Südpfalz
Wiedereröffnung der Buchhandlungen: Warum Sauerteigbrot?
„Uns geht es super. Wir haben gerade Freudentänze aufgeführt“, sagt dieser Tage Ilona Gratzke, Inhaberin der Buchhandlung Lesebär in Edenkoben. Sie sei zwar überrascht gewesen, dass es doch so schnell wieder losgehe, aber sie freue sich deshalb umso mehr auf die Wiedereröffnung ihres Ladens. Gerade sei das Team dabei, den Buchladen wieder aufzuhübschen und ihn mit Frühlingsdekoration für die Kunden einladend zu gestalten. Auch die Kunden freuten sich schon sehr auf die Wiedereröffnung, wenn sie am Telefon Bestellungen entgegennehme und dabei verkünde, dass man auch gerne einfach am Montag zum Bummeln vorbeikommen könne, sagt Gratzke.
Auch die Inhaberin des Landauer Buchladens Trotzkopp in der Ostbahnstraße, Margit Thorwart-Rocker, und ihr Team fiebern der Öffnung am Montag entgegen. Schon während des Lockdowns habe man trotz ausfallender Vertretertermine versucht, aktuelle Literatur anbieten zu können und vor allem die Schaufenster interessant zu gestalten, erzählt Marion Lendle, angestellte Buchhändlerin bei Trotzkopp. Auch in den vergangenen Tagen habe das Team deshalb viel am Telefon gehangen. So erzählt Thorwart-Rocker gegenüber der RHEINPFALZ, dass sie versuche, die spannenden und trendigen Titel zu bestellen, um den Kunden eine möglichst große Auswahl zum Stöbern bieten zu können. Dabei achte sie in Hinblick auf Ostern auf eine verstärkte Auswahl an Kinderbüchern. Sie gehe aber auch speziell auf individuelle Anfragen der Kunden ein.
Welche Bücher sind gerade im Trend?
Auch die Buchhändlerin Claudia Winstel von Das Buch, der integrierten Buchhandlung im Spiel & Spaß in Bad Bergzabern, berichtet, dass die gesamte Belegschaft am Flitzen sei. Es seien noch einige Vorbereitungen zu treffen, um am Montag optimal aus dem Lockdown starten zu können. Auch die Bergzaberner Buchexperten haben bereits den Corona-Frühjahrsputz gemacht und Neuheiten ins Sortiment aufgenommen. Auf Nachfrage der RHEINPFALZ, ob es einen eindeutigen Verkaufsschlager in der Lockdown-Zeit gab, schießt es sofort aus Winstel heraus: „Zu Jahresbeginn waren das auf jeden Fall Brotbackbücher, insbesondere für Sauerteigbrot.“ Scheinbar habe sich das Interesse der Kunden in Richtung Selbstversorgung bewegt. Das bestätigt auch Gratzke vom Lesebär in Edenkoben. Auch sie habe den Trend zu Brotbackbüchern miterlebt. Aber auch Bücher, die der Kinderunterhaltung dienen, hätten mit das Rennen gemacht, so Gratzke.
Auf Nachfrage, was Gratzke in dieser Zeit selbst so gelesen habe, entgegnet die Buchhändlerin, dass sie einen Blick in einige Leseexemplare der Verlage geworfen habe, um das künftige Sortiment abwechslungsreich gestalten zu können. Außerdem habe sie zwei Titel des Autors Tom Saller gelesen: „Wenn Martha tanzt“ und „Ein neues Blau“. Die historischen Romane seien der Lesebär-Inhaberin sehr in Erinnerung geblieben. Neben den beiden Titeln empfehle sie aber auch weitere schöne Romane, mit denen man gerade während des Corona-Lockdowns mal die Seele baumeln lassen könne. Die Titel „Wo das Glück zuhause ist“ von Jenny Colgan, „Das Haus der Frauen“ von Laetitia Colombani und „Wie uns die Liebe fand“ von Claire Stihlé würden bei den Kunden total gut ankommen.
Leute wollen von Corona beim Lesen vergessen
Im Vergleich zum ersten Lockdown im Frühjahr letzten Jahres, bei dem die Kunden tatsächlich auf Bücher zu früheren Krisen oder Seuchen zurückgriffen, sei spürbar, dass die Nachfrage nach unterhaltenden Büchern inzwischen viel größer sei. „Ich suche etwas Leichtes.“ Das höre sie seit Beginn des zweiten Shutdowns oft, sagt Gratzke. Viele wollten privat einfach nichts mehr von Corona hören und sehen und lieber in einem Roman versinken, der einen die Krisenthematik wenigstens für einen Moment vergessen lasse.
In einem sind sich aber alle Buchhändler einig: Es sei schön, dass es nun endlich wieder losgehe und man wieder Laufkundschaft im Geschäft begrüßen dürfe. Gerade eine Buchhandlung lebe davon, dass Menschen durch die Regale stöbern und Buchhändler direkte Empfehlungen aussprechen. Als Buchhändler wolle man vor allem mit Begeisterung Bücher verkaufen und Kundenkontakte pflegen. Und nicht nur das sei ein Grund, endlich wieder aufatmen zu können.
Licht am Ende des Tunnels
Auch für das Personal und die Existenz des Buchgeschäftes sei die Öffnung sehr wichtig, sagt Winstel. Denn auch, wenn nur eine Person auf zehn Quadratmeter Ladenfläche begrüßt werden dürfe, sei das ein Licht am Ende des Tunnels, da die Corona-Soforthilfe nicht ausreiche, erzählt sie. Und sagt: „Die Soforthilfen sind ein 25 Zentimeter Flicken für ein vier Meter breites Loch.“ Doch wenn die Kunden überall die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen einhalten, dann stehe dem Bucheinkauf vor Ort ab Montag nichts mehr im Wege.