Landau Wohin, wenn’s dringend wird?

Sie haben keine Zeit zu verlieren. Eilig steuern Mutter und Tochter über den Bahnhofsvorplatz in Landau auf den Service-Pavillon zu. Hastig durchsucht die Mutter ihr Portemonnaie, wirft eine Münze in den Schlitz neben der Toilettentür und die Tochter eilt ins Innere des wohnwagengroßen Metallkastens. Während die Mutter wartet, reiht sich ein älterer Mann ein, stellt seinen Rollkoffer senkrecht und kramt geduldig nach einer Zeitung. Erst im April wurde das Toilettenhäuschen auf dem Bahnhofsvorplatz in Betrieb genommen. Genutzt wird es seitdem wohl vorwiegend von Personen, die gerade am Bahnhof angekommen sind oder auf den nächsten Zug warten. An der Außenwand hängen Infos und Werbung, an der Vorderseite ist ein Geldautomat eingelassen. Der Service-Pavillon ist eine von zwei Toilettenanlagen in Landau. Die zweite befindet sich am Rathaus, Ecke Waffenstraße/Langstraße. Laut Stadtverwaltung sind die beiden Anlagen ausreichend. „Die Standorte an zwei zentralen Punkten in der Stadt sind gut gewählt“, findet Michael Niedermeier, Leiter der städtischen Pressestelle. Außerdem stünden im Erdgeschoss des Rathauses weitere öffentlich zugängliche Toiletten bereit – allerdings nur dann, wenn das Rathaus geöffnet ist. Weitere öffentliche Toiletten seien nicht geplant, teilt Niedermeier mit. „Es gibt auch keine Forderungen von Bürgern nach mehr öffentlichen WCs.“ 50 Cent kostet die Benutzung der öffentlichen Toiletten in Landau – die jeweils integrierten Behindertentoiletten lassen sich mit einem Spezialschlüssel kostenlos öffnen. Während der Stadt für die Toilette am Bahnhof noch keine Zahlen vorliegen, belaufen sich die Einnahmen für die Nutzung des WCs am Rathaus im Schnitt auf jährlich rund 2300 Euro. Dem stehen Ausgaben von etwa 20.000 Euro gegenüber: Für Reinigung und Schließdienst – die Toilettenanlage ist zwischen 19 und 7 Uhr geschlossen – beauftragt die Stadt eine Firma. Für die Anlage am Bahnhof rechnet das Rathaus mit jährlichen Kosten von rund 20.400 Euro. Auch hier kümmert sich eine Firma um Wartung und Reinigung. Zusätzliche Kosten verursachen Beschädigungen durch Vandalismus, die laut Niedermeier bei der Anlage am Rathaus „in regelmäßigen Abständen“ vorkommen. Der Service-Pavillon am Bahnhof blieb bisher von Zerstörungswut verschont. Vandalismus setzt auch den öffentlichen WCs in Bad Bergzabern zu. „Hauptsächlich an der Toilettenanlage am Bahnhof“, schildert Christian Müller. „Dort ist deswegen derzeit auch die Damen-Toilette außer Betrieb.“ Der Leiter der Stadtwerke ist erst seit Kurzem gewissermaßen Herr über die Bergzaberner Toiletten. Zuvor lagen diese im Aufgabenbereich des Gartenamts. Vier öffentliche Toiletten zählt Müller auf: im Haus des Gastes, im Kurpark, am Bahnhof und im Alten Rathaus in der Stadtmitte, wobei letztgenannte die neueste und als einzige behindertengerecht ist. Die Toilette im Alten Rathaus ist auch die einzige kostenpflichtige in Bad Bergzabern. Wer sich erleichtern will, muss wie in Landau 50 Cent bezahlen, wodurch laut Müller jährlich circa 3000 Euro zusammenkommen. Anders als in Landau kümmert sich die Stadt selbst um Reinigung und Wartung der stillen Örtchen. Doch auch das kostet: Auf 25.000 Euro taxiert Müller die jährlichen Ausgaben – Vandalismus nicht eingerechnet. Einen Sonderfall stellt die Toilette im Kurpark dar: Sie wird von den Gästen eines Biergartens mitgenutzt, dessen Betreiber die Reinigung übernimmt. Doch was passiert, wenn die öffentlichen Toiletten in den Abendstunden schließen – wie es in Bad Bergzabern der Fall ist – und die Not schnell ganz groß wird? Müssen dann Restaurant- und Kneipenbesitzer ihre Toiletten öffnen? Mike Mezger, Pressesprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Rheinland-Pfalz, klärt auf: „Gaststätten sind keine öffentlichen Toiletten. Nach dem Landesrecht Rheinland-Pfalz ist kein Gastronom verpflichtet, Nicht-Gästen die Toilette zur Verfügung zu stellen.“ Anders sieht es aus, wenn sich Gemeinden und Gastronomen an der deutschlandweiten Initiative „Nette Toilette“ beteiligen. Die Idee dahinter: Gastronomen stellen ihre sanitären Anlagen nicht nur ihren Gästen, sondern auch Passanten zur Verfügung und machen dies mit einem Aufkleber am Eingang deutlich. Damit entlasten sie Städte und Gemeinden, im Gegenzug zahlen diese ihnen einen monatlichen Zuschuss. Im Gegensatz zu Landau, wo zwar über das Konzept nachgedacht, dieses jedoch nie umgesetzt wurde, fand die Initiative in Bad Bergzabern zunächst regen Zuspruch. Heute beteiligen sich laut Müller noch sechs Gaststätten, für die Bereitstellung der Toiletten zahlt die Stadt bis zu 250 Euro. Doch so recht scheint das Konzept nicht aufzugehen. Kaum ein beteiligter Gastronom wirbt noch mit einem „Nette Toilette“-Aufkleber. Auf der Webseite der Initiative und in der dazugehörigen Smartphone-App ist Bad Bergzabern zwar noch als Lizenznehmer eingetragen, die Namen der beteiligten Gaststätten sucht man jedoch vergebens. Vom Tourismusverein Südliche Weinstraße ist zu hören, dass die „Nette Toilette“-Flugblätter künftig nicht mehr aufgelegt werden. Doch zumindest Maria Pola, Mitinhaberin der gleichnamigen Eisdiele im Böhämmerweg, kann diesen Eindruck nicht bestätigen. „Klar haben wir den Aufkleber an der Tür“, sagt sie. „Ich habe auch nicht das Gefühl, dass das nicht läuft.“ Wie viele Passanten die Toilette tatsächlich nutzen, könne sie aber nicht genau sagen. „Ich weiß ja nicht, wie viele eigentlich nur auf die Toilette wollten und dann doch ein Eis gekauft haben.“