Landau Wochenspiegel:

Bei herrlichem Frühsommerwetter – Sonne pur und milden Temperaturen – wurde gestern die Landesgartenschau – noch nicht – eröffnet. Das Wetter hätte gepasst. Der Termin aber ganz sicher den Gartenschau-Machern nicht. Sie arbeiten mit Hochdruck. Fast täglich tauchten in der Innenstadt in dieser Woche neue Hinweise auf die Schau auf: Werbetafeln, Weidenkörbe, pinkfarbene Blumentöpfe am Bahnhof und gestern schließlich auch an wichtigen Zufahrtsstraßen Weinsteigen im XXXL-Format mit verheißungsvollem Inhalt, Tulpen statt Wein. Ein Produkt der Edenkobener Firma Dreiso, hieß es bei der Stadt, die 80 Holzkisten gestellt hat. Weitere 30 können geordert werden, zu 300 Euro das Stück, inklusive Bepflanzung und Pflege (bei Liebertseder, Telefon 06341 30728). Dabei sind die Steigen nicht nur Symbol für Landaus Stellenwert als größte Weinbau treibende Gemeinde Deutschlands, sondern auch für eine erfolgreiche Firmengeschichte in Edenkoben. Die damalige Firma Dreiwo hatte in den 50er-Jahren hölzerne Saft- und Bierkästen hergestellt, die in den 60er-Jahren zum Renner bei den Winzern wurden. Bis 2004 lieferten die Edekobener bundesweit aus: „Wein aus deutschen Landen“ mit der Botschaft „Wein schenkt Freude“. Längst werden Weinflaschen in Kartons verpackt, Dreiso produziert heute Paletten und Exportkisten. Die XXXL-Steigen erfreuen zur Gartenschau das Auge. Eine nette Idee. Wohnraum gibt es reichlich, sogar preiswerten. Nur nicht da, wo man ihn braucht. Der Trend geht in die Stadt, auf dem Land bluten dagegen die Dorfkerne aus. Das ist im Umland, ja selbst in den Landauer Stadtdörfern schon ansatzweise zu beobachten _ so schlimm wie unser Karikaturist es darstellt, ist es zum Glück noch nicht. Das Problem daran ist, dass ein altes Winzeranwesen schnell plattgemacht und die Lücke auch rasch wieder gefüllt ist. Nur: Dabei entsteht in der Regel kein Wohnraum für kleine Mieten, und allzu oft bleibt das dörfliche Flair auf der Strecke, wenn ein vom Baustil her städtisches Gebäude ins dörfliche Umfeld hineingeklatscht wird. Die Stadt will gegensteuern mit ihrem Prozess „Stadt weiter bauen“, doch das ist auf das Gartenschau-Jahr beschränkt. Fördermittel für die Zukunft sind nicht daran geknüpft. Doch die schonende Erneuerung alter Bausubstanz ist teuer. Ohne Sanierungsprogramme und Fördermittel geht da wenig. Die Stadtdörfer dauerhaft mit Leben zu füllen, wird die kommende große Herausforderung nach der Entwicklung der Südstadt, meint