Landau Wo Soldaten Schnaps brannten
Edenkoben. Der Keller (lateinisch cella) ist nach Definition der Internet-Enzyklopädie Wikipedia „ein geschlossenes Gebäudeteil, das sich ganz oder überwiegend unterhalb der Erdoberfläche befindet. In unserer Serie „Im Keller“ widmen wir uns diesem Gebäudeteil, das so viele unterschiedliche Funktionen erfüllt. Heute geht es um den Keller des Museums für Weinbau und Stadtgeschichte in Edenkoben.
Auf 10 mal 30 Metern wird hier Weinbaugeschichte greifbar gemacht. Museumsführer Hubert Minges erklärt wie vor rund 100 Jahren der Wein abgefüllt, die Flaschen gereinigt und etikettiert wurden. Als Edenkoben Ende des 18. Jahrhunderts Schauplatz der französischen Revolutionskriege wurde, kam dem Keller geradezu militärpolitische Bedeutung zu, wurde hier doch der Schnaps für die Soldaten gebrannt. Dabei ging es aber nicht in erster Linie ums Trinken, sondern um die Wirkung als Desinfektionsmittel. Schatzkisten mit allerlei Hab und Gut, Zinntellern aber auch Geld, welche die Edenkobener Bürger damals vor den Franzosen in Sicherheit brachten, finden sich ebenfalls heute im Museum. Im angrenzenden kleinen Gewölbekeller wird an Zeiten des heute immer mehr aussterbenden Küferhandwerkes gedacht, dass in der Pfalz früher ja noch eher als Schäffler gut bekannt war. So gab es im 19. Jahrhundert in der weinfrohen Stadt bis zu 20 Selbstständige, die der Kunst des Fassherstellens nachgingen. Der sogenannte Handwerkerkeller beherbergt darüber hinaus eine alte Schlosserei, Schuhmacherei und Töpferei. Es sieht fast so aus als hätte der Schmied und Schlosser Otto Travnicek, dem die ausgestellte Werkstatt gehörte, vor rund 100 Jahren sein Handwerk einfach kurzer Hand aufgegeben und alles liegen und stehen lassen. Auch die benutzten Geräte sind noch im Originalzustand erhalten. Wer nicht mehr weiß, dass ein Handwerker der Räder, Wagen und andere landwirtschaftliche Geräte aus Holz herstellt Wagner oder Stellmacher heißt, kann auch dies im Edenkobener Museumskeller erfahren. Im Weinkeller wird auf fast drei Meter hohen und im Meterabstand aufgestellten Fassdauben die Geschichte des Weinbaus, speziell auch in Edenkoben, dargestellt. „Wenn man die Dauben zusammensetzen würde, hätte man ein Fass mit 3000 Litern Fassungsvermögen zur Verfügung“, erklärt Hubert Minges. Der 65-jährige ist auch zweiter Vorsitzender des Heimatbundes Edenkoben. „Natürlich ist unser Keller schon etwas Besonderes, aber wir haben ja nicht nur diesen, sondern drei weitere Etagen, wovon die oberste mit ihrem Ambiente mit den historischen Holzbalken speziell auch für interessante Vorträge über alle möglichen Themen genutzt wird. Die beiden anderen Geschoße dienen hingegen, wie der Keller, als Ausstellungsräume“ erläutert Hubert Minges. Dabei legt er viel Wert darauf, dass nicht nur einfach vom Museum gesprochen wird, sondern die Attribute Weinbau und Stadtgeschichte hier im Vordergrund stehen. Serie im keller —Liebe Leserinnen und Leser: Wenn Sie einen besonderen Keller kennen, melden Sie sich doch einfach bei uns unter der E-Mail-Adresse marktsuew@rheinpfalz.de. —Museum für Weinbau und Stadtgeschichte, Weinstraße 107, Telefon 0 6323 81514, Internet: www.museum-edenkoben.de.