Wochenspiegel
Warum die Königstraße einen neuen Namen braucht
Liebe Landauerinnen und Landauer, wir brauchen Ihre Mithilfe! Bitte melden sie sich, wenn Sie in der Innenstadt ein paar herrenlose S finden. Die müssen irgendwo zwischen Untertorplatz und Augustinerkloster verloren gegangen sein. Zumindest hängt in der Nähe des Deutschen Tors ein Schild Königs-Straße an einer Hausfassade, aber die folgenden Straßenschilder bis hinunter zum Kreisel an der Reiterstraße kommen mit einem S weniger und ohne Bindestrich aus. Sie sind die Sparbrötchen unter den Schildern, denn sie sind auch weit weniger attraktiv gestaltet und nicht mehr aus Emaille.
Ein Redaktionskollege sorgt sich, dass dieser Enthüllungsjournalismus den Ausbau der Königstraße gefährden könnte, da der Stadtrat bei seinen Beschlüssen zu der rund 1,5 Millionen Euro schweren Investition mutmaßlich von einem falschen Straßennamen ausgegangen sei. Doch das ist mitnichten der Fall. Wer auf der Homepage der Stadt mit den Begriffen Königs- oder Königstraße sucht, wird fündig – wenn auch nicht bei denselben Infos. Offenbar ist man im Rathaus in der Namensfrage auch nicht ganz sattelfest.
König setzt sich ein Denkmal
Der frühere Stadtarchivar Michael Martin berichtet, dass der erste bayrische König Max Joseph, der in seiner Jugend französischer Offizier in der Landauer Garnison war, die Straße 1816 nach sich benennen ließ. Ursprünglich war sie nur die Hintere oder Große Straße, nach der Französischen Revolution seit 1794 die Rue de la Republique, unter Napoleon die Rue Imperial. Wann die Königs-Straße zur Königstraße wurde, lässt sich heute nicht mehr klar ermitteln. In Stadtplänen ab 1830 wurde sie schon zusammengeschrieben, berichtet die amtierende Stadtarchivarin Christine Kohl-Langer. Im Laufe des 19. Jahrhunderts habe sie dann irgendwann das Fugen-S verloren.
Namen sind also nur Schall und Rauch, und wir sollten uns auch hier ernsthaft über eine Neuausrichtung unterhalten. Mal ganz davon abgesehen, dass man Landauer Straßen nicht zwingend nach gebürtigen Westpfälzern benennen muss und besagter Max Joseph höchstwahrscheinlich auch Namensgeber der Maximilianstraße ist, sind wir uns ja hoffentlich darin einig, dass der Name König(s)straße schändlicher Ausdruck von Machogehabe und Monarchismus ist. Also demokratiefeindlich und eindeutig nicht auf dem Boden des Grundgesetzes stehend.
Zurück zu den Sümpfen
Was also tun? Laut Grundsatzbeschluss des Rates müsste es ein Frauenname werden. Doch der Oberbürgermeister warnt, dass es bei Menschen immer das Restrisiko eines dunklen Flecks im Lebenslauf gibt. Vor dem Hintergrund von Klimawandel und Artensterben und aus Respekt vor den Indigenen Landaus sollten wir uns daher auf den mittelalterlichen Namen der Königsstraße rückbesinnen. Da war sie, in Würdigung der quakenden Ureinwohner der sumpfigen Queichniederung, einfach nur die Fröschau.