Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Was darf im Memoriam-Garten auf die Gräber?

Die Laterne stand schon auf dem Grab der Eltern. Nun möchte Peter Becker sie aufs Grab des Bruders stellen.
Die Laterne stand schon auf dem Grab der Eltern. Nun möchte Peter Becker sie aufs Grab des Bruders stellen.

Der Memoriam-Garten ist ein schmucker Teil des Landauer Friedhofs. Ein Gärtner kümmert sich rund ums Jahr um die Grabpflege. Hin und wieder legen Angehörige oder Freunde Gegenstände zur Erinnerung an Verstorbene ab. Weil das gegen die Regeln ist, werden Engelchen oder Kränze abgeräumt. Sehr zum Ärger von Angehörigen.

Wer einen Verstorbenen im Memoriam-Garten auf den Landauer Hauptfriedhof bestatten lässt, verzichtet damit auf eine individuelle Grabgestaltung. Das Angebot der Genossenschaft der Friedhofsgärtner Rheinland-Pfalz ist vor allem für Menschen interessant, die sich nicht selbst um die Grabpflege kümmern können. Trotzdem stellt der ein oder andere eine Grablaterne oder kleine Engelsfiguren ab. Darum ist nun ein stiller Konflikt entbrannt.

Auf der einen Seite stehen Hinterbliebene, die auf das Gesamtbild der Anlage großen Wert legen und auf die Einhaltung der Nutzungsverträge pochen. Auf der anderen Seite gibt es Menschen wie Peter Becker. Er hat 2014 seinen Bruder im Memoriam Garten zu Grabe getragen. Becker kommt regelmäßig vorbei, um seine Trauer zu verarbeiten. Sein Bruder ist im Memoriam-Garten einer der wenigen, die im Sarg beerdigt wurden. Der Großteil sind Urnenbestattungen.

Manche übertreiben

Die Regel zum Grabschmuck kennt Becker wohl – er bricht sie aus sentimentalen Gründen, und auf eine Art, die niemanden stören sollte, wie er findet. „Diese Laterne stand bereits auf dem Grab unserer Eltern in Speyer, bevor dieses aufgelöst wurde. Es ist der einzige Gegenstand, den ich im Memoriam-Garten abgestellt habe“, erzählt der 72-jährige. Seinerzeit habe ihm sogar der Friedhofsgärtner, den er trotz des Streits um die Grabbeilagen sehr schätzt, bei der Befestigung geholfen. Auch andere Angehörige haben Laternen, Kerzen und andere Gegenstände angebracht. „Es gibt hier einige wenige, von denen ich sagen würde, das sie es übertreiben, wo das ganze Grab überladen ist mit Blumen, Kränzen und so weiter. Aber ein kleines Lämpchen auf einem großen Grab, das stört doch das Gesamtbild nicht.“

Diese Auffassung scheint nicht jeder in der Grabgemeinschaft zu teilen. Bereits 2017 wurden alle Hinterbliebenen von der Genossenschaft der Friedhofsgräber angeschrieben. Es hatte Reklamationen gegeben. Gegen die Aufforderung, seine Grabbeilagen zu entfernen, legte der pensionierte Rechtsanwalt Becker schriftlich Protest ein, danach passierte nichts mehr.

Störendes Gesamtbild

Vor Kurzem kam die Geschichte wieder auf. Als Becker vor einigen Wochen das Grab seines Bruders besuchte, fielen ihm einige Schilder auf, die um den Friedhofsteil angebracht worden sind. Dort wurde abermals dazu aufgefordert, die Grabbeilagen zu entfernen. Der Friedhofsgärtner würde diese innerhalb von zwei Wochen von den Gräbern entfernen und an einer Sitzbank ablegen, wo sie weitere vierzehn Tage lang abgeholt werden könnten, bevor der Rest entsorgt werde. „Es wurde schon von mehreren Grabinhabern bemängelt, dass die Vereinbarung über die Grabbeilagen nicht eingehalten werden, somit das Gesamtbild sehr störend wirkt und immer wieder Schäden am Bodendecker entstehen“, heißt es abschließend zur Begründung.

„Ich kann nicht verstehen, warum hier so über einen Kamm geschoren wird“, sagt Becker. „Die Angehörigen sind der Genossenschaft namentlich bekannt. Wenn jetzt wirklich mal jemand bei der Grabverzierung über die Stränge schlägt, dann wäre es doch möglich, diese Person beiseite zu nehmen, anstatt gleich alle abzustrafen.“

Zwischen den Fronten

Georg Ramm, Geschäftsführer der Genossenschaft der Friedhofsgärtner, ist die Sache unangenehm. Die Betreiber des Memoriam-Gartens stehen zwischen den Fronten. „Wir müssen zunächst mal festhalten, dass unsere Kunden eine Vereinbarung abgeschlossen haben, die vorsieht, dass in diesem Friedhofsteil eine individuelle Entfaltung bei der Grabpflege nicht vorgesehen ist. Wenn wir hier und da ein Auge zudrücken, reißt das leider schnell ein. Wenn wir Beschwerden von Kunden haben, die sagen, das ist hier nicht das Gesamtbild, das mir versprochen wurde, dann müssen wir dem schon nachkommen.“

Andererseits dulde der Friedhofsgärtner in den Monaten nach der Beerdigung durchaus die ein oder andere Grabbeilage. Gerade in dieser Zeit sei das für die Trauerarbeit wichtig. Dann wird es aber schwierig: Nach wie vielen Monaten hört die Kulanz auf? Und wo ist die Grenze zwischen ein paar kleinen Beilagen und einem völlig überladenen Grab?

Vom Friedhofsgärtner wird hier großes Fingerspitzengefühl verlangt. Allen recht machen kann er es nicht. „Im Übrigen muss er zusätzlich zu seiner regulären Arbeit ohnehin viel entsorgen. Die Leute legen leider gerne mal einen Kranz ab, wenn er schön ist, machen ihn dann aber nicht weg, wenn er nicht mehr so schön ist“, erklärt Ramm. Die Genossenschaft hat sich nun zu dem rigorosen Schritt entschieden, alle Gräber abzuräumen. Ramm lässt aber durchblicken, dass die Beilagen zumindest in der Zeit kurz nach der Beerdigung auch weiterhin toleriert werden. Außerdem gibt es Überlegungen, auf dem Gelände spezielle Flächen zu schaffen, auf dem die Gegenstände einen festen Platz finden können.

Blumen und Kränze sind im Memoriam Garten nicht erlaubt.
Blumen und Kränze sind im Memoriam Garten nicht erlaubt.
Auch Engelfiguren werden entfernt.
Auch Engelfiguren werden entfernt.
Auf einer Tafel verweist die Genossenschaft der Friedhofsgärtner auf die Regeln zum Grabschmuck.
Auf einer Tafel verweist die Genossenschaft der Friedhofsgärtner auf die Regeln zum Grabschmuck.
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