Edenkoben
Willkommen im Club: Das Rosengärtchen wurde wachgeküsst
Die Gaststätte „Zum Rosengärtchen“ liegt etwas versteckt zur Seite der Edenkobener Villastraße, kurz bevor es zur Schloss Villa Ludwigshöfe und der Rietburg hochgeht. Das Haus hat eine jahrhundertealte Geschichte. Bis vor Kurzem stand es nur den Mitgliedern des Tennisclubs Grün-Weiß Edenkoben offen. Das ist nun anders: Die neuen Pächter wollen neben den Sportlern auch Touristen und Einheimische bei sich Willkommen heißen.
Das Restaurant „Zum Rosengärtchen“ erfüllt alle Voraussetzungen, um zu einer festen Größe in der Südpfälzer Gastronomiewelt zu werden: Es liegt unweit einer beliebten Straße in Richtung Wald, an der in der Saison viele Touristen entlangwandern. Außerdem kommen die Edenkobener Tennisspieler regelmäßig zum Training auf den Plätzen im vorderen Bereich des Grundstücks. Stammgäste schwören auf die traditionelle deutsche Küche von Koch Oliver Fleisch, und die Terrasse bietet einen wunderschönen Ausblick auf die Südpfalz. Es hat sich bloß noch nicht überall herumgesprochen, dass hier nicht mehr nur Tennisspieler bewirtet werden.
Jahrelang als Vereinsheim genutzt
Eine Annonce auf der Onlineplattform Kleinanzeigen hat das Ehepaar Fleisch in dieses neue Lebenskapitel geführt. „Der Verein hat jemanden gesucht, der das Rosengärtchen aus dem Dornröschenschlaf erwecken kann“, erzählt Kerstin Fleisch. Das Haus wurde jahrelang als Vereinsheim genutzt. Thekendienst oder einfache Kocharbeiten wurden von den Sportlern selbst übernommen. Ein Restaurant war hier aber vorher nicht drin – zumindest nicht in der jüngeren Erinnerung.
Das Haus hat bereits einige Jahre auf dem Buckel. An den Wänden hängen historische Collagen, die die Geschichte des Objekts erzählen. Erbaut wurde das Rosengärtchen wohl in der Mitte des 19. Jahrhunderts. „Im Jahr 1896 wurde der Witwe Philippina Scholl die Konzession zur Führung einer Gaststätte erteilt“, steht in einem Textfetzen. Eine besondere Attraktion boten offenbar die Tanzveranstaltungen. Im Sommer wurden im Grünen Tische und Bänke aufgestellt. Andere Texte stammen aus der NS-Zeit, berichten etwa über die Unterbringung von „Ungarnflüchtlingen“ im Rosengärtchen.
Die Betreiber sind vom Fach
Oliver Fleisch hat in jüngeren Jahren als Koch gearbeitet, seine Frau Kerstin als Hotelfachfrau. Sie bringen also Erfahrung in der Gastronomiebranche mit, hatten beruflich aber bereits vor längerer Zeit umgesattelt. Die eigene Gaststätte war ein Traum, der lange fern schien. „Als wir die Anzeige gesehen haben, haben wir uns gedacht: jetzt oder nie“, erzählt Kerstin Fleisch. „Unsere Kinder sind jetzt groß, und so ein Angebot kommt vielleicht nie mehr.“
Seitdem klotzen die beiden kräftig Wochenarbeitsstunden, denn ihre alten Berufe üben sie weiterhin aus. Das Risiko, beruflich und finanziell alles auf die eine Karte zu setzen, war ihnen dann doch zu groß. „Wenn das hier jetzt schiefgeht, können wir das sonst nicht mehr aufholen“, meint Kerstin Fleisch.
Stammgäste haben durch den Winter geholfen
Im Gespräch mit der RHEINPFALZ lässt das Paar durchblicken, dass das erste Jahr mit der eigenen Wirtschaft in Ordnung war, aber schon noch besser hätte laufen können. Wie gesagt: Die Sache hat sich in Edenkoben und Umgebung noch nicht genug herumgesprochen. „Unsere Stammgäste haben uns durch den Winter gebracht“, erzählt Kerstin Fleisch. „Außerdem bieten wir parallel Catering an, zum Beispiel mit unserem Spießbratengrill.“ Dazu gebe es hin und wieder auch Aktionen wie einen kleinen Weihnachtsmarkt oder ein Muttertagsbrunch: „Wir richten auch gern Familienfeiern und Ähnliches aus, erst kürzlich hatten wir eine diamantene Hochzeit. Da sind wir eigentlich für alles offen.“
Regelmäßig ist außerdem dienstags Schnitzeltag und freitags gibt es auf Bestellung Rumpsteak. Momentan ist das Rosengärtchen Familiensache, beide Söhne helfen regelmäßig bei der Bedienung aus. Die Pächter sind auf der Suche nach weiteren Mitarbeitern.
Im Netz
www.rosengaertchen-edenkoben.deDie Serie
Seit dem großen Kneipensterben sind Vereinsheime in vielen Dörfern der Südpfalz die letzten Anlaufpunkte geworden für die Geburtstagsfeier der Oma, die Schafkopfrunde, den Bundesliga-Nachmittag. Manche von ihnen sind verpachtet. Wir wollen diese für die Ortschaften bedeutsamen Clubhäuser vorstellen, vor allem ihre Pächter. Welche Speisen und Getränke bieten sie an? Warum haben sie sich entschieden, ein Vereinsheim zu führen? Was macht ihnen das Leben schwer? Und was ist auch schön am Dasein als Clubhauswirt? Dem wollen wir in unserer Serie „Willkommen im Club“ nachgehen – empathisch, informativ, südpfälzisch.