Wochenspiegel
Über Tennisbälle, Taxis und Trauriges
Wie nett
Man lernt ja nie aus. Ganz ehrlich: Die Existenz von Milchorangenbäumen war mir bisher nicht bekannt. Hätte mich jemand gefragt, wo die wachsen, hätte ich wahrscheinlich auf ein exotisches Land getippt. Dabei gedeiht der auch Osagedorn genannte Baum, der eine Pflanzenart aus der Gattung der Maclura in der Familie der Maulbeergewächse ist (Google weiß das, hätten Sie’s gewusst?), direkt vor unserer Haustür. Genauer gesagt: auf einer Wiese im ehemaligen Rosengarten des Ebertparks. Von dort hat mir neulich ein Freund ein Bild geschickt. Ein sehr herzliches. Die aus der Ferne Tennisbällen gleichenden Früchte des Milchorangenbaums hat ein Unbekannter oder eine Unbekannte zu einer großen, naturnahen Liebeserklärung geformt. „In Love for you“ – das konnte ich noch entziffern. Aber der Rest? Vielleicht liest der- oder diejenige ja diese Zeilen und kann mich aufklären, was hinter dem formvollendeten Kunstwerk eigentlich steckt. Wie gesagt, ich lerne ja unentwegt dazu und weiß jetzt: Die reifen Früchte duften schwach nach Orangen. Manchmal wiegen sie über ein Kilo. Ob sich daraus auch ein Milchorangensaft pressen lässt?
Wie bitter
Kein Frauennachttaxi für Ludwigshafen. Die Nachricht ist bitter. Ja, die Haushaltslage der Stadt ist desaströs. Ja, ein Angebot neu einzuführen, das es bislang noch nicht gab, ist geradezu utopisch – insbesondere, wenn es dabei um eine sogenannte Freiwillige Leistung geht. Ziemlich blödes Wort übrigens, denn gerade die Freiwilligen Leistungen – Stichwort Kultur und Vereine – machen eine Stadt erst lebenswert. Und „freiwillig“ klingt irgendwie nach „verzichtbar“. Was jedenfalls das Frauennachttaxi betrifft, so hat die Schreiberin dieser Zeilen ein solches Angebot schon vor vielen Jahren als Studentin in Heidelberg genutzt – und sehr zu schätzen gelernt. Wenn man spät abends bei einem Geburtstag eingeladen oder bei einem Konzert im Stadtzentrum war und wieder in die eigene Wohnung im etwas abgelegenen Stadtteil wollte, hat man sich so manchen Gang durch dunkle Straßen vorbei an unheimlichen Ecken und manchmal unheimlichen Personen gespart. Ein tolles Angebot! Bleibt zu hoffen, dass es in Ludwigshafen nur aufgeschoben, nicht aufgehoben ist.
Wie traurig
Als wir von seinem Tod erfahren haben, waren wir in der Redaktion alle schockiert. Hans-Joachim Weinmann ist im Alter von 76 Jahren verstorben. Sein Engagement für die Sache war enorm. Unvergessen sind etwa seine regelmäßigen Hinweise an die Redaktion, wenn der Aufzug am S-Bahnhof Mitte mal wieder nicht funktionierte. Als Behindertenbeauftragter der Stadt war ihm das ein Herzensanliegen. Er wird uns fehlen.