen Südweststadion, Leichtathletikhalle und der Sportpark am Südweststadion werden von der Stadt unterhalten. Hinzu kommen 89 vereinseigene Anlagen. Sie alle stehen mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit auf dem Prüfstand.

„Die Vereine haben wir schon abgefragt“, berichtet Henn. Der Rücklauf sei überaus erfreulich gewesen. Dabei wurde erfasst, wie, wann und in welcher Frequenz die Sportanlagen genutzt werden. Wichtige Informationen für künftige Handlungsansätze. „Früher wurden Sportstätten nach Richtwerten geplant und gefördert. Seit 2015 müssen Kommunen für eine Förderung den tatsächlichen Bedarf konkret nachweisen“, erklärt der Projektleiter und nennt als Beispiel dafür die Kunstrasenplätze. „Dafür muss man pro Jahr 1800 Nutzungsstunden nachweisen.“ Das entspricht ungefähr einer 35-Stunden-Woche auf dem Sportplatz.

Post von der Verwaltung

Abgerundet werde die Befragung der Vereine mit der Befragung der Bevölkerung, die ab sofort anläuft. Dafür wurden nach dem Stichprobenprinzip 17.000 Personen über das ganze Stadtgebiet verteilt ausgewählt, die in den nächsten Tagen Post von der Verwaltung erhalten und dann anonymisiert ihre Sportgewohnheiten offenlegen dürfen. „Auf diesem Weg wollen wir auch die Bedürfnisse des nicht vereinsmäßig organisierten Individualsports erfassen“, erklärt Henn.

Jogger beispielsweise würden ansonsten ebenso wenig erfasst wie Fitnessstudio-Besucher oder Inlineskater. „Wir haben dafür 30 Fragen formuliert und wollen wissen, wie das Sport- und Bewegungsverhalten aussieht.“ Ein Hinweis, der möglicherweise am Ende auch für die Vereine interessant werden könnte, die bedarfsgerechte Angebote entwickeln könnten. „In Ingelheim hat das Konzept sozusagen als ,Abfallprodukt’ genau diesen Effekt“, beschreibt Henn. Der Vereinssport sei flexibler geworden.

Auch Experten werden befragt

Über mögliche Auswirkungen in Ludwigshafen wollten weder Henn noch die Oberbürgermeisterin spekulieren. „Wir stellen keine Zwischenstände zur Diskussion“, bekräftigt Steinruck. Gerade vor der anstehenden Bürgerbefragung solle nicht der Eindruck vorgefertigter Meinungen erweckt werden. Und auch wenn die Bürger ihre Meinung eingebracht haben, sei der Vorgang noch lange nicht beendet. Im Anschluss werden Experten befragt, mehrere offene Diskussionsveranstaltungen angeboten und erst dann das Konzept als Handlungsempfehlung in die politische Diskussion der Fachausschüsse und anschließend im Stadtrat verabschiedet werden, skizziert Steinruck das weitere Prozedere.

Das sei schon jetzt ein wenig ins Stocken geraten. „Ursprünglich war der Prozess auf drei bis vier Jahre angelegt.“ Durch das Corona bedingte Versammlungsverbot habe es aber bislang noch keine Präsenzveranstaltungen gegeben. „Aber auch für die brauchen wir für ein umfassendes Konzept“, so Henn.

„Vorhandene Mittel sinnvoll einsetzen“

Immerhin geht es um nichts weniger als die Zukunft des Ludwigshafener Sports. Diese sei nicht notwendigerweise mit Einsparungen verbunden“, bekräftigt die Verwaltungschefin. Im Gegenteil. „Es geht uns darum, die vorhandenen Mittel möglichst sinnvoll einzusetzen.“ Dass am Ende auch Zusammenschlüsse und gemeinsame Nutzungen von Sportanlagen herauskommen könnten, wodurch die ein oder andere Fläche für eine andere Nutzung freiwerden könnte, wollten weder Henn noch Steinruck ausschließen.

Beteiligen können sich an der Bürgerbefragung nicht nur die 17.000 ausgewählten Personen, sondern alle Interessierten. Möglich ist das auf der Internetplattform www.sport-in-lu.de.

x