Ludwigshafen
125 Jahre BASF-Gesellschaftshaus: Backsteine, Bomben und glanzvolle Büffets
Ein Backsteingeneral als Erbauer
Das Gesellschaftshaus hat eine Backsteinfassade – und das hat ein bestimmten Grund. Das Gebäude wurde zwischen 1898 und 1900 erbaut. Planer und Architekt war Eugen Haueisen, der als Leiter der 1874 neu eingerichteten Bauabteilung des Chemiekonzerns tätig war. Er plante übrigens auch die Wohnhäuser für die höheren Angestellten (die „Kolonie“) sowie das Gebäude der Hauptverwaltung und des Hauptlabors. Haueisen hatte wegen des verwendeten Baumaterials den Spitznamen der „Backsteingeneral“ und leitete das Baubüro der BASF sowie das technische Büro, zu dem auch alle maschinentechnischen Betriebe gehörten. Er war über 40 Jahre lang für den Konzern tätig und seine Spuren sind bis heute in der Anilin und der Stadt zu sehen. Die Direktionsgebäude entlang der Carl-Bosch-Straße stammen ebenfalls von ihm. Beim zweistöckigen Gesellschaftshaus setzte der Architekt auch auf Backsteine, die auf einem Sandsteinsockel ruhen. Das Haus fügt sich durch die Backsteine harmonisch in die restliche BASF-Bebauung aus dieser Zeit ein.
Ein Schloss als Vorbild
Alte Aufnahmen und Zeichnungen zeigen, dass früher auch Turmspitzen das Gebäude krönten, das dadurch einen sehr mondänen Eindruck machte und ein bisschen an ein Schloss erinnerte. Dominant war schon damals der Festsaal, der nach der Renovierung in den frühen 1920er-Jahren tatsächlich einem Saal des Kasseler Stadtschlosses nachempfunden wurde. Noch heute funkeln im Haus Kronleuchter, hängen Ölbilder der Firmengrößen an den Wänden, es gibt einen prachtvollen Treppenaufgang, Stuckdecken und Holzschnitzereien – alles strahlt eine gediegene Eleganz aus und könnte als Kulisse für eine (Industrie-)Adelserie dienen. Ursprünglich war das Haus als Ort gedacht, an dem Direktoren, Prokuristen sowie bestimmte Techniker und Kaufleute ihr Mittagessen in Fabriknähe einnehmen konnten. Außerdem bot das Gebäude Aufenthaltsräume für den konzerneigenen Gesangsverein, das Werksorchester oder den Arbeiterverein, der vom Unternehmen ins Leben gerufen wurde. Diese Aufgabe als Vereinshaus übernahm schließlich das 1913 eröffnete „Feierabendhaus“. Im Souterrain des Gesellschaftshauses waren die Küche, Garderoben und eine Kegelbahn untergebracht, die bis heute existiert. Im Erdgeschoss befanden sich die Restauration in einem Saal für 150 Gäste, Bibliothek und Lesesaal für die Arbeiter sowie ein Billard- und Spielzimmer. Die Bibliothek, das Lese-, Konversations- und Rauchzimmer für die Beamten lagen im Obergeschoss. Das Gesellschaftshaus wurde deshalb im Sprachgebrauch auch Casino genannt.
Ein Doppelgänger in der Stadt
Mit einem rauschenden Fest wurde das Gesellschaftshaus am 14. Dezember 1900 eingeweiht. Während die bürgerliche Presse die Eröffnung und den Neubau feierte, gab es von der sozialdemokratischen „Pfälzischen Post“ auch den kritischen Hinweis, dass ein solches Gebäude ein Symbol für den Reichtum der Firma war, der auf dem Rücken der Arbeiter erwirtschaftet worden sei. „Wer zählt die Summe von Elend auf, die in den Familien der kümmerlich entlohnten Arbeiter herrscht? Wer spricht von ihnen, die allen Reichtum schaffen und geschaffen haben und deren Los vielfach frühes Sterben oder Siechtum ist?“, fragte die SPD-Zeitung in einem Artikel, der eine Woche nach der Eröffnung des Gesellschaftshauses erschien. Doch solche Gesellschaftshäuser sind auch ein Produkt des Zeitgeistes gewesen: Die Stadt Ludwigshafen nutzte selbst ein Gesellschaftshaus mit Festsaal im Obergeschoß für alle möglichen Veranstaltungen, das über ein Restaurant im Erdgeschoss verfügte. Erbaut wurde dieses Gebäude von der Ludwigshafener Baufirma Josef Hoffmann & Söhne 1881/82 in der Bismarckstraße und es wurde zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens, wie es in der Ludwigshafener Stadtgeschichte heißt. Optisch ähnelte es sogar ein wenig dem später erbauten BASF-Gebäude. Insofern zog der Chemiekonzern mit seinem Gesellschaftshaus nach und schuf ein vergleichbares Ambiente. Die Einträge vieler prominenter Gäste, wie etwa von Gustav Stresemann (1878-1929), früherer deutscher Außenminister in der Weimarer Republik, oder von Komponist Richard Strauß (1864-1949) finden sich im Gästebuch des Hauses.
