Landau
Zurück von der Pfadfinder-Weltreise: 25 Länder in zwölf Monaten
Tausende Kilometer fuhr die Familie nach Osten, machten dann den Bogen nach Südamerika und schließlich nach Kanada. Vor Kurzem kamen die Weltenbummler zurück in die heimische Pfalz. Zurück in den ganz normalen Alltag.
Für Sebastian Schmitt und seine Frau Anna-Lena stand der Trip gut vier Jahre lang im Fokus. „Die Idee hatten wir noch früher. Die ernsthafte Planung und Vorbereitung hat drei Jahre gedauert. Nicht zuletzt die rund 1600 Stunden, in denen wir unser Feuerwehrauto zu einem Expeditionsmobil umgebaut haben.“
Dazu kam nun das Jahr, das die beiden mit ihrem jungen Kind auf Achse verbracht haben. Wie fühlt es sich an, dieses Megaprojekt nun im Rückspiegel zu sehen? „Ich kenne es im Kleineren aus meiner Arbeit als Projektmanager“, erklärt Schmitt. „Diese Leere danach. Am Ende ist plötzlich alles so still. Dann musst du resetten, mit etwas Neuem um die Ecke kommen.“ Er komme mit einem Rucksack voll neuer Freundschaften, Erinnerungen und Erlebnissen zurück.
Austausch zwischen den Pfadfindergruppen
Beim letzten Gespräch mit der RHEINPFALZ waren die Schmitts gerade an der Grenze zwischen Kambodscha und Thailand angekommen. Zuvor waren sie unter anderem durch die Türkei, Russland und China gefahren. Dabei hatten sie auf dem Weg immer wieder Zwischenstopps bei lokalen Pfadfindergruppen gemacht, Workshops veranstaltet und den interkulturellen Austausch zelebriert. Für jeden Besuch erstellten die beiden ein Video sowie Lehrmaterial für andere Pfadfinder-Gruppenleiter. Ihr Ziel ist es, dass die verschiedenen Ländergruppen einander kennenlernen und so ihren Beitrag zur Völkerverständigung leisten.
Das Weihnachtsfest verbrachte die Familie in einem Pfadfinder-Camp in Malaysia. Der Feiertag hat in dem muslimisch geprägten Land keine große Bedeutung. Die Landauer nahmen sich an diesen Tagen einen seltenen Moment des Rückzugs: „Wir haben unseren Truck an einem Fluss in der Nähe des Dschungels geparkt und zusammen das frohe Fest gefeiert“, erinnert sich Schmitt.
Planänderung: Letzte Etappe ohne Frau und Kind
Nach einem Stopp beim Büro der Weltpfadfinderorganisation in Kuala Lumpur gab es am Anfang des neuen Jahres dann eine Zäsur: Das Expeditionsmobil wurde mit einem Frachter zurück nach Deutschland geschickt. Anna-Lena Schmitt und ihr Kind machten sich ebenfalls früher als geplant auf den Weg nach Hause. Der Grund: Der Reiseabschnitt Asien hatte deutlich länger gedauert als gedacht. Um noch möglichst viele Stationen in Süd- und Nordamerika zu erreichen, entschloss sich das Paar, auf eine lange Schifffahrt von Asien nach Südamerika zu verzichten. Stattdessen würde Sebastian Schmitt, begleitet von anderen Pfadfindern das Abenteuer abschließen.
Die Länder Chile, Argentinien, Bolivien, Panama und Costa Rica bereiste er mit dem Bus. In Erinnerung bleibt ihm die Überquerung der Anden in einem Reisebus. Aber auch die wirtschaftlichen Probleme in Argentinien und Bolivien, die jederzeit sichtbar waren. „Es mangelt an vielem. Die Leute müssen beispielsweise viele Stunden für Benzin anstehen, weil es kaum Treibstoff gibt.“
In Panama kam dann der gefährlichste Moment der Reise: Schmitt und ein Begleiter wurden ausgeraubt. Er verlor sein Handy, seine Kamera, Geld und auch seinen Reisepass. Doch Schmitt hatte Glück im Unglück: „Es ging letztlich glimpflich aus: Die Pfadfindergruppe, bei der wir zu Gast waren, konnte uns schnell mit allem helfen.“
Außerdem waren wir in der Nähe der Landeshauptstadt und damit der deutschen Botschaft, sodass wir innerhalb von Stunden Ersatzpapiere in der Hand hatten.“ „Wir haben die Welt bereist und letztlich ist sowas auch ein Teil dieser Welt. Glücklicherweise wurde niemand verletzt – das ist das Wichtigste“, sagt Schmitt.
Freundlichkeit und Menschlichkeit überall
Nach einem letzten Zwischenhalt in Kanada kehrte Schmitt nach einem Jahr nach Landau zurück. Frau und Kind konnte er nach zwei Monaten Trennung wieder in die Arme schließen. Die Nachbereitung des Projekts ist noch nicht ganz abgeschlossen. Die offiziell letzte Etappe war ein Pfadfindertreffen in Deutschland mit 4000 Teilnehmern.
Nach 25.000 Kilometern und 25 besuchten Ländern bleibt für Sebastian Schmitt vor allem eines stehen: „Die Freundlichkeit und Menschlichkeit, mit denen uns fast überall begegnet wurde. Auf der direkten, menschlichen Ebene hat es überall funktioniert.“