Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Was sind Ausschlusskriterien für Corona-Impfung?

Viele Fragen zur Verträglichkeit und Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe sind noch ungeklärt.
Viele Fragen zur Verträglichkeit und Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe sind noch ungeklärt.

Ich bin Krebspatient. Ich habe eine Autoimmunerkrankung. Ich nehme Antibiotika. Kann ich mich impfen lassen? Solche Fragen tauchten bei unserer Leseraktion rund um die Corona-Impfung immer wieder auf. Wir geben einen Überblick, wann man sich piksen lassen darf und wann lieber nicht.

Wer einen Impftermin vereinbaren will, muss schon mal beim Anmelden Fragen zu seinem Gesundheitszustand beantworten. Zudem gibt’s vor Ort im Impfzentrum noch mal ein Gespräch mit einem Arzt, der abklärt, ob eine Impfung infrage kommt oder nicht. „Aber das möchte ich doch schon vorher wissen und nicht erst, wenn ich dorthin gefahren bin.“ Solche Aussagen hörten wir des Öfteren bei unserer Sorgentelefonaktion rund um die Corona-Impfung in der Südpfalz. Klar, es gibt die Corona-Hotline des Landes. Aber bis man da mal durchkommt ... Man kann sich auf den verschiedensten Internet-Seiten durch die weiterführenden Impf-Informationen lesen. Aber muten Sie mal einem 85-Jährigen zu, die Tiefen der Homepages des Robert-Koch-Instituts (RKI), des Paul-Ehrlich-Instituts und der Ständigen Impfkommission zu ergründen. Und Hausärzte können auch nicht immer weiterhelfen, gerade wenn es um spezielle Krankheitsbilder geht.

Wir versuchen, etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Die Fragen haben uns das Gesundheitsamt SÜW-Landau und das Bundesgesundheitsministerium auf Basis der aktuellen Quellenlage beantwortet. Heißt: Dies ist der derzeitige Stand der Erkenntnis. Sie kennen das ja, das Coronavirus ist so neuartig, dass sich mitunter auch wieder neue Informationen ergeben. Und auf jeden Fall sollten Sie Ihre Vorerkrankungen, Medikamente und Co. vor Ort noch mal mit dem Impfarzt durchsprechen.

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Ich fühle mich gerade kränklich. Darf ich mich impfen lassen?
Wer eine akute behandlungsbedürftige Erkrankung hat, insbesondere eine fieberhafte Infektionskrankheit, darf aktuell nicht geimpft werden. Eine Erkältung oder geringfügig erhöhte Temperatur unter 38,5 Grad Celsius sei jedoch kein Grund, die Impfung zu verschieben, so das Gesundheitsamt.

Kann ich mich trotz Vorerkrankungen impfen lassen?
Der Impfstoff kann auch Menschen mit Grunderkrankungen verabreicht werden. Menschen mit chronischen Erkrankungen wird das Impfen empfohlen, da diese durch schwere Verläufe und Komplikationen einer Covid-19-Krankheit besonders gefährdet wären. Laut RKI gibt es bisher keine gesicherten Erkenntnisse, dass mögliche Krankheitsschübe, die zeitgleich zur Impfung auftreten, auch dadurch verursacht wurden. Ein Arzt müsse aber individuell über den Nutzen der Impfung im Vergleich zum Risiko der Krankheit aufklären, mahnt das Gesundheitsamt.

Sollten sich Krebspatienten impfen lassen?
Weder eine Krebserkrankung noch eine Krebstherapie stellen generell ein Ausschlusskriterium für eine Corona-Impfung dar. Angesichts des erhöhten Risikos dieser Personengruppe für eine Corona-Infektion oder für einen schweren Krankheitsverlauf empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) eine Schutzimpfung auch für Krebspatienten. Allerdings könne die Wirksamkeit bei immungeschwächten Menschen gemindert sein. Nach einer Stammzellentransplantation beispielsweise könnte ein Abstand zur Corona-Impfung von drei bis sechs Monaten erwogen werden. Diese DGHO-Empfehlung beruht auf der Annahme, dass möglicherweise kein wirksamer Schutz aufgebaut wird – nicht auf einer schädlichen Wirkung durch den Impfstoff. Allgemein gilt: Ein Arzt muss die individuelle Risikosituation des Patienten bewerten. Denn konkrete Daten fehlen noch. Das Gesundheitsamt verweist nach Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums darauf, dass derzeit nicht klar ist, wie wirksam und verträglich die Impfstoffe bei Krebstherapien sind, da Krebserkrankte bei der Zulassungsstudie nicht als Probanden vertreten waren.

Wie sicher ist die Impfung, wenn man eine Autoimmunerkrankung hat?
Derzeit gibt es keine Daten, die die Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffs bei immungeschwächten Menschen belegen. Das Gesundheitsamt weist aber darauf hin, dass gerade diese Personengruppe ein erhöhtes Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung hat. Grundsätzlich bestehe kein Hinderungsgrund für eine Impfung bei immungeschwächten Menschen, die Wirksamkeit könne aber verringert sein.

