Ludwigshafen
1250 Konzerte in der ganzen Welt gespielt: Ein Leben für die Orgelmusik
„Ich wollte schon immer Orgel spielen und habe mich schon als kleiner Bub dafür begeistert“, erzählt Heinz-Georg Saalmüller. „Meine Mutter hat mich mit fünf Jahren mitgenommen in den Gottesdienst und mir erklärt, was der Priester da vorne alles macht – aber sobald das Glöckchen geläutet wurde und die Orgel zu spielen begann, habe ich mich rumgedreht zur Empore und die Röhren und Farben bewundert und die Klänge genossen.“
Als Kind haben seine Eltern ihn nach Dahn auf das Gymnasium geschickt: ein Knabeninternat, dessen Betreiber das Bistum Speyer war. Dort war Walter Müller als Altphilologe sein Lehrer und war nebenbei als Organist in Ludwigshafen tätig. Dadurch kam Saalmüller schon zu Beginn der 1970er Jahre mit der Klais-Orgel der Herz-Jesu-Kirche in Kontakt: „Ich kenne dieses Instrument sehr gut und habe dort meinen Orgellehrer auch bei Gottesdiensten vertreten.“
Nach dem Abitur 1974 studierte Saalmüller in Köln und Heidelberg Cembalo und Orgel, außerdem Religionswissenschaften, Kunstgeschichte und Musikwissenschaften. Seit seinem Abschluss ist er haupt- und freiberuflich als Organist tätig. „Es sind mehr als 1250 Konzerte, die ich in der ganzen Welt gespielt habe, davon viele in Italien“, fasst er zusammen. „Dabei durfte ich viele nette Kollegen und tolle Instrumente kennenlernen – keine Orgel ist gleich!“
Von 1990 bis 1992 plante und leitete Saalmüller als Sachberater des Landes Baden-Württemberg die Restaurierung der historischen Ubhauser-Orgel aus dem Jahre 1806, die original erhalten in der Kapelle des Schwetzinger Schlosses steht. Auch an der Rekonstruktion der Barockorgel der Schlosskapelle Heidelberg – eingeweiht an Ostern 1990 – war er beteiligt. Saalmüller ist weiterhin an beiden Instrumenten als Organist tätig.
Viele unterschiedliche Orgeltypen
Als einer der ersten Organisten in Deutschland hat er von 1980 bis 1984 eine Konzertreihe in verschiedenen Heidelberger Kirchen mit der Aufführung der 20 mehrsätzigen Sonaten von Josef Rheinberger gespielt. Jeweils 30 Minuten dauern die Stücke des seiner Meinung nach bedeutendsten katholischen Kirchen-Komponisten Deutschlands. Sie waren sehr lange vergessen: „Die Musik klang zu schön, zu romantisch“, vermutet Saalmüller.
Was ist das Besondere am Orgelspielen? „Ich brenne für das Instrument“, sagt er schlicht. Es gebe so viele unterschiedliche Orgeltypen, gerade in Deutschland, weil alle Fürsten vor dem 18. Jahrhundert in ihren kleinen Staaten ihre eigenen Hoforganisten hatten – und auch ihre eigenen Hoforgelbauer. Die Unterschiede und Vielfalt egalisierten sich ab 1850 etwas, als der romantische Orchesterklang sich auch im Orgelbau durchsetzte. Eine Folge: Die Instrumente wurden immer größer.
Renovierung über sechs Monate
Das Instrument in Sankt Ludwig aus dem Jahre 1956 hat heute 41 Registerreihen und misst etwa neun Meter in der Breite und siebeneinhalb Meter in der Höhe. Orgelpfeifen waren ursprünglich aus Blei und Zinn, aber aus Kostengründen musste man nach dem Zweiten Weltkrieg weniger kostenintensive Materialien wie Kupfer und Zink einsetzen. Die Orgel in Sankt Ludwig ist von der Orgelbaufirma Späth aus Ennetach-Mengen erbaut, welche 1927 den Titel eines päpstlichen Hoforgelbauers verliehen bekam. Die längste Pfeife der derzeitigen Orgel misst etwa sechseinhalb Meter. Alles Vorgefundene sei bei der Renovierung der Orgel 2023 gewissenhaft berücksichtigt worden, betont Saalmüller.
Alfred Hirsch, der das leider nicht mehr erlebt hat, war der Motor für die Orgelrenovierung an Sankt Ludwig. „Wir haben die Firma Mayer aus Heusweiler im Saarland beauftragt und ich war als Sachberater der Pfarrgemeinde während der Renovierung zweimal täglich über sechs Monate hinweg hier in der Kirche: morgens zum Absprechen der täglichen Arbeitsgänge, abends zum Anschauen der täglichen Arbeit“, erzählt Saalmüller im Rückblick.
Entkernt und gereinigt
Die Orgel wurde komplett entkernt; trocken und nass gereinigt. Auch Elektrik sowie Elektronik wurden ersetzt. „Der wunderschöne Spieltisch aus 1956 ist erhalten geblieben, da konnte ich mich durchsetzen“, freut sich der Organist. „Wegen der klanglichen Gestaltung der Orgel habe ich drei Verschiedenheiten der Klanggestaltung berücksichtigen müssen: Was kann jede Pfeife von sich aus aufgrund ihrer Konstruktion, welchen Klang muss die Pfeife aufgrund ihrer Konstruktion bringen, und wie entwickelt sich dieser so erreichte Klang im Raum? Die Kirche St. Ludwig hat eine tolle Akustik, das Ergebnis und der Erfolg haben uns Recht gegeben“, findet Saalmüller.
Die Renovierung hat etwa 160.000 Euro gekostet. Zum Vergleich: Ein neues, gleich großes Instrument hätte seinen Angaben zufolge mit 1,5 Millionen Euro zu Buche geschlagen. Durch diese Investition habe die Kirche eine technisch und klanglich neuwertige Orgel erhalten.
Orgelmusik umfängt die Gemeinde
Er spiele im Gottesdienst bewusst für die Menschen, die in die Kirche kommen und sehe sich dabei als der Diener der Gemeinde, betont Saalmüller. Die Lieder sucht er anhand der liturgischen Texte aus, die abschließende Entscheidung treffe aber der jeweilige Geistliche. Bei manchen Stellen im Gottesdienst – wie zu Beginn und zu Ende oder während der Kommunion-Austeilung – spiele er „schön klingende Orgelmusik, welche die Gemeinde umfängt und tröstet, und so aufzeigt, dass es noch eine andere geistige, geistliche Welt gibt, welche im Gottesdienst aufgezeigt werden soll.“