Landau
Workshop zum Thema Grundrechte im Landauer Haus am Westbahnhof
Man nehme Menschen aus 13 verschiedenen Nationen, packe etwas Zitronen-Minze-Wasser und Kaffee dazu, teile sie in Gruppen ein und lasse sie jeweils über ein anderes Grundrecht diskutieren. Das Ergebnis des Grundrechte-Workshops im Landauer Haus am Westbahnhof ist ein Kalender, in dem zwölf Grundrechte und ihre Bedeutung für jeden Einzelnen vorgestellt werden.
Ein Stuhlkreis, eine Vorstellungsrunde und die Gestaltung eines Plakats in Gruppenarbeit. Das ähnelt einer Unterrichtsstunde in der Schule. Für manche Teilnehmer des Grundrechte-Workshops an zwei Tagen ist diese schon lange her. Für andere ist das noch durchaus präsent.
Ob jung, alt, schwarz, weiß oder Rollstuhlfahrer, die 16 Teilnehmer des zweiten Kurses könnten unterschiedlicher nicht sein. Togo, Eritrea, Afghanistan, Frankreich, Vietnam und Sri Lanka sind nur einige Nationen, die beim Workshop vertreten sind. Und doch vereint sie eine Sache: Sie leben in Deutschland – und leben nach dem Grundgesetz. Deshalb wollen die Migranten dieses genauer kennenlernen oder anderen näherbringen. Der Workshop geht Fragen nach. Demokratie? Toleranz? Respekt? Welche Bedeutung haben die Grundrechte für mich?
Landestypische Vorstellungsrunden
Es beginnt in einem Stuhlkreis. Wobei es mehr ein U ist. In der Öffnung steht ein Plakat. Dort sind Wörter zu lesen wie: karibu (Suaheli), chào mù’ng (Vietnamesisch) und soo dhawow (Somali). Jeder Teilnehmer hat in seiner Landessprache „Herzlich willkommen“ geschrieben. Doch nicht nur die Muttersprachen der Teilnehmer, sondern auch die Begrüßungsformen unterscheiden sich. Moderatorin Petra Baumgärtner fordert dazu auf, sich landestypisch zu begrüßen und vorzustellen. Von Zuwinken über Handschütteln und Verbeugen bis hin zu Umarmen ist alles dabei. Die Teilnehmer kommen gleich ins Gespräch. „Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein“, gibt Baumgärtner als Motto des Workshops aus.
Jeder Teilnehmer hat ein Namensschild. Unter dem Namen stehen unterschiedliche Städte wie Berlin, Karlsruhe, Hambach, Landau und Koblenz. Diese sollen alle im entfernten Sinne mit dem Grundgesetz zu tun haben und dienen zur Gruppeneinteilung. Fotos macht ein Fotograf aus Afghanistan.
Am Ende gibt’s einen Kalender
In den Gruppen werden die einzelnen Grundrechte behandelt. Dabei sind unter anderem Artikel 1 (Schutz der Menschenwürde), Artikel 5 (Presse-/Meinungsfreiheit) und Artikel 16 a (Recht auf Asyl). Eine Familie aus Afghanistan behandelt gemeinsam mit einer Moderatorin Artikel 10 (Brief- und Postgeheimnis). Auf dem Plakat sollen Bedeutung, Rechte und Pflichten dieses Grundrechts ausgearbeitet werden. Der Vater der Familie bringt viele Ideen ein und hat auch viele Fragen. Auch an den anderen Tischen wird fleißig gearbeitet und diskutiert. Die Rechte sind den Teilnehmern zum Teil bekannt. Viele lernen aber auch Neues. Die Moderatoren der Gruppen sind gut vorbereitet. Das macht es den Teilnehmern einfacher.
Ist die Gruppenarbeit beendet, präsentiert jeder sein Grundrecht und stellt sich den Fragen anderer Teilnehmer. Anschließend machen die Gruppen Termine für die Fotos des jeweiligen Kalenderblatts aus. Den Kalender bekommen die Teilnehmer bei einer Feierstunde Ende des Jahres. „Sie sollen nach dem Workshop auch etwas in der Hand halten können“, sagt Angelika Kemmler, Koordination des ehrenamtlichen Engagements, die das Projekt mit Kim Ingledue, Bildungskoordination für Neuzugewanderte, ins Leben gerufen hat.
Die Idee stammt aus Mainz-Bingen, wo die Ehrenamtskoordination des Bereichs Asyl einen ähnlichen Workshop anbot. Kemmler wollte die Idee zum 70-jährigen Bestehen des Grundgesetzes nach Landau holen und dieses für Zugezogene bekannter machen. „Das Grundgesetz ist das Fundament unseres Zusammenlebens“, sagt sie.
Den Kalender soll es etwa 1000-mal geben. Er soll an Schulen, Einrichtungen und Verwaltungen verteilt werden. Unterstützt wird das Projekt vom Förderprogramm des Landes für Dialogbotschafter.