Kommentar
Weltuntergang wegen neuer Einbahnstraßen ist ausgeblieben
Mitte Februar hat die Stadt vier neue Einbahnstraßen-Abschnitte in Landau eingerichtet, in Reduit- und Weißquartierstraße. Sie sollen dazu dienen, den Verkehr von der wegen ihres Ausbaus gesperrten Königstraße auf den Ostring zu verlagern, weil die beiden genannten, dazwischenliegenden Straßen nach Überzeugung der Verwaltung sonst überlastet würden. Zudem hatten sich Anlieger dort bereits über zu viel Verkehr beklagt.
Seitdem sind beide Straßen nur noch in einer Richtung zu befahren, wobei je zwei Einbahnabschnitte aufeinander zu laufen. Das kam unter Autofahrern, vor allem aber unter Facebook-Nutzern, gar nicht gut an. Letztere witterten darin eine Verschwörung des grünen Zeitgeistes gegen ökologisch verantwortungsvolle Automobilisten, denen aus Gründen der CO2-Vermeidung selbst kleinste Umwege nicht zugemutet werden dürften.
„Es wird immer schlimmer“
Schlimmer noch: Viele sahen den Untergang des christlichen Abendlandes gekommen, betonten, dass Einzelhandel und Gastronomie die Zeche zahlen müssten und sie selbst Landau schon seit Jahren meiden – Stichwort: „Es wird immer schlimmer!“. Dass sie sich dafür noch ganz gut auszukennen schienen und dass ihnen Einbahnstraßen herzlich egal sein können, wenn sie sie doch gar nicht befahren, tat der Leidenschaft ihrer Argumentation keinen Abbruch.
Wie auch immer: Inzwischen hat sich die neue Verkehrsführung offenbar weitgehend eingependelt, auch wenn die Polizei gerade erst in den Abendstunden sechs Falschfahrer kostenpflichtig zur Ordnung gerufen hat. Zu ihren Gunsten nehmen wir an, dass sie nicht aus Trotz so gefahren sind.
Zur Wahrheit gehört nämlich auch, dass der autofahrende Mensch ein Gewohnheitstier und von seinen lange eingeübten Trampelpfaden nur schwer abzubringen ist. Das gilt auch für den Verfasser dieser Zeilen, der vom Parkplatz hinter der Redaktion seit Jahren nach rechts in die Reduitstraße abgebogen ist, um nach Hause zu gelangen. Und der erst auf die Bemerkung einer Kollegin hin, dass er ja jetzt auch einen ziemlich blöden Umweg nehmen müsse, gemerkt hat, dass er schon ein paar Mal so gefahren ist wie früher und auf den ersten zehn Metern seines Heimwegs bis zur Ostbahnstraße als Geisterfahrer unterwegs war.
Hohn und Spott der Kollegen
Schlimmer noch als Hohn und Spott der Kolleginnen und Kollegen war die Erkenntnis, dass das blaue Schild mit dem weißen Links-abbiegen-Pfeil, das die Stadt freundlicherweise an gleich drei Ausfahrten von Privatgrundstücken auf die Reduitstraße angebracht hat, von ihm gänzlich unbemerkt geblieben war.
Das war dann ehrlich gesagt ein ganzer schöner Schlag fürs Selbstbewusstsein: dass man glaubt, sich intensiv mit Themen auseinanderzusetzen, aber dann so krass pennt. Zur Buße nimmt man dann sogar den etwas längeren Heimweg in Kauf....