Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Von der Hilti bis zur Rolex

Haben in Landau im Durchschnitt zehn Kunden am Tag (von links): Gina Hoffmann, Bernd Barz und Ulrich Kohlmetz. Foto: Norman P. K
Haben in Landau im Durchschnitt zehn Kunden am Tag (von links): Gina Hoffmann, Bernd Barz und Ulrich Kohlmetz.

Das Konto ist leer, die Bank gibt keinen Kredit und die Rechnungen wollen bezahlt werden. Wer in einer solchen Situation noch Wertgegenstände besitzt, kann diese kurzfristig im Pfandhaus zu Geld machen. Stimmt das Klischee, dass überwiegend sozial Schwache von diesem Angebot Gebrauch machen?

Das Geschäft läuft im Landauer Pfandhaus in der Schützengasse 2. Als die RHEINPFALZ zum Termin vorbeischaut, verlässt gerade eine Kundin das Geschäft. Sie hat etwas „versetzt“. Was, sagt sie nicht. Diskretion ist oberste Priorität im Pfandhaus, das Geschäftsführer Ulrich Kuhlmetz im vergangenen Jahr übernommen hat, so wie den Hauptsitz in Ludwigshafen, das City Leihhaus.

Kuhlmetz betreibt die beiden Häuser mit seinem Freund und Partner Bernd Barz. Der hat eine Affinität zu Schmuck. Er kommt aus Idar-Oberstein – der Edelsteinstadt Deutschlands. Und wie kann es anders sein, war er in seinem früheren Berufsleben Diamant-Gutachter und mit seiner Schwestern ein Juwelier-Geschäft in Kusel betrieben. Beruflich gesehen, ist Geschäftsführer Kuhlmetz die perfekte Ergänzung: Der Mann ist in Deutschlands Gold-Hauptstadt Pforzheim geboren, hat Betriebswirtschaftslehre studiert und ist 1984 in eine sogenannte Scheideanstalt eingestiegen. Da ist er noch immer im Geschäft der Firma Berolina, die Edelmetalle aus Verbundstoffen herauslöst.

Die Klientel des Pfandhauses?

Die Kunden sowohl in Landau als auch Ludwigshafen sind laut Kuhlmetz und Barz zu rund 80 Prozent sozial-finanziell schwach. Das Klischee stimmt also: Der arme Schlucker, der von der Bank keinen Kleinkredit bekommt, geht zum Pfandhaus. Versetzt werden sehr viele Handys oder auch Laptops. Die Leute bräuchten eben mal schnell Geld, um die Miete zu bezahlen oder um dem Kind zum Geburtstag ein Geschenk auf den Tisch stellen zu können. Und bei manchen ist Mitte des Monats kein Geld mehr da, um den Kühlschrank zu füllen.

Aber da sind auch die restlichen 20 Prozent, die diesem Bild nicht entsprechen und die aus allen gesellschaftlichen Schichten stammen. Da ist der kleine Handwerksbetrieb, der schnell eine Rechnung über 2000 Euro bezahlen muss, aber der letzte Auftraggeber hat seine Rechnung noch nicht beglichen. Jetzt ist für ein paar Tage das Konto leer. Dann werden kurzerhand mal eine oder zwei Hiltis verpfändet. Auch ansonsten gut betuchte Geschäftsleute sind beim Pfandhaus Kunden. Es komme schon mal vor, das diese Klientel teure Nobeluhren im Wert von 20.000 bis 30.000 Euro einlöst, um ein paar Tage überbrücken zu können, weil sie nicht so viel Bargeld ganz kurzfristig zur Verfügung hat, sondern ihr Vermögen in langfristigen Wertanlagen steckt, berichten Kuhlmetz und Barz, die in Landau eine Mitarbeiterin und in der Ludwigshafener Lutherstraße 15 - 17 drei Kräfte beschäftigen. In Landau kämen bis zu zehn Kunden am Tag, in Ludwigshafen seien es 15 bis 20. Das Prinzip sei ein sehr einfaches für den Kunden: Er müsse nicht zur Bank, etliche Formulare ausfüllen und zudem fürchten, einen Schufa-Eintrag zu bekommen. Das Geld für den „Faustpfand“ werde nach einer kurzen Bewertung direkt ausbezahlt. Wobei nicht das Verpfänden, sondern der Ankauf von Gold ein immer größerer werdendes Geschäft in Landau und Ludwigshafen wird, wie Kuhlmetz und Barz betonen. Im Übrigen nehmen sie nicht alles an. Beispielsweise Teppiche oder andere größere Güter sind nicht ihr Geschäft, dafür fehlt ihnen die Lagerkapazität.

So funktioniert das mit dem Pfand

Ein Kunde kommt und verpfändet beispielsweise seine Playstation. Die wird dann nach dem aktuellen Wert – via Internet – eingepreist und ausbezahlt. Vom Gesetztgeber ist eine Pfandleihzeit von vier Monaten vorgeschrieben. Barz und Kuhlmetz gewähren fünf Monate. Innerhalb dieser Zeit hat der Verpfänder eine gesetzlich geregelte Gebühr, die sich aus der Höhe des auszuzahlenden Betrages, in monatlichen Raten zu leisten. Dazu gibt es die Möglichkeit die Pfandzeit in beiderseitigem Einverständnis zu verlängern. Lediglich die Pfandgebühr sei die Einnahmequelle der Pfandleiher. Der Großteil der verpfändeten Gegenstände werde wieder ausgelöst, so die Kuhlmetz und Barz. Wird ein Gegenstand nach spätestens fünf Monaten nicht ausgelöst, kommt es zur Versteigerung. Das Pfandhaus Ludwigshafen-Landau macht seine Auktionen in Mannheim. Die nächsten Termine sind am 10. September und 10. Dezember. Ist ein Gegenstand versteigert, steht der Großteil des Erlöses dem Gläubiger oder dem Finanzamt zu. Das Pfandhaus behält lediglich den Betrag der zusätzlichen monatlichen Leihgebühr ein, so Kuhlmetz und Barz.

x