Landau Von „Hääschdner Hosseträächer“

Aus Resten des Schuhleders wurden kleine Teile ausgestanzt und zu Riemen für Hosenträger verbunden.
Aus Resten des Schuhleders wurden kleine Teile ausgestanzt und zu Riemen für Hosenträger verbunden.

«Hauenstein.» Die Redaktion des „Marktplatz“ hat vor einigen Wochen eine kleine Leserumfrage über das so wichtige Funktions-Kleidungsstück „Hosenträger“ initiiert. Dazu jetzt eine kleine Nachlese. Not macht erfinderisch: Nach dem Krieg waren Hosenträger und Gürtel aus Lederstückchen ein Stück Überlebensstrategie.

Aus der Zeit der schlimmen Nachkriegsjahre, als ein Hosenträger aus Lederstückchen aus Hauenstein in den Bauerndörfern der Süd- und Vorderpfalz mindestens einen halben Zentner „Grumbeere“ im Tauschhandel wert war, stammt diese Hosenträger-Geschichte, an die sich die heute 75-Jährigen noch gut erinnern können. Der „Hääschdner Hosseträächer“ war bist kurz nach der Währungsreform im Juni 1948 und auch noch einige Jahre später in höchstem Ansehen: Er war praktisch, strapazierfähig, formschön in Design und Farbe, und vor allem, er war aus Leder. Leder für Schuhe gab es in diesen Notjahren nur über Bezugsscheine der interalliierten Zuweisungskommissionen, aber Lederreste aus den Zuschnitten waren noch in riesigen Mengen vorhanden. Und das machten sich die pfiffigen Hauensteiner zunutze. Nicht nur die Bauern brauchten strapazierfähige Lederhosenträger. Nach Schätzungen sind in den ersten Nachkriegsjahren mehrere Millionen Hosenträger aus Lederstückchen zunächst in die französische Zone, dann aber auch nach ganz Deutschland, das Saarland und Berlin gegangen. Hunderte von Frauen und Kindern flochten die einzelnen aus Formen gestanzten Einzelteilchen zusammen zu einem strapazierfähigen und funktionalen Kleidungsstück, auf das sowohl die Schulbuben als auch die arbeitende Männerwelt in den Fabriken und auf den Feldern recht stolz waren. Aber erst mussten die etwa zwei bis drei Zentimeter langen Einzelteilchen ausgestanzt werden. Und das ging so: In den Nachkriegsjahren „klopfte“ man in Hauenstein und den umliegenden Gemeinden im Luger und Gossersweilerer Tal in vielen Häusern das kostbare Einzelteil heraus. Das Deutsche Schuhmuseum in Hauenstein hat diese Facette der Lederbearbeitung nach dem Zweiten Weltkrieg dokumentiert und stellt die ledernen Zeitzeugen der Nachkriegszeit in eigenen Vitrinen aus. Heute, 70 Jahre später, erlebt der damals aus der Not geborene Hosenträger als Männerdomäne im Hauensteiner Museum analog auch eine Renaissance für die modebewusste Damenwelt. Modische Flechtgürtel als jüngstes Kind im Museum in Hauenstein sind nach dem gleichen Schema hergestellt wie damals in den Notzeiten die Hosenträger. Nur, was damals aus der Not geboren war, ist heute zum schicken Modeaccessoire mutiert. Horst Geiger (83), eine der eifrigsten ehrenamtlichen Mitarbeiter des Museums, hat eine bunte Produkt-Palette moderner Ledergürtel nach altem Muster entwickelt, die zu einem Renner im Museumsshop geworden sind.

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