Landau
Vulcan Energy: Neu eröffnete Anlage soll Lithiumgewinnung optimieren
In der Eutzinger Straße im Süden Landaus dampft es. Aus dem Blockheizkraftwerk (BHKW) der Energie Südwest, das Nahwärme für den Wohnpark am Ebenberg erzeugt. Das unmittelbar benachbarte Geothermiekraftwerk des Betreibers Geox (Eigentümer IKAV) steht seit Monaten still, wie der SWR gerade berichtet hat. Eigentlich hätte von dort heißes Tiefenwasser durch eine Rohrleitung zu einer Anlage fließen sollen, die in den vergangenen Monaten hinter dem BHKW errichtet worden ist. Vulcan Energy, Eigentümer des benachbarten Geothermiekraftwerks Insheim, hat sie gebaut. Am Donnerstag ist diese Lithiumextraktionsoptimierungsanlage (LEOP) offiziell eröffnet worden.
Sie soll genau das tun, was der etwas sperrige Name besagt: dazu dienen, die Lithiumgewinnung aus Tiefenwasser zu optimieren. Für Vulcan-Mitgründer Horst Kreuter ist es ein besonderer Tag. Nachdem das Unternehmen mit einer kleinen Pilotanlage Erfahrungen gesammelt hat und nun genau zu wissen glaubt, wie das wertvolle Leichtmetall für die Batterieproduktion aus dem Untergrund des Oberrheingrabens zu gewinnen ist, soll die neue Anlage im nächstgrößeren Maßstab das Produktionsteam schulen – und schon Lithiumchlorid im Tonnen-Maßstab gewinnen.
Der Prozess soll CO2 -neutral ablaufen
Die echte Produktion im industriellen Maßstab soll 2027 anlaufen, ebenfalls in Landau, in einer Anlage, die im neuen Gewerbegebiet D12 an der Autobahn entstehen soll. Ehrgeizige Pläne. Noch gibt es dieses Gewerbegebiet nur auf dem Papier, doch Kreuter gibt sich optimistisch, dass schon alles klappen wird. Dort könnten dann schon 24.000 Tonnen Lithiumchlorid gewonnen werden, das in Frankfurt-Hoechst zu Lithiumhydroxid veredelt wird, wie es für Autobatterien und andere Akkus benötigt wird. Bis dahin wird Vulcan von der Erkundung über die Bohrung bis hin zur Produktion 1,4 Milliarden Euro investiert haben, so Kreuter, davon allein 500 Millionen Euro in Landau.
Kreuter öffnet eine Stahltür, hinter der ein grauer Edelstahlzylinder steht. Unscheinbar, aber der erste und entscheidende Schritt des Prozesses, der praktisch CO2-neutral ablaufen soll, weil Wärme und Strom vor Ort erzeugt werden und nur geringe Transportwege anfallen. Der Tank sei mit dem selbst entwickelten Sorbens (aufnehmender Stoff) gefüllt, einem körnigen, porösen Material. Wenn Tiefenwasser den Zylinder durchströmt, lagern sich Lithiumionen in dem Sorbens ein, während laut Kreuter andere Ionen wie zum Beispiel Natrium zu groß sind und gleich wieder ausgeschwemmt werden. Das funktioniert bei 70 Grad, weit unter der 160-Grad-Temperatur des Tiefenwassers. Anschließend werde der Zylinder mit klarem Wasser gespült, das das Lithium wieder auswasche.
Warum das Kraftwerk still stand
In dem Spülwasser habe sich das Lithiumchlorid von etwa 180 Milligramm pro Liter auf ein Gramm angereichert. In der angeschlossenen Anlage, einem Gewirr von Rohrleitungen, kesseln, Ventilen und Flanschen wird die Lösung entsalzt – „wie auf einem Kreuzfahrtschiff“, so Kreuter– und mit der Abwärme des Tiefenwassers eingedickt. Unerwünschte Stoffe wie Kalzium würden ausgefällt und ausgefiltert und anschließend wieder dem Tiefenwasser zugeführt, das wieder in den Untergrund zurückgeführt wird. Laut Kreuter besteht die Lösung dann nicht mehr aus 98 Prozent wasser und zwei Prozent Lithiumchlorid, sondern aus 60 Prozent Wasser und 40 Prozent Lithiumchlorid. Diese Lösung soll in Hoechst zu hochreinem Lithiumhydroxid verarbeitet werden, wie es für Autobatterien benötigt werde.
Dass das benachbarte Kraftwerk abgeschaltet ist, sei kein Problem versichert Kreuter. Erfahrungen könne man mit jedem Tiefenwasser sammeln, und das eigene Kraftwerk in Insheim ist nicht weit. Andreas Tschauder, Leiter des Landesamtes für Geologie und Bergbau, sagt auf Anfrage, dass bei einer Routinekontrolle im Landauer Kraftwerk Mängel im Primärkreislauf, im Bereich der Wasserförderung, festgestellt worden seien, die sicherheits- und umweltrelevant hätten werden können und eine Betriebseinstellung erforderlich gemacht hätten. Normaler Verschleiß, „keine Riesenherausforderung“, so Tschauder, der das Kraftwerk seit den Anfangstagen kennt. Das Landesamt stehe in ständigem Kontakt mit dem Betreiber, aber warum sich dort nichts tue, entziehe sich seiner Kenntnis.