Landau
Warum eine Studentin in der Uni-Mensa für alle gekocht hat
Milane Kühnel liebt es, mit Kidneybohnen zu kochen. Als das Studierendenwerk Vorderpfalz die Landauer Studenten im Zuge eines Wettbewerbs nach ihrem Lieblingsrezept fragte, wusste sie gleich, was sie beisteuern kann: „Milanes Bean Balls Spaghetti“. Und die holten den ersten Preis.
Der Lohn: Kühnel durfte für ihre Kommilitonen in der Mensaküche kochen. Beim Wettbewerb „Hau uns in die Pfanne“ ging es dem Studierendenwerk Vorderpfalz darum, die Studenten den Mensa-Speiseplan mitgestalten zu lassen. Was ankommt und was nicht, das ändere sich von Semester zu Semester, erklärt Pressesprecher Thomas Mosthaf. „Wir nennen es ,Renner und Penner’. Letztes Jahr waren Currygerichte der Renner, in diesem Jahr gehen sie deutlich weniger weg. Was wir definitiv schon länger haben, ist der Trend zu veganen Mahlzeiten.“ Mittlerweile werde in den Mensen in der Vorderpfalz mehr vegan als Fleisch gegessen.
Über 350 Mahlzeiten zubereitet
Auf der Suche nach Rezepten, die künftig regelmäßig auf die Speisekarte kommen können, wollte das Studierendenwerk deshalb direkt bei seinen Kunden, den Studenten, nachfragen. Milane Kühnel hat von dem Wettbewerb durch eine E-Mail erfahren – einen Tag vor dem Ende der Frist. Mit ihrem Rezept hat sie sich gegen 50 Mitbewerber durchgesetzt. Bei „Milanes Bean Balls Spaghetti“ handelt es sich um ein Rezept mit einer würzigen Tomatensoße und Fleischbällchen, wobei das Hackfleisch durch eine Mischung aus Kidneybohnen, Sonnenblumenkernen, Zwiebeln und Haferflocken ersetzt wird. Gewürzt wurde der Fleischersatz noch mit Oregano und Basilikum. Kühnel gewann einen 200-Euro-Gutschein für die Mensa. Und das Privileg, ihre Mitstudenten am Mittwoch bekochen zu dürfen.
Ab 8 Uhr am Morgen stand sie gemeinsam mit den Küchenprofis und Mitarbeitern des Studierendenwerks in der Landauer Mensaküche, um ihre Mahlzeit vorzubereiten. Das Studierendenwerk hatte 30 Kilo Bohnen, fünf Kilo Sonnenblumenkerne und zehn Kilo Haferflocken besorgt, die nun zu Bohnenbällchen verarbeitet werden mussten. Mehr als 1000 Stück für insgesamt 350 Mahlzeiten wurden es am Ende. Die Gerichte wurden in den Mensen in Landau, Germersheim, Ludwigshafen und Worms ausgegeben. Kühnel durfte in Landau bei der Ausgabe behilflich sein.
Aus Liebe zum Käse keine Veganerin
Die Psychologiestudentin, die in Landau ihre Ausbildung zur Kinder- und Jugendtherapeutin macht, liebe es, mit Kidneybohnen zu kochen, sagt sie. Das Rezept habe sie zufällig im Internet entdeckt. „Ich koche am liebsten intuitiv und ohne Rezept“, sagt die 27-Jährige. „In diesem Fall habe ich mit der Vorlage experimentiert und sie auf meinen eigenen Geschmack angepasst.“ Die Bohnen nutzt sie für verschiedene Gerichte, sogar für ein Brownierezept. „Man schmeckt sie gar nicht, sie helfen in erster Linie bei der Konsistenz“, erklärt sie. Kühnel ist Vegetarierin aus Umweltbewusstsein. Fast wäre sie Veganerin, aber als Französin schaffe sie es nicht ohne Käse, berichtet sie.
Ihre Ernährung sei darauf ausgerichtet, ihren CO2-Fußabdruck möglichst klein zu halten. Ihre Bohnenbällchen-Spaghetti werden in sechs Wochen nochmal serviert. Wenn die Nachfrage stimmt, werde das Rezept in die reguläre Rotation aufgenommen, sagt Thomas Mosthaf. Am Mittwoch sei das Gericht bereits sehr gut angenommen worden, berichtet er. In Landau hätten an diesem Tag zwei Drittel der Studenten die vegane Option gewählt. Mosthaf sagt, das Studierendenwerk wolle diese Art der studentischen Partizipation am eigenen Speiseplan beibehalten. Eine Idee für die ferne Zukunft sei es, einmal ein studentisches Kochbuch zu veröffentlichen.