Landau Warum Glühsaft kein Kinderpunsch ist

Johannes Wörner schenkt den Glühsaft des Weinguts Möckli in die Tasse ein.
Johannes Wörner schenkt den Glühsaft des Weinguts Möckli in die Tasse ein.

Das Nußdorfer Weingut Möckli ist nicht nur für seine Traubensäfte und -seccos bekannt. In der Winterzeit schenkt der Betrieb auch einen alkoholfreien Glühwein aus. Auf eine Zutat wird besonders großen Wert gelegt.

Der Thomas-Nast-Nikolausmarkt ist am Mittwoch zu Ende gegangen. Erstmals nach mehr als 25 Jahren war dort die Nußdorfer Traubensaftmanufaktur Möckli gar nicht vertreten. Ihr Platz auf dem Landauer Marktplatz blieb unbesetzt, weiß Johannes Wörner, der „Feierabendwinzer“, der im Betrieb seines Onkels Manfred Möckli mithilft. Die Gründe für ihr Fehlen seien schnell erklärt: Für einen kleinen Familienbetrieb sei der Aufwand inzwischen zu groß, die anfallenden Arbeiten im Weingut beziehungsweise im Wingert mit denen unter einen Hut zu bringen, die sich durch einen Stand auf dem Nikolausmarkt ergeben. Abgesehen von der Tatsache, dass es immer schwieriger werde, Personal zu finden, dass sich in die Bude stellt. Zumal sich solch ein Zusatzgeschäft auch wirtschaftlich rentieren müsse.

War früher das Weingut Möckli einer der wenigen Standbetreiber, der auf dem Nikolausmarkt einen alkoholfreien Glühwein ausschenkte, haben inzwischen laut Wörner viele Anbieter nachgezogen und ebenfalls passende Alternativen ohne Promillegehalt auf der Karte. So kam es, dass die Möcklis den Glühsaft – so der Name ihres Erzeugnisses – an den Adventssamstagen bei sich im Hof statt auf dem Marktplatz ausschenkten.

Glühgewürz als Beilage

Es habe sich bewährt, die Sorte Regent als Basis für den Glühsaft zu nehmen, sagt Wörner. „Sie hat das passende Aroma, um mit dem Glühgewürz besonders gut zu harmonieren.“ Und allein schon damit hebt sich ihr Erzeugnis von einem Kinderpunsch ab, bei dem es sich laut Wörner in der Regel um eine Fruchtsaftmischung handelt. Zumal bei Möcklis bewusst darauf verzichtet wird, einen fertig gemischten Glühsaft in Flaschen abzufüllen und zu vertreiben. Das passt auch zur Philosophie des seit Ende des 19. Jahrhunderts bestehenden Betriebs, der bei der Herstellung seiner rund 20 unterschiedlichen Traubensäfte darauf achtet, das Produkt nicht zu behandeln und weder Zusatz- mit Konservierungsstoffen zu verarbeiten.

Damit sich der natürliche Geschmack der Orangen- und Zitronenschalen, Zimt, Wacholderbeeren und Co. im Traubensaft entfalten kann, muss der Glühsaft in der heimischen Küche noch zubereitet werden: Der Direktsaft muss erhitzt werden, erklärt Wörner. Dann muss das Glühgewürz, welches in rund zehn Gramm schwere Beutelchen abgepackt und an jeder Flasche befestigt ist, dazugegeben werden. Ähnlich wie beim Tee fünf bis sieben Minuten ziehen lassen – fertig.

Ein Projekt vor Augen

Im Gegensatz zum alkoholhaltigen Glühwein muss Möcklis Genussmittel anschließend nicht mehr gezuckert werden, sondern ist wegen des Fruchtzuckers süß genug. Und wer es nicht weiß, wird den Unterschied zu einem alkoholhaltigen roten Glühwein nicht herausschmecken. „Kunden, die es wirklich nicht wussten, waren überrascht, dass sie auch nach der zweiten Tasse nichts vom Alkohol merken“, berichtet Wörner.

Die Verantwortlichen wissen, dass es manche Verbraucher gerne etwas bequemer haben möchten, auf das Ziehenlassen verzichten würden. Deswegen werde im Weingut darauf hingearbeitet, die Produktion so umzustellen, dass der Glühsaft ohne Zugabe von Zusatzstoffen vorgekocht in die Flasche kommt.

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