Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Ärger über ungepflegte Kriegsgräber

Zugewachsen: Grabstein.
Zugewachsen: Grabstein.

Auf dem Friesenheimer Friedhof gibt es rund 100 Soldatengräber. Die Grabstätten sind ungepflegt, die Steine verwittert und teils von Efeu überwuchert. Außerdem haben Metalldiebe die Platten mit den Namen der Gefallenen gestohlen. Ein ehemaliger Berufssoldat schlägt deshalb Alarm.

Richard Mattes ist fassungslos. „Es ist undenkbar, wie hier das Andenken von Soldaten beschädigt wird.“ Der ehemalige Berufssoldat ist regelmäßig auf dem Friedhof in Friesenheim zu Gast, wo er das Grab seiner Eltern pflegt. Der Zustand der rund 100 Soldatengräber macht ihn zornig. „Hier wird nichts mehr gemacht. Gar nichts.“

Fast genau ein Jahr ist es her. Am 30. Juli 2020 waren die noch verbliebenen Metallbuchstaben im Friesenheimer Gräberfeld verschwunden. Diebe, die es auf Metall abgesehen haben, waren am Werk. Auf dem Friedhof verblieben waren nur noch Grabplatten auf den Gedenksteinen für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, erkennbar durch die spitze Steinform. Bereits Ende 2019 waren zuvor schon die Metall-Grabplatten von den rund 40 flachen Steinen der Opfer des Zweiten Weltkrieges mit brutaler Gewalt herausgerissen worden.

Geld vom Bund für Pflege

Doch nicht nur deshalb befindet sich die Sonderabteilung des Friesenheimer Friedhofs in keinem guten Zustand. „Für mich ist das nicht erklärbar. Die Kommune erhält doch vom Bund Geld für Erhalt und Pflege der Kriegsgräber“, ärgert sich Mattes beim Ortstermin. Eigentlich hätte laut Mattes ein Mitglied der Ortsverwaltung dabei sein sollen. Doch Ortsvorsteher Günther Henkel (SPD) befindet sich in Urlaub, seinen Stellvertretern sei der Termin nicht bekannt gewesen, hieß es auf Nachfrage.

Tatsächlich fließt für die Pflege der Kriegsgräber Geld. Der Bund stellt den Ländern den Zuschuss zur Verfügung, von dort wird er weiterverteilt. „Ludwigshafen hat 2020 für die Pflege der zirka 2000 Kriegsgräber rund 55.000 Euro erhalten“, informierte die Friedhofsverwaltung auf Anfrage. Geld, das vor allem für die Pflege der Fläche, insgesamt rund 6000 Quadratmeter, gedacht sei.

Volksbund fassungslos

Zu sehen ist davon zumindest in Friesenheim nichts. Von Efeu überwuchert sind die Gedenksteine aus dem Ersten Weltkrieg, der Rasen davor ungemäht. Die flachen Steine des Zweiten Weltkrieges sind nicht nur teilweise gesprungen, sondern liegen auch nicht mehr in Formation. „Ich habe da an den Wochenenden schon Kinder spielen sehen, die über die Steine springen“, erzählt Mattes, der am liebsten einen Zaun um die Sonderfläche ziehen würde.

Auch Guido Maier vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist fassungslos über den Zustand der Gräber. „Dem Personal vor Ort mache ich keinen Vorwurf“, sagt er. „Ich schiebe den Zustand eher auf ein Desinteresse der Verwaltung an diesem Teil der Geschichte und den Männern, die für ihr Land gestorben sind.“ Dabei verweist er auch auf einen ungepflegten Sandstein in Erinnerung an die Toten im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71.

Nicht nur Friesenheim betroffen

Der Diebstahl der Metallplatten von den Gräbern ist kein Friesenheimer Phänomen. Auch auf dem Hauptfriedhof wurde das Material von Metalldieben bereits entwendet. Dabei wurden auch Betonsteine beschädigt. Die Urnenwände wurden deshalb eingezäunt. Rein technisch wäre der Ersatz für die fehlenden Namen kein Problem. Die Namen der Gefallenen sind in einem Verzeichnis erfasst. Aber der Diebstahl war zunächst Gegenstand polizeilicher Ermittlungen. Diese seien abgewartet worden, informierte die Verwaltung.

Ende Juni sei das Verfahren ergebnislos eingestellt worden. Nun könnte die Verwaltung nach eigenen Angaben aktiv werden. „Es wird nach einer pietätvollen Alternative für die entwendeten Metallplatten gesucht“, so die Verwaltung. Ungeklärt sei auch noch die Frage der Finanzierung. „Allein für die Sanierung der Steine auf dem Hauptfriedhof gibt es eine Kostenschätzung von 170.000 Euro.“

Ortsvorsteher sichert Hilfe zu

Für Friesenheim gibt es noch nicht einmal eine Schätzung. Klar sei aber: „Für die Sanierung dürfen keine Friedhofsgebühren verwendet werden.“ Aus welchem Topf die Kriegsgräber hergerichtet werden, müsse deshalb noch geklärt werden. Zumindest ein Rasenmäher und eine Heckenschere für das Efeu sollte aber finanzierbar sein, sagt Mattes. Außerdem habe ihm der Ortsvorsteher zugesichert, dass er sich nach seinem Urlaub auf die Suche nach Spendern und Sponsoren für die Pflege dieses besonderen Orts der Erinnerung machen werde.

Zerborsten: Soldatengrab.
Zerborsten: Soldatengrab.
Von Flechten überwuchert: Gedenkstein für die Gefallenen im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71.
Von Flechten überwuchert: Gedenkstein für die Gefallenen im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71.
Geklaut: Metallplatten.
Geklaut: Metallplatten.
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