Ludwigshafen BASF-Werksfahrräder: Nur für den Dienstgebrauch
13.000 rote Fahrräder stellt die BASF ihren Mitarbeitern zur Fortbewegung im Werk zur Verfügung.
Wer morgens oder am frühen Abend an den Werkstoren den Pendlerverkehr in die BASF beobachtet, sieht schnell rot: Etwa zwölf Prozent der knapp 40.000 Mitarbeiter im Stammwerk fahren mit dem Rad zur Arbeit. Und viele der rund 5000 radelnden Aniliner sitzen auf einem roten Werksfahrrad. Eigentlich dürfen sie aus versicherungsrechtlichen Gründen nur für Dienstfahrten benutzt werden. Das Pendeln zwischen Arbeitsplatz und Wohnort zählt nicht als Dienstfahrt. Aber wirklich kontrolliert wird das nicht. Werksfahrräder gibt es seit fast 100 Jahren in Ludwigshafen. Im Unternehmensarchiv findet sich ein Eintrag von 1921, der eine einheitliche Farbgebung vorschreibt. „Damals wurden die Fahrräder orangefarben lackiert, damit sie als BASF-Eigentum kenntlich waren“, sagt eine Unternehmenssprecherin. Die Signalfarbe wurde später durch das auffällige leuchtende Rot ersetzt, bei dem es bis heute geblieben ist. Die Räder sind überall in Ludwigshafen zu sehen: An öffentlichen Fahrradständern in der City und vor vielen Eigenheimen in den Stadtteilen.
15,4 Kilometer Radwege in der Anilin
Jeder Aniliner kann sich an seinen Betriebschef wenden, um ein Werksfahrrad zu beantragen. „Wenn es aus dienstlichen Gründen notwendig ist, erhalten die Mitarbeiter dann ein Dienstfahrrad. Das Unternehmen kommt für den Unterhalt und die Wartung auf“, teilt der Konzern auf Nachfrage mit. Rund 13.000 Werksfahrräder gibt es derzeit. Eigentlich sollten die Räder den Mitarbeitern ursprünglich dabei helfen, die großen Distanzen zwischen den Betrieben im größten Chemiewerk der Welt schnell zu überbrücken. In der BASF gibt es in Ludwigshafen rund 2000 Gebäude auf einer Fläche von über zehn Quadratkilometern. Vom südlichsten Punkt des Werksgeländes bis zum nördlichsten Zipfel ist eine Entfernung von rund 5,4 Kilometern zurückzulegen. Radwege stehen vor allem entlang der Hauptverkehrsachsen im Werk zur Verfügung. Insgesamt gibt es auf 15,4 Kilometern Radwege in der Anilin.
Werkbus als Verkehrsmittel Nummer Eins
Doch der Verkehr im Werk nimmt stetig zu. Deshalb setzt der Konzern auch Buslinien ein und für die Pendler von außerhalb gibt es drei Bahnhöfe in der BASF. Ende vergangenen Jahres ist das Werk an die S-Bahn Rhein-Neckar angeschlossen worden. Die Elektrifizierung hat 40 Millionen gekostet. Radler passen mittlerweile immer weniger ins Verkehrskonzept und sind eher als Ergänzung gedacht. „Die Mobilität am Standort Ludwigshafen zielt auf eine Verringerung des Individualverkehrs ab. Dadurch sollen Straßen entlastet werden, um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer zu erhöhen und um eine reibungslose Abwicklung des Güterverkehrs zu ermöglichen“, sagt eine Konzern-Sprecherin. Der Werkbus sei das Verkehrsmittel Nummer eins. Die Busse fahren auf drei Hauptlinien im 10-Minuten-Takt und auf drei Ergänzungslinien im 20-Minuten-Takt zwischen 4.30 und 19.30 Uhr, auch an Wochenenden und Feiertagen. Außerdem gibt es Betriebsautos, die zum Teil in Carpools genutzt werden können. Und es gibt Vans, die von Mitarbeitern und Gästen für Fahrten auf dem BASF-Gelände geordert werden können – wie eine Art Sammeltaxi. Bestellt wird der Transporter über eine App. Fahrräder dienten nur der Ergänzung, so der Konzern.
Es herrscht Helmpflicht im Werk
Hat das Werksfahrrad deshalb bald ausgedient? Es sieht nicht danach aus. Die BASF hat den Auftrag für die Radflotte gerade wieder ausgeschrieben. Die 13.000 Räder werden immer wieder erneuert. Und mittlerweile 500 Pedelecs (Räder mit E-Motor) ersetzen alte Werk-Mofas und Roller. Unter dem rotlackierten Fahrradrahmen steckt meistens auch ein Markenname. Es handelt sich überwiegend um einfache Fahrräder, ohne Multigangschaltung oder Federgabeln. Wie im Rest des Werks wird auch bei den Rädern Sicherheit großgeschrieben: Es herrscht Helmpflicht für die radelnden Aniliner in der BASF. Den Kopfschutz stellt der Konzern zur Verfügung. Die Helmpflicht für die Benutzer der Dienstfahrräder gilt übrigens auch außerhalb der Werkstore. Dort befindet sich mittlerweile auch die Fahrradwerkstatt. Früher wartete der Konzern die Drahtesel im Stammwerk selbst. Mittlerweile ist für die Wartung und Reparatur ein externer Reparaturservice zuständig. Kleinteile wie Klingeln, Beleuchtung und Flickzeug sind aber weiterhin direkt im Werk verfügbar.