SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Was hinter der Aktion „Gelbes Band“ steckt

Werben für die Aktion „Gelbes Band“ (von links): Weyhers Ortsbürgermeister Andreas Möwes, Beigeordneter Robert Klein und Michael
Werben für die Aktion »Gelbes Band« (von links): Weyhers Ortsbürgermeister Andreas Möwes, Beigeordneter Robert Klein und Michael Leschnig vom Haus der Nachhaltigkeit.

Immer mehr Obstbäume in der Pfalz werden mit einem gelben Band markiert. Die Aktion soll für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisieren und ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung setzen. Es gibt aber auch Bedenken gegen die Initiative.

Michael Leschnig, der Leiter des Hauses der Nachhaltigkeit, schwärmt: „Die Aktion ist einfach und genial.“ Er spricht von der überregionalen Initiative „Gelbes Band“, für die er sich in Zusammenarbeit mit dem Biosphärenreservat Pfälzerwald und der Leader-Aktionsgruppe Pfälzerwald plus stark macht. Warum werden gelbe Bänder um Bäume im Pfälzerwald und in den angrenzenden Gebieten gebunden?

Das Prinzip hinter der Aktion ist schnell erklärt: Von den Bäumen, die mit einem gelben Band markiert sind, darf jeder legal Obst für den Eigenbedarf pflücken. Denn es soll nicht ungegessen verkommen. „Oft weiß man nämlich nicht, ob man zugreifen darf“, meint Leschnig. Gehört der Baum der Ortsgemeinde oder ist er in Privatbesitz? Wird er noch genutzt oder kümmert sich niemand mehr darum? Alle Fragen kann das gelbe Band natürlich nicht beantworten, aber eins macht es klar: Hier darf ich mir einen Apfel als Proviant pflücken.

Es wird auf Baumpaten gesetzt

Aber nicht nur Apfelbäume sind Teil der Aktion, auch Birnen, Pflaumen und Nüssen können geerntet werden, wenn der Baum das etwa vier Zentimeter breite Papierband trägt. Es wird zwei- bis dreimal um den Stamm gewickelt und eine Schleife gemacht. Es hält etwa zwei Jahre, danach muss es ersetzt werden. Bei der Betreuung der Obstbäume setzen Leschnig und seine Mitstreiter auf ein System von Paten. So soll an der richtigen Stelle Verantwortung übernommen werden.

Leschnig betont: „Es geht dabei auch um eine Wertschätzung unserer Heimat und unserer Region. Wir wollen unser Biosphärenreservat Pfälzerwald nutzen und bewahren.“ Aber auch der Insektenschutz spielt für ihn eine große Rolle.

Für den Naturschutz im Einsatz

Die meisten ausgewählten Bäume sind in öffentlicher Hand. Es können noch weitere hinzukommen. Denn: Für neu ausgewiesene Bauflächen müssen die Kommunen Ausgleichsflächen anlegen. Oft sind das Streuobstwiesen, die gepflegt werden müssen. Genutzt wird das Obst aber dann selten. Das dürfte sich jetzt bei den Ortsgemeinden, die an der Aktion teilnehmen, hoffentlich ändern.

Eine dieser Gemeinden ist Weyher. An etwa 20 Bäumen rund um das Dorf hat Beigeordneter Robert Klein schon gelbe Bänder angebracht. Ortsbürgermeister Andreas Möwes setzt sich schon seit neun Jahren für den Naturschutz ein. Streuobstwiesen sind dabei nicht zum ersten Mal ein Thema. „Es gibt hier viele Streuobstwiesen am Waldrand.“ Die seien auch zum Schutz gegen Wildschweine gut. Bei vielen Flächen habe man gesehen, dass sie aufgegeben worden und zugewachsen seien, erzählt Möwes. „Ich habe dann die Eigentümer angesprochen, was damit passieren soll.“

„Aktion eine logische Konsequenz“

Einige schenkten daraufhin ihre Grünflächen der Gemeinde, andere schlossen Bewirtschaftungsverträge mit ihr ab. Viele Flächen seien als Streuobstwiesen wieder rekultiviert worden. „In diesem Frühjahr haben wir auch einen Obstbaumschnittkurs angeboten. Das ist ganz gut angekommen“, berichtet Möwes. Paten für die Bäume seien zwar bisher noch nicht festgelegt, das sei aber noch in Planung.

Als dann die Aktion „Gelbes Band“ an den Ortschef herangetragen wurde, war es für ihn nur eine konsequente Fortsetzung der Initiative, die vorher schon da war. „Ich finde das eine wirklich gute Idee. Wir haben jetzt auf zwei größeren Flächen mal die Schwerpunkte mit den gelben Bändern gesetzt.“

Angst vor„ Streuobst-Tourismus“

Aber nicht bei allen stößt die Aktion auf so viel Begeisterung. „Aus der Verbandsgemeinde Edenkoben kamen dazu einige Bedenken“, berichtet Möwes. Es könnten eventuell Äste heruntergerissen werden oder auch ein Streuobstwiesen-Tourismus entstehen. Mit diesen Bedenken ist die Verwaltung nicht alleine. Die Stadt Landau hat sich nach längerem Zögern dagegen entschieden, sich an der Initiative zu beteiligen. Man wolle die Streuobstwiesen lieber den eigenen Bürgern zur Verfügung stellen. „Bereits seit vielen Jahren werden Bäume auf ausgewählten städtischen Streuobstwiesen durch Schulen und Kindergärten abgeerntet, um daraus beispielsweise Apfelsaft zu machen“, erklärt Pressesprecherin Sandra Diehl.

Leschnig vom Haus der Nachhaltigkeit erklärt, dass vor allem die öffentliche Karte mit den eingezeichneten Bäumen ein Problem für viele Gemeinden sei. Sie wird online unter www.pfaelzerwald.de/streuobstwiesen stetig aktualisiert. „Nicht alle Bäume mit gelbem Band sind auf der Karte eingezeichnet. Manche Ortsgemeinden wollen nicht veröffentlicht werden, um Streuobstwiesen-Tourismus zu vermeiden.“ Trotzdem beteiligen sich diese Kommunen an der Aktion und hängen gelbe Bänder für die ortsinterne Teilnahme auf.

Wer sich noch an der Aktion beteiligt

Die Bedenken kann Andreas Möwes nicht teilen: „Ich denke, dass die Leute damit verantwortungsvoll umgehen werden.“ Auch die Rückmeldungen von den Anwohnern in Weyher seien positiv. Man freue sich darüber, dass die Gemeinde sich darum kümmert.

Die Verbandsgemeinde und die Stadt Annweiler haben mehrere Bäume zur Verfügung gestellt. Jene zwischen Annweiler und Queichhambach sowie oberhalb der Golfanlage. Auch Bad Bergzabern und viele kleinere Gemeinden beteiligen sich an der Initiative.

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