Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel „Adler-Streit“: Ruchheimer Kirchengemeinde bietet Stadt die Stirn

1895 wurde das Denkmal errichtet. Es steht neben der protestantischen Kirche in Ruchheim in der Fußgönheimer Straße.
1895 wurde das Denkmal errichtet. Es steht neben der protestantischen Kirche in Ruchheim in der Fußgönheimer Straße.

Vor zwei Monaten hat Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) verkündet, dass die Adlerfigur wieder auf das Denkmal neben der protestantischen Kirche in Ruchheim gesetzt werden soll. Doch wann genau, ist bislang unklar.

Die Stadt hatte bereits vor mehreren Wochen ein Schreiben an die Kirchengemeinde gesendet. Darin bat sie um die Erlaubnis, das Grundstück betreten und den Adler auf das Denkmal setzen zu dürfen. Eine Erlaubnis hatte die Kirchengemeinde zum damaligen Zeitpunkt nicht erteilt. Das bestätigt ein Sprecher der Stadtverwaltung auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Ebenso bestätigt er den nächsten Schritt: Die Stadt hat im Anschluss an die Absage angekündigt, einen Bescheid zu versenden. Diesem muss die Kirchengemeinde Folge leisten und den Zutritt gewähren. Alternativ kann sie Rechtsmittel dagegen einlegen.

Adler gehört zu Denkmal

Nicht nur der Adler soll wieder auf seinen Platz. Die Stadt hatte der evangelischen Kirchengemeinde eigenen Angaben zufolge Mitte September den Vorschlag unterbreitet, eine Hinweistafel am Denkmal anzubringen. Diese könnte zusammen mit Historikern des Stadtarchivs und in Abstimmung mit Vertretern der Kirche entworfen werden und „den Zugang zur Bedeutung des Denkmals aus heutiger Sicht erleichtern“, so Steinruck gegenüber der RHEINPFALZ bereits im Oktober. Die Oberbürgermeisterin hatte am 10. September in einer Sitzung des Ortsbeirats Ruchheim gesagt, dass der Adler historisch gesehen „untrennbar zum Denkmal“ gehöre. Das Denkmal erinnert an die Ruchheimer Teilnehmer des Deutsch-Französischen Kriegs. Nachdem die Adlerfigur vor einigen Jahren heruntergefallen und kaputtgegangen war, hatte der Freundeskreis für Heimat- und Denkmalpflege eine Replik des Vogels anfertigen lassen. Die protestantische Kirchengemeinde um Pfarrerin Christine Dietrich wollte die Figur nicht wieder aufs Denkmal setzen lassen, weil es ihrer Meinung zufolge kriegsverherrlichend sei. Nach Gesprächen mit beiden Seiten hat Jutta Steinruck ihre Entscheidung getroffen. Der „Adler-Streit“ habe das Leben im Stadtteil beeinflusst, sagte Steinruck. Nun soll Ruhe einkehren.

Pfarrerin Dietrich nicht mehr tätig

Hubert Manz vom Freundeskreis für Heimat- und Denkmalpflege begrüßt die Entscheidung und sagt: „Von unserer Seite ist die Sache erledigt.“ Nun liege es in den Händen der Stadt, „wann die Maßnahme in Angriff genommen wird“. Für die Entscheidungen der Ruchheimer Kirchengemeinde ist neuerdings Dekanin Barbara Kohlstruck zuständig. Wie berichtet, ist Pfarrerin Dietrich seit 1. November nicht mehr in Ludwigshafen tätig.

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