Wir über uns
Wie kann man nur so saublöd parken?
Es gibt ja Menschen, deren Zündschnur ist derart kurz, dass eine Explosion zu jeder Tages- und Nachtzeit latent in der Luft liegt. Läuft mal eine Sache nicht nach deren Willen, ergießt sich sofort ein Schwall von Schimpfwörtern über alle, die gerade beteiligt oder auch unbeteiligt anwesend sind. Ich muss gestehen, dass ich – sofern die Hasstirade ein gewisses Maß nicht überschreitet – solche Menschen durchaus beneide. Denn nach einem kurzen Donnerwetter ist der Ärger meist schnell verflogen. Nun ist es nicht so, dass ich mich nie über etwas aufrege. Nach außen bin ich aber eben nicht sonderlich emotional, jedenfalls solange ich nicht auf dem Fußballplatz stehe. Das Gewitter braut sich im Inneren zusammen, die Blitze zucken durch Bauch und Kopf, der Donnerhall bleibt aber aus. Als ich aber vor einigen Tagen nach dem Feierabend mit dem Auto vom Hof gen Heimat rollen wollte, war der große Knall nicht weit entfernt.
Nicht etwa, weil ich gerade noch so um einen Unfall herumgekommen bin. Genau genommen hatte ich noch nicht einmal die Chance dazu, in eine brenzlige Verkehrssituation zu kommen. Ein Renault, Farbe Kalbsleberwurst Metallic, stand nämlich vor der Ausfahrt. Ein schneller Kontrollblick durch die Windschutzscheibe zeigte, dass niemand am Steuer saß. In mir zogen erste Wolken auf, eine schwere Gewitterfront war das aber noch nicht.
Die Hoffnung stirbt zuletzt
Denn so ärgerlich die Sache auch war, es gab ja noch die Hoffnung, dass ich den Fahrer oder die Fahrerin schnell finde. Zum Beispiel in einem der umliegenden Geschäfte. Also begann ich direkt mit der Suche. „Hallo, wissen Sie wem das Auto da draußen gehört?“, fragte ich also in Geschäft Nummer eins und zeigte auf das Gefährt, das zwischen mir und meiner Heimreise stand. Die Reaktion war freundlich, ein Mann fragte direkt im Kollegenkreis nach, ob jemand helfen könne. Kollektive Antwort: Ne, sorry. Ich solle es doch mal nebenan probieren, vielleicht weiß da jemand etwas, lautete die Abschiedsformel.
So nett dieser Hinweis auch ganz gewiss gemeint war, er hellte die Großwetterlage in meinem Inneren nicht gerade auf. Vielmehr war mittlerweile doch klar und deutlich ein amtliches Gewitter in Sichtweite. Die Worte, die wie Blitze durch meinen Kopf schossen, möchte ich an dieser Stelle nicht wiederholen. Nur so viel: Mit Anstand und guter Erziehung hatte das kaum noch etwas zu tun. Und wer wissen möchte, wie es in Laden Nummer zwei lief: Einfach den vorherigen Absatz ab „Hallo, wissen Sie wem das Auto da draußen gehört?“ noch einmal lesen.
Die verdammte Sprachbarriere
Dass die Gefahr eines großen Knalls nun hoch wie nie war, erklärt sich wohl von selbst. Die Hoffnung auf schnelle Hilfe bereits begraben, tingelte ich schließlich in Laden Nummer drei, wo ich einem jungen Mann meine bereits bekannte Frage stellte. Seine Reaktion: Er schaute mich mit großen Augen an, mehr war da nicht. Die Sprachbarriere stand zwischen uns. Auf nochmalige Nachfrage, kam dann der absolute Knaller: „Ist kein Problem, kannst du stehen lassen“, sagt er plötzlich zu mir und deutete auf das Auto, das irgendwie weg musste. Wie ich es in diesem Moment geschafft habe, nicht zu explodieren, weiß ich ehrlich gesagt selbst nicht.
Überraschend schnell schaltete ich jedenfalls in den Vernunftmodus um. Mein nächstes Ziel: Das Auto abschleppen lassen. Aber wie nur? Wen ruft man denn eigentlich abends um 18.30 Uhr in so einem Fall an? Mit dieser Frage im Gepäck marschierte ich wieder zurück in die Redaktion, um sie meiner Kollegin zu stellen. „Was, du bist noch da? Du bist doch eben gegangen.“ Diese Reaktion trug natürlich nicht gerade zu meiner Beruhigung bei, geschweige denn zur Lösung des Problems. Als auf die erneute Frage, wer denn anzurufen sei, wenn ein Auto abgeschleppt werden muss, nur ein schockiertes „was, dein Auto ist kaputt?“ kam, brach ich innerlich förmlich zusammen.
Ein Tipp an den Übeltäter oder die Übeltäterin
Erst im dritten Versuch konnte ich schließlich meiner Kollegin verständlich erklären, worin mein Problem lag. Und plötzlich passierte Unglaubliches: Durch das Fenster konnte ich beobachten, wie das Auto einfach davonfuhr. Wer drin saß? Keine Ahnung. Allerdings kann ich ihm oder ihr einen guten Rat mit auf den Weg geben: Parken Sie nie wieder so saublöd die Ausfahrt zu. Falls das doch noch einmal vorkommt, wird gnadenlos abgeschleppt. Denn ich weiß mittlerweile, was ich dafür tun muss. Wie mir die Polizei auf Nachfrage erklärte, kümmert sich zwischen 8 und 16 Uhr das städtische Ordnungsamt drum, außerhalb dieser Zeiten muss ich die Polizei anrufen.