Landau / SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Weniger Winzer und Besucher: Hat die Weinmesse eine Zukunft?

Die Winzer registrierten einen regen Zuspruch. Auch wenn es weniger Besucher waren als in den vergangenen Jahren.
Die Winzer registrierten einen regen Zuspruch. Auch wenn es weniger Besucher waren als in den vergangenen Jahren.

So wenige Winzer wie noch nie haben bei der Weinmesse in Landau ausgeschenkt. Ist das der Anfang vom Ende oder kristallisiert sich der Kern heraus, Beratung und Verkostung?

Die Weinmesse der Veranstaltungsgesellschaft Landau-Südliche Weinstraße im Frank-Loebschen Haus und im Alten Kaufhaus stand am Freitag und Samstag wieder im Zeichen ausgesprochener Sommertage. Es war warm. Da kam es Ausstellern und Besuchern zugute, dass die Winzer nicht dicht an dicht unter dem historischen Gebälk standen, sondern Platz genug zwischen den Ständen war und die Fenster auf Durchzug standen. 45 Winzer, einige Piwi-Anbieter und Edelbrenner fachsimpelten mit dem Publikum. Laut Bernd Wichmann, Geschäftsführer der Veranstaltungsgesellschaft, wurden rund 1200 Karten verkauft.

Reicht die Resonanz, um auch für das nächste Jahr wieder ein Weinerlebnis auf die Beine zu stellen? Darüber wurde in den vergangenen Tagen bereits diskutiert. Wichmann und Dietmar Seefeldt, als Landrat Mitgesellschafter, verweisen auf Beratungen mit den Winzern, die rechtzeitig geführt werden sollen.

Das Ambiente im Frank-Loebschen Haus sucht seinesgleichen.
Das Ambiente im Frank-Loebschen Haus sucht seinesgleichen.

Weinbranche in der Krise

Die Weinbranche ist in einer schweren Krise. Nach Absatzproblemen in ganz Deutschland drohen auch an der Südlichen Weinstraße Insolvenzen. Kann das ein Grund sein, warum sich weniger Weingüter als bisher beteiligt haben? Wollte man die Gründe präzise fassen, müssten die Winzer befragt werden. Die Standgebühren von rund 500 Euro könnten eigentlich nicht der Grund sein, heißt es.

Jakob Scholler, 29-jähriger Winzer aus Birkweiler, schwört die Kollegen ein, noch stärker in die Werbung zu gehen. „Es ist wichtig, vor Ort zu sein und eher mehr als weniger zu werben.“ Er erzählt, dass sich Winzer, die sich um die Zukunft der Branche sorgen, vor wenigen Wochen zu einem Verein zusammengeschlossen haben – der Zukunftsinitiative Deutscher Weinbau.

Zu viel Event bei den Weintagen

Frank Meyer vom Stiftsgut Meyer in Gleiszellen setzt Hoffnung in die jungen Leute. Beim Weinerlebnis seien auffallend viele junge Leute gewesen, die auch wirklich interessiert gewesen seien und viele Fragen gestellt hätten. Die Verlegung 2021 und 2022 an mehrere Standorte in der Stadt hatte ihm zu viel Eventcharakter. Und es seien zu viele Leute gekommen, die die Großen Gewächse heruntergekippt hätten. Da sei es nicht ums Probieren gegangen. Meyer kann verstehen, dass die Leute immer wieder mal etwas Neues wollten, die Weintage hätten sich nach drei Jahrzehnten totgelaufen. Jetzt feiert Meyer die Rückkehr in die Altstadt, weil so der Messecharakter und der Austausch mit dem Winzer wieder im Vordergrund stehe.

Gerd Anselmann vom gleichnamigen Weingut in Edesheim hat auch beobachtet, dass das Interesse bei jungen Leuten groß ist. Für ihn steht das Weinerlebnis nicht zur Diskussion. Es sei wichtig, dass sich die heimischen Winzer präsentierten, schließlich sei die Weinkultur ein wichtiger Bestandteil der Attraktivität dieser Region.

Zum Teil haben Besucher die Weinetiketten fotografiert, wenn ihnen ein Wein besonders gut schmeckte.
Zum Teil haben Besucher die Weinetiketten fotografiert, wenn ihnen ein Wein besonders gut schmeckte.

Winzer haben Personalprobleme

Die Winzer müssen ihren Stand bestücken, Kühlgeräte installieren und Personal stellen. Personalengpässe sind laut Bernd Wichmann ein großes Thema. Deshalb sei man den Winzern auch vor Jahren entgegengekommen und habe die Tage sowie die Besuchszeiten eingeschränkt. Früher ging die Messe über drei Tage, und montags war immer noch ein Fachtag für die Winzer mit Vorträgen und Austausch.

Die Corona-Pandemie hat 2021 aus den klassischen Weintagen nach 32 Jahren das Weinerlebnis gemacht. Die Verantwortlichen wollten damals etwas Neues wagen. Nach zwei Jahren der Pandemie-bedingten Absagen verteilten sich die Stände auf mehrere Standorte in der Stadt. Es gab hier und da Musik, am Abend eine Party im Deutschen Tor. 2023 kehrten die Veranstalter zurück ins Herz der Landauer Altstadt, dem Frank-Loebschen Haus und dem Alten Kaufhaus.

Das Interesse der Weinmacher hat abgenommen. Waren es vor Jahren noch an die 100 Weingüter, sackte die Teilnehmerzahl 2021 auf 80. Ein Jahr später gab es mit 91 Winzern einen Aufschwung. 2023 waren es nur noch 63, im vergangenen Jahr dann 54 und jetzt 45 Weingüter. Auch die Zahl der verkauften Karten ist rückläufig.

Die Soirée des Weinerlebnisses war zum ersten Mal in der Festhalle. Die Aufmachung kam sehr gut an.
Die Soirée des Weinerlebnisses war zum ersten Mal in der Festhalle. Die Aufmachung kam sehr gut an.

2026 Weintage in der Festhalle?

Wie geht es weiter? „Frag ich 100 Leute, habe ich 100 Meinungen“, antwortet Bernd Wichmann. Im Raum steht die Idee, 2026 in die Festhalle zu wechseln. Dort war einen Abend vor der Eröffnung bereits die Soirée des Weinerlebnisses für Sponsoren und geladene Gäste. Die Aufmachung in den klimatisierten Räumen kam sehr gut an. Das könnte Winzer locken, die wegen der Hitze im Frank-Loebschen Haus ausgestiegen sind, deutet Wichmann an.

Dietmar Seefeldt stellt klar: „Wir machen die Veranstaltung für die Weinbautreibenden und für die Region. Auch wenn der Einzelne vielleicht nicht so viel profitiert, dann ist es doch eine Werbung für den Wein – als Gemeinschaftsleistung.“ In der Sitzung des Beirats der Veranstaltungsgesellschaft am Dienstag sei kein einheitliches Bild herauszulesen gewesen. Spätestens Anfang des Jahres muss die Entscheidung stehen, ob es auch 2026 wieder eine Messe geben soll. Der Landrat ruft alle auf, „gemeinsam Werbung zu machen für unseren Wein“. Viele griffen unbewusst ins Weinregal der Supermärkte, sie sollten nach Pfälzer Wein greifen.

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