Sparen mit der RHeinpfalz
Von Obstbäumen mit gelben Bändern kann man kostenlos naschen
Äpfel, Birnen, Mirabellen, Zwetschgen, Pflaumen und Quitten warten in den Herbstmonaten darauf, von Bäumen gepflückt zu werden. Wer ein bisschen durch die Landschaft streift, stößt des Öfteren auf einen oder mehrere Obstbäume am Wegesrand. Im Supermarkt muss man bezahlen; wenn man das Obst direkt vom Baum nimmt, ist es kostenlos. Aber darf man das einfach so? Auf dem Portal www.mundraub.org sind in der Südpfalz die Standorte einer ganzen Reihe von Obst- und Nussbäumen aufgeführt, die Nutzer selbst in einer Karte eintragen können. Dabei weißt die Plattform, die es seit 2009 gibt, darauf hin, dass nur Fundorte eingetragen und genutzt werden sollen, die auf öffentlichem Grund und nicht in einem Schutzgebiet liegen oder verpachtet sind.
Laut der „Handstraußregel“ sei das Ernten für den Eigenbedarf erlaubt. Die Plattform führt dafür das Bundesnaturschutzgesetz heran, in dem es heißt: „Jeder darf wildlebende Blumen, Gräser, Farne, Moose, Flechten, Früchte, Pilze, Tee- und Heilkräuter sowie Zweige wild lebender Pflanzen aus der Natur an Stellen, die keinem Betretungsverbot unterliegen, in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich entnehmen und sich aneignen.“
Aktion 2021 in die Pfalz geholt
Aber es bleibt ein Geschmäckle. Wer kennt schon immer die genauen Eigentumsverhältnisse? Da steht ein Baum wild in der Natur herum, aber vielleicht gehört der Grund und Boden doch einem Privatmann. „Das Beernten von fremden Bäumen ist nicht nur rechtlich gesehen ein Diebstahl, sondern oft auch ein Ärgernis für die Besitzer, die nur noch leere Bäume vorfinden“, mahnt das Biosphärenreservat Pfälzerwald, das deswegen gemeinsam mit Landesforsten Rheinland-Pfalz und der Leader-Aktionsgruppe Pfälzerwald Plus im vergangenen Jahr die bundesweite Aktion „Gelbes Band“ in die Pfalz geholt hat.
Das Ganze funktioniert so: Die teilnehmenden Kommunen, Vereine oder Privatleute kennzeichnen zur Erntezeit Bäume mit einem gelben Band und geben diese damit sichtbar zur Ernte frei. Von Bäumen, die mit dem Band markiert sind, darf dann legal Obst gepflückt werden. Das schone den Geldbeutel und sei auch ein Beitrag zur Nachhaltigkeit, finden die Initiatoren. Denn damit würden regionale Produkte genutzt. Das Obst werde verwertet, statt es verfaulen zu lassen. Und der Lebensraum Streuobstwiese werde bewahrt. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen: Der Verein Leben und Natur in der Südpfalz etwa findet, dass die Aktion die Streuobstwiesen-Kulturlandschaft gefährdet statt erhält.
Was gibt bei Annweiler zu holen?
Aber jetzt geht’s ja ums Sparen: Sind Sie nun schon ganz wild auf kostenloses Obst? Dann kriegt der süße Spardrang nun aber einen kleinen Dämpfer. Machten im Premierenjahr noch zahlreiche Gemeinden etwa im Raum Annweiler, Bad Bergzabern und Wörth mit, fällt in diesem Jahr der Blick auf die interaktive Karte www.pfaelzerwald.de/streuobstwiesen mehr oder weniger ins Leere. Für die komplette Südpfalz ist nur ein einziger Standort markiert, und zwar zwischen Annweiler und Queichhambach. Zwetschge, Apfel und Birne gibt’s dort zu holen. Die Fläche gehöre der Verbandsgemeinde Annweiler, berichtet Stadtbürgermeister Benjamin Seyfried. „Im vergangenen Jahr hatten wir noch eine Fläche oberhalb der Minigolfanlage beim Kurpark dabei, aber da musste man fast hochklettern, und die wurde gar nicht genutzt.“ Deswegen ist diese nun nicht mehr dabei. Dafür stelle der Pfälzerwald-Verein auf seiner Streuobstwiese am Dreißig in der Nähe des Turnerheims zwei, drei Bäume zur Verfügung. Auch wenn die Bäume im vergangenen Jahr nur moderat abgeerntet worden seien, findet Seyfried die Aktion gut, wo sie Sinn ergebe. Es sei doch besser, die Früchte zu nutzen, als sie vergammeln zu lassen. Deswegen wolle sich Annweiler auch im kommenden Jahr daran beteiligen.
Von Anfang an mit Feuereifer dabei war auch die Gemeinde Weyher. Rund 20 Bäume seien im vergangenen Jahr mit einem gelben Band markiert worden, berichtet Ortsbürgermeister Andreas Möwes. Umso erstaunlicher ist, dass man die Gemeinde nicht mehr in der Standort-Auflistung findet. Aber das liege nicht an der Aktion, versichert der Ortschef, sondern an den Umständen. „Wir wollten mitmachen, haben es aber verschludert.“ Denn in diesem Hitze- und Dürresommer sei die Gemeinde so mit Gießen beschäftigt gewesen, es sei so viel Arbeit gewesen, dass die Aktion hinten runtergefallen sei, gibt Möwes zu. Aber im nächsten Jahr würde die Gemeinde gerne wieder dabei sein.
Warum machen diesmal weniger mit?
Warum ist in diesem Jahr auf der interaktiven Karte der Aktion in der Südpfalz so mau aussieht? Sind manche Orte vielleicht dabei, aber auf der Karte vergessen worden? Auf Nachfrage gibt das Biosphärenreservat an, dass dieselben Kommunen wie im vergangenen Jahr angeschrieben worden seien. Die Gemeinden, die auf der Karte zu finden sind, hätten sich angemeldet. Auf der Karte fehlt auch die Stadt Wörth. Aber: „Wir beteiligen uns mit allen vier Ortsbezirken an der Aktion“, bestätigt auf Nachfrage der für Landespflege, Umwelt- und Naturschutz zuständige Beigeordnete Thomas Krämer. „Wir sind gerade dabei, die gelben Bänder anzubringen.“ Wie im Vorjahr ist auch die Gemeinde Westheim wieder mit im Boot. Mit gelben Bändern gekennzeichnete Obstbäume stehen beispielsweise auf den Streuobstwiesen Richtung Schwegenheim und Weingarten sowie am landwirtschaftlichen Weg zwischen Bahnlinie und Haardtweg.
Auf die gesamte Pfalz bezogen, machten die Gemeinden wieder zahlreich mit. „Das Problem ist aber, dass dieses Jahr kein gutes Jahr für Streuobst ist. Viele der Früchte konnten aufgrund der Trockenheit nicht gut heranwachsen. Auf der Suche nach Futter und Wasser haben Tiere sie zudem vermehrt und frühzeitig angepickt oder gefressen“, berichtet Anna-Maria Marstaller von der Geschäftsstelle Pfälzerwald. Einen generellen Teilnahmeschwund könne sie nicht ausmachen.
Die Stadt Landau beteiligt sich bewusst nicht an der Aktion „Gelbes Band“. Dafür gibt sie seit zwei Jahren zwei Streuobstwiese bei Arzheim und Wollmesheim mit insgesamt rund 250 Obstbäumen zum Selbstpflücken frei.
Leseraufruf
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