Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Wollladen „Julaine“: Der Stoff, aus dem Geschäftsideen gestrickt sind

Juliane Bohrer in ihrem Geschäft.
Juliane Bohrer in ihrem Geschäft.

Nein, Juliane Bohrer bereut es nicht, ein Wollgeschäft eröffnet zu haben. Sie stellt sich den Herausforderungen. Mit Ideen. Zu denen auch ein Kinobesuch gehört.

„Immer wenn du bei einem kleinen Unternehmen etwas kaufst, tanzt irgendwo ein echter Mensch einen Freudentanz“, steht groß auf einem der Schaufenster ihres Geschäfts – und spricht für sich. Die Zeiten für den Einzelhandel sind härter, und der Einsatz der Geschäftsinhaberin ist größer geworden. 2017 hat Juliane Bohrer ihr Geschäft in der Marktstraße 29, mitten in der Fußgängerzone von Bad Bergzabern eröffnet. Damals war es für sie ein Sprung ins kalte Wasser, entstanden aus ihrer lebenslangen Liebe zu Wolle und Stoffen. Zuvor hat sie als Übersetzerin in Großstädten gearbeitet. Geboren und aufgewachsen ist sie in Kapellen-Drusweiler. Ihr Hobby machte sie dann in Bad Bergzabern zum Beruf mit dem Woll- und Stoffgeschäft „Julaine“, zusammengesetzt aus ihrem Vornamen Juliane und „laine“, dem französischen Wort für Wolle.

Die ersten Jahre liefen sehr gut. Den Satz: „Und dann kam Corona“ sagt nicht nur Juliane Bohrer. „Es waren damals harte Zeiten“, ist ihre Bilanz heute. 2021 und 2022 musste sie insgesamt 180 Tage schließen, dazu die Tage, an denen jeweils nur ein Kunde in das Geschäft durfte. Aber aufgeben war für die Geschäftsinhaberin keine Option und ist es auch in harten Zeiten nie gewesen.

Bieten, was das Internet nicht bietet

Dass die Fußgängerzone in der Kurstadt inzwischen sehr viele Leerstände aufweist, macht ihr zu schaffen. „Wir haben deswegen weniger Laufkundschaft“, hat Bohrer festgestellt. Und wie überall merkt auch sie, dass die Menschen weniger Geld in der Tasche haben. „Aktuell ist der Umsatz 30 Prozent geringer als vor Corona“, bilanziert die Chefin. Für sie heißt das Mehrarbeit, denn sie musste von zwei Teilzeitkräften und einer Minijobberin auf aktuell zwei Minijobber reduzieren. Dazu kommt, dass im Sommer für Handarbeitsgeschäfte keine Hochzeit ist. Da müsse man den Gürtel etwas enger schnallen, sagt Bohrer.

Qualität, gute Beratung, guter Service und ungewöhnliche oder besondere Aktionen, Dinge, die das Internet nicht bieten kann, sind für sie die Zutaten dafür, dass sie als Einzelhändlerin bestehen kann – und wird. Davon ist sie überzeugt.

Kostenlos gibt es schon mal die Wolle. Nicht zu verschenken, aber zum Anfassen, bevor man sie kaufen möchte oder auch nicht. Und davon fast 7000 Knäuel. „Wir leben von der Haptik, das heißt der Sinneswahrnehmung durch Berührung, das geht im Internet nicht“, sagt die Geschäftsfrau. Und Baumwolle fühlt sich anders an als Schafwolle oder Seide oder der neueste Trend, Wolle aus Brennnessel- oder Ananasfasern.

Auch Nähkurse für Kinder

Ein Strick-Influencer wird demnächst einen Workshop bei Julaine anbieten. Thorsten Duit folgen nicht wenige auf Instagram oder auf seinen Strickreisen. Einmal im Monat treffen sich Strick- oder Häkelbegeisterte samstags zum Handarbeitsnachmittag bei Julaine und zweimal wöchentlich wird ein Strickabend angeboten. Zudem Nähkurse für Kinder ab acht Jahren. „Wir machen auch regelmäßige Posts auf Instagram oder Facebook, aber da wollen wir noch mehr machen“, kündigt Bohrer an.

Die von ihrer Kinoaktion vor wenigen Wochen jetzt noch begeistert ist. Die Idee, das sich Menschen mit ihrer Handarbeit im Kino treffen, zusammen einen Film ansehen und dabei stricken oder häkeln, habe sie aus Österreich. Sie habe in der Filmwelt Landau reserviert und tatsächlich seien rund 70 Interessierte aus der ganzen Südpfalz gekommen, die beim Sektchen zu Beginn des Events schnell ins Gespräch gekommen seien, erzählt Bohrer. „Der Salzpfad“ sei bei der Fertigung von Socken, Pullovern oder Mützen gezeigt worden, das Licht sei ein bisschen heller gewesen als üblich. „Wir hatten vom Geschäft auch Wolle und Nadeln zum Ausprobieren dabei, die Schweizer Firma Langyarus hat uns Goodie Bags zum Mitnehmen gesponsert mit Materialien für ein kleines Tuch.“ Das Ziel, interessant für neue Kundschaft zu sein, sieht Bohrer schon dadurch erreicht, dass es viele Nachfragen für eine Wiederholung des Kinostrickens gibt.

Sie ist nach wie vor begeistert vom „tollen Produkt Wolle“. „Ich habe eine wunderbare Kundschaft, und es ist genau das, was ich machen möchte“, ist trotz aller Herausforderungen die Bilanz der Chefin. Die sich durchaus im Klaren darüber ist, dass das Internet nach wie vor eine Rolle spielen wird, und beim Einzelhandel, der ihrer Meinung nach immer seine Berechtigung haben wird, daher besondere Kreativität gefragt ist. Anbieten, was das Internet nicht anbieten kann, ist Bohrers Devise. „Mit Lust in Wolle fassen geht im Internet nicht“, sagt sie lachend. Sie schaue positiv in die Zukunft. „Ich bin hier glücklich, würde aber zu einigen Kunden mehr auch nicht nein sagen“, sagt Bohrer.

Im Netz

www.julaine.de

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