Ein Aushängeschild bis heute
Die BASF war eines der Hauptziele bei den alliierten Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg. Wie die gesamte Innenstadt nahm dabei auch das Gesellschaftshaus großen Schaden. Bei einem Luftangriff brannte 1943 der prunkvolle Festsaal völlig aus, weitere Teile des Gebäudes wurden zerstört. Speisesaal und Küche konnten weiterhin genutzt werden, um dort warme Mahlzeiten anzubieten. Bis Ende der 1940er-Jahre war der Speisesaal der einzige nutzbare größere Saal im Raum Ludwigshafen und Mannheim. Daher fanden dort im Dezember 1948 auch die Einweihungsfeierlichkeiten der wieder in Betrieb genommenen Rheinbrücke statt. Nach dem Krieg wurde das Gebäude instandgesetzt. 1950 wurden das Dach und der Saal in vereinfachter Form wiederaufgebaut. Auf die Türmchen wurde dabei verzichtet. „Ansonsten blieb im Innern weitgehend die originale Ausstattung erhalten“, heißt es in der Denkmaltopographie. In der Fassade im Stil der Neo-Renaissance ist bis heute der reich dekorierte Schriftzug „Errichtet ihren Beamten und Angestellten“ zu lesen. Im Jahr 2000 fand eine grundlegende Renovierung des Gebäudes statt. Jeder Raum verfügt über einen Internetanschluss. Das Restaurant ist mittlerweile in der ersten Etage angesiedelt und hat einen ausgezeichneten Ruf über die Stadtgrenzen hinaus. Es wurde in diesem Jahr von 88.500 Gästen besucht. In der Küche arbeiten 27 Fachkräfte und 20 Auszubildende, im Service 26 Fachkräfte und 19 Auszubildende – aus zwölf Nationen. Im Gegensatz zu früher steht das Restaurant montags bis freitags ab 18 Uhr der Bevölkerung offen. Auch private Feierlichkeiten und Tagungen können gebucht werden. Das Gesellschaftshaus bietet zudem eine ganze Reihe öffentlicher Veranstaltungen an, von kulinarischen Abenden bis hin zu Konzerten. Im Erdgeschoss findet sich eine moderne Vinothek, in der Weine und Sekte aus der benachbarten BASF-Weinkellerei verkostet werden können, wo eine Million Flaschen im Lager liegen. Das Gebäude ist offizielles Kulturdenkmal. In 125 Jahren ist eines gleichgeblieben: Das Gesellschaftshaus ist nach wie vor das Aushängeschild der BASF.
Ein Ort zum Heiraten
Im Gesellschaftshaus kann man auch heiraten. „Der dem Kasseler Stadtschloss nachempfundene Festsaal kann liebevoll nach Ihren individuellen Wünschen geschmückt, gedeckt und dekoriert werden und bietet ein ganz besonderes Ambiente für Sie und Ihre Gäste“, werben die Gastronomietriebe der BASF. Der Festsaal bietet Platz für bis zu 180 Personen. Im kleineren Heinrich-von-Brunck-Saal finden bis zu 90 Personen Platz. Die BASF übernimmt auch das Arrangement für das Fest über das Kulinarische hinaus, inklusive Menükarten, Tischkarten, Raumplan und alles, was zu einem festlichen Rahmen dazugehört. Auf Wunsch werden Dienstleister für die Blumendekoration, die Hochzeitstorte oder die Kinderbetreuung sowie eine Traurednerin und ein Fotograf vermittelt. Die Brautpaare können zudem vorher probeessen. Wer länger als bis Mitternacht feiern will, muss dafür einen Aufpreis fürs Personal und die Getränke zahlen. Um 2 Uhr ist Zapfenstreich. Die Feier im historischen Ambiente hat allerdings ihren Preis: Pro Person werden 190 Euro fällig. Ein Feuerwerk ist übrigens untersagt – denn schließlich wird auf dem BASF-Werksgelände gefeiert.
Termin
Die BASF feiert am Samstag, 13. Dezember, von 18.30 Uhr bis 23 Uhr das Jubiläum 125 Jahre Gesellschaftshaus mit einer „Küchenparty“, bei der Sven Feldmamn und sein Team unterstützt von Gastköchen wie Karl-Hermann Franck und Falk Millisterfer den Gästen erlesene Häppchen und Getränke anbieten. Bei der Wein- und Champagner- und Cocktailauswahl berät Sommelier Dennis Liskoskis. Es gibt zudem Live-Musik. Der Ticketpreis beträgt pro Person 199 Euro (inklusive Speisen und Getränke).