Landau Zur Sache: Nutzen des Kastanienbaums

Nicht nur die Kastanie, auch das Holz des Baumes wurde in der Pfalz wirtschaftlich genutzt. Der Kronberger Kastanienexperte Volker A. Bouffier beschreibt, dass das Holz der Edelkastanie in der Vorderpfalz nicht nur als Pfahlholz in den Weinbergen („Kammertbau“) und zum Bau von Weinfässern verarbeitet wurde, sondern auch zur Gewinnung von Gerbsäure. Auch Ulla Falke, pensionierte deutsche Museumsleiterin im französischen Kastanienmuseum mit verwandtschaftlichen Bezügen zur Pfalz, weiß um den damaligen wirtschaftlichen Nutzen. „Anfang des 20. Jahrhunderts wird das Tannin im Holz der Edelkastanie als bester Gerbstoff in der Lederproduktion entdeckt, und es entwickelt sich eine blühende Industrie. Der ,Brotbaum’ wird zum ,Tanninbaum’, und für die Eigentümer war es wesentlich rentabler die Bäume zur Tanningewinnung abzuholzen, als sie wegen ihrer Früchte zu kultivieren. Das langsame Ende kam durch die Entdeckung des synthetischen Tannins Ende der 40-er Jahre. Dieses Tannin war preiswerter und verdrängte die natürliche Gewinnung: Die letzte Tannin-Fabrik der alten Tradition schloss 1962.“