„23 Menschen kurz nach Corona-Impfung in Norwegen gestorben“: Diese Meldung schreckte dieser Tage auf. Ist das Risiko zu groß?
Das norwegische Gesundheitsministerium meldete, dass die Impfung für schwerkranke und sehr alte Menschen möglicherweise zu riskant sein könnte. Aktuell werden die Todesfälle untersucht. Rund 25.000 Menschen wurden bis zu dieser Meldung in Norwegen geimpft. Die dortige Gesundheitsbehörde stufte die Anzahl der Todesfälle nach der Impfung bislang als „nicht alarmierend“ ein. Es gebe Hinweise darauf, dass an sich nicht problematische Nebenwirkungen wie Fieber und Übelkeit bei einigen gebrechlichen Patienten zum Tod geführt haben könnten, sagte der Chefarzt der norwegischen Arzneimittelbehörde. Zudem verweisen Experten darauf, dass es in dieser Bevölkerungsgruppe generell eine höhere Sterblichkeitsrate gebe.

Welche Medikamente darf ich nicht nehmen, wenn ich mich impfen lassen will?
Generell gilt: Den Arzt immer informieren, welche Medikamente man nimmt. Denn die Medikamente könnten eventuell die Impfung beeinflussen oder andersherum. Eine Behandlung mit Antibiotika, mit niedrigen Dosen von Kortikosteroiden (beispielsweise in Medikamenten gegen Asthma, Cluster-Kopfschmerz oder Ekzeme) oder lokal angewendeten steroidhaltigen Präparaten (beispielsweise in Cortison-Medikamenten zur Behandlung von Hauterkrankungen) schließen eine Impfung nicht aus.

Darf ich mich trotz bestehender Allergien impfen lassen?
Für Menschen mit atopisch-allergischen Erkrankungen wie Asthma, Neurodermitis, allergischem Schnupfen oder Bindehautentzündung gibt es kein generell erhöhtes Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen der Impfung. So der derzeitige Erkenntnisstand des Paul-Ehrlich-Instituts. Bei der Zulassung des Impfstoffs durch die EU wurden die bekannten Allergien gegenüber Medikamenten und Lebensmitteln nicht als Ausschlusskriterium für eine Impfung angesehen.

Kann ich allergisch auf den Corona-Impfstoff reagieren?
Wer eine Allergie auf die Inhaltsstoffe des Impfstoffs hat, darf sich nicht impfen lassen. Wer nach der ersten Dosis allergisch reagiert, dem sollte keine zweite Dosis verabreicht werden. Laut Bundesgesundheitsministerium sind gleich zu Beginn der Impfungen mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff im Dezember in Großbritannien allergische Reaktionen gemeldet worden – auch vereinzelte Fälle mit schwerwiegendem oder sogar lebensbedrohlichem Verlauf. In den klinischen Studien zur Zulassung des Biontech- und des Moderna-Impfstoffs traten vereinzelt Überempfindlichkeitsreaktionen auf, aber keine lebensbedrohlichen. Die allergischen Reaktionen traten unmittelbar nach der Impfung auf, deswegen sollten geimpfte Menschen mindestens 15 Minuten nachbeobachtet werden, empfiehlt das Bundesgesundheitsministerium. Beide aktuell zugelassenen Impfstoffe bestehen aus mRNA (Boten-Ribonukleinsäure), verschiedenen Salzen zur besseren Aufnahme im Körper und einer Schutzhülle aus natürlichen Nanopartikeln. Welche Komponenten genau bisher allergische Reaktionen hervorrufen, ist noch nicht geklärt. Aktuell werde darüber diskutiert, ob es Teile der Lipidnanopartikel sein könnten, berichten Gesundheitsamt und Bundesgesundheitsministerium. Die genauen Inhaltsstoffe der aktuell zugelassenen Impfstoffe werden auf der Seite der Europäischen Arzneimittel-Agentur veröffentlicht (www.ema.europa.eu).

Darf ich mich nach einer anderen Impfung – beispielsweise gegen Grippe oder Hepatitis – gegen Corona impfen lassen?
Laut Gesundheitsamt soll zu anderen Impfungen ein Abstand von mindestes 14 Tagen eingehalten werden.

Soll ich mich impfen lassen, auch wenn ich bereits eine Corona-Infektion durchgemacht habe?
So ganz genau geklärt ist diese Frage noch nicht. Menschen, bei denen in der Vergangenheit eine Infektion mit dem Coronavirus nachgewiesen wurde, müssen zunächst nicht geimpft werden, sagt das Gesundheitsamt. Es gebe aber keine Hinweise, dass die Impfung eine Gefährdung darstellt.

Wie verhält sich die Corona-Impfung zu einer Schwangerschaft?
Zur Anwendung der beiden aktuell zugelassenen Impfstoffe in der Schwangerschaft und Stillzeit gibt es derzeit noch keine ausreichenden Erfahrungen. Daher empfiehlt die Ständige Impfkommission derzeit keine generelle Impfung in der Schwangerschaft. Schwangeren mit Vorerkrankungen, für die ein höheres Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung besteht, kann eine Impfung angeboten werden. Solche Einzelfälle müssen aber mit dem Arzt abgeklärt werden. Laut Gesundheitsamt halten es Experten nach derzeitigem Erkenntnisstand aber für unwahrscheinlich, dass die Impfung riskant für die Schwangere oder das Kind ist. Frauen, die versuchen, schwanger zu werden, müssen nach der Impfung mit dem Biontech-Impfstoff nichts Besonderes beachten.

Dürfen Kinder gegen Corona geimpft werden?
Derzeit nein. Der Biontech/Pfizer- und der Moderna-Impfstoff sind für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nicht zugelassen.

In den Impfzentren – wie hier in Wörth – klären Ärzte die Krankengeschichte der Menschen ab und entscheiden, ob die Impfung für
In den Impfzentren – wie hier in Wörth – klären Ärzte die Krankengeschichte der Menschen ab und entscheiden, ob die Impfung für sie infrage kommt oder nicht.
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