Landau
Zwei Touren-Tipps für die Südpfalz: Radeln über den Reben
In den kommenden Tagen soll das Wetter – und das ist ja schon außergewöhnlich für November – trocken, mild und recht freundlich werden. Wer also Zeit hat, sollte sich aufs Rad schwingen. Es gibt schließlich wunderschöne Strecken in der Region. Hier also zwei Touren-Tipps.
Der Einfachheit halber nehmen wir Landau als Startpunkt. Bis es allerdings so richtig idyllisch wird, müssen wir erst eine Transferstrecke meistern, aber man muss ja schließlich auch warm werden. Also geht es raus aus der Stadt über Arzheim nach Godramstein. Von dort aus fahren wir durch Siebeldingen, Albersweiler und Queichhambach nach Annweiler. Es geht kerzengerade durch die Stadt, über Sarnstall bis nach Rinnthal.
Büffel an der Strecke
Geschafft. Jetzt beginnt der wunderbare Teil des Rundkurses. Kurz vor der Auffahrt zur Bundesstraße beziehungsweise der Ausfahrt in Richtung Wellbachtal folgen wir dem Radweg. Wir fahren durch eine Unterführung der B10, und schon sind wir in einem Naturparadies. Entlang des Waldes schlängelt sich der Radweg in Richtung Wilgartswiesen. Vorbei geht es an einer Prärie-ähnlichen Landschaft, die als Kulisse für einen Western dienen könnte, hier grasen sogar Wasserbüffel. Gut, die Bundesstraße im Hintergrund muss man sich wegdenken. Aber auf dem Rad kann man ja so einiges vergessen.
Es geht schnurstracks durch Wilgartswiesen Richtung Hermersbergerhof. Aber Achtung: Hier wartet eine Rampe, die es in sich hat. Nach der Brücke über die Bundesstraße geht es hinauf zur höchst gelegenen Wohnsiedlung der Pfalz mit Steigungen von bis zu 14 Prozent – aber nur auf den ersten Metern. Tipp: nicht aus der Ruhe bringen lassen, den kleinsten Gang einlegen, nach der ersten Spitzkehre entspannt sich die Lage. Dann wellt es hinauf zum Hermersbergerhof.
Durch den magischen Wald
Wer oben angekommen ist, kann sich auf den wohl magischsten Teil der Strecke freuen. Es geht mitten durch den Wald, recht flach, in der Richtung der L496, die zwischen Leimen und dem Anschluss zur B48 verläuft. Hier ist zumindest während der Woche kaum Verkehr, man wartet eigentlich nur darauf, dass einem ein Einhorn begegnet. Dann ist die Romantik aber für eine Zeit vorbei. Man muss über die L496 ins Wellbachtal und dann hinunter Richtung Rinnthal fahren. Man sollte die Tour daher nur während der Woche machen außerhalb des Berufsverkehrs. Immer Licht ans Rad, sichtbare Kleidung, dann geht das aber. Wer noch einkehren möchte, dem sei das Forsthaus Annweiler ans Herz gelegt. Dorthin geht es zwar noch mal heftig drei Kilometer bergauf. Aber es lohnt sich. Tolles Essen. Tolles Ambiente. Und wer danach wieder in Annweiler ist, der weiß ja, wie er zurückkommt.
Unter Rennradfahrern ist diese Strecke ein Klassiker, sie ist aber auch mit dem E-Bike gut zu schaffen. Die Rede ist von den „großen Vier“: Kalmit, Lolosruhe, Drei Buchen, Taubensuhl. Los geht es wieder in Landau. Wir radeln hinauf nach Nußdorf, von dort aus schlängeln wir uns zur Weinstraße in Hainfeld über Böchingen und Flemlingen. Immer entlang der Reben geht es über Rhodt und Edenkoben schließlich nach Maikammer.
Langsam mit dem Bierchen
Hier beginnt ein wenig Leid – mit der Aussicht auf große Glücksgefühle. Es geht hinauf zur höchsten Erhebung der Südpfalz, es geht hinauf zur Kalmit. Die Strecke ist rund sieben Kilometer lang und im Schnitt fast sieben Prozent steil. Wer es über die Kuppe der Straße geschafft hat und sich auf die Abfahrt begibt, kann stolz sein. Über Sankt Martin geht es dann wieder zurück nach Edenkoben. Und hier steht der nächste Anstieg bevor.
Es geht ins malerische Edenkobener Tal. Nach rund drei Kilometern wartet die erste Einkehrmöglichkeit: der Hüttenbrunnen. Hier kann die Radlerkehle gekühlt werden. Aber langsam mit dem Bier. Es warten noch einige Höhenmeter. Also hinauf zur Lolosruhe. Einmal durchatmen. Und dann geht es wieder runter vorbei am Forsthaus Heldenstein zum Modenbacher Hof. Wenige Meter danach gabelt sich die Straße, wo links und rechts Pferde grasen.
Des Kanzlers Käsekuchen
Es geht hinauf zu Drei Buchen. Ein kurzer, knackiger Anstieg. Oben wartet die nächste Wirtschaft. Ihr Name: Drei Buchen. Was sonst. Tolle Gaststätte. Tolle Bratwürste. An Wochenende ein Menschenmagnet. Und dann geht es schon weiter hinab nach Ramberg und Dernbach. Eine steile Abfahrt. Es rollt jetzt. Wunderbar. Nach einigen Kilometern biegen wir wieder ab. Nach Eußerthal. Hier beginnt der letzte Anstieg der Tour. Es geht hinauf zum Taubensuhl.
Rund fünf Kilometer müssen wir hinter uns bringen. Der Abschnitt ist unregelmäßig, aber wunderschön. Zu Beginn des Anstiegs kommt eine breite Kurve, fast wie bei einem Alpenpass. Es geht weiter bergan. Dann noch mal ein Flachstück. Durchatmen vor der letzten Rampe. Jetzt ist es geschafft. Man rollt noch ein paar Hundert Meter bis zum Forsthaus. Einst eine beliebte Gaststätte, in der Bundeskanzler Helmut Kohl Käsekuchen aß. Sie ist inzwischen geschlossen. Wie schade. Was wäre das für ein Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen. Immerhin wartet schräg gegenüber ein Brunnen, an dem man seine Trinkflaschen auffüllen kann. Den Rückweg findet man automatisch. Ganz sicher. Der Taubensuhl ist eine Sackgasse. Aber eine schöne. Vor allem für Radfahrer